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Turf national: Mülheimer Wiederauferstehung und München mit dem letzten Gr. I-Rennen der Saison in Europa

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Turf aktuell

TurfTimes: 

Ausgabe 592 vom Freitag, 01.11.2019

Zwei heisse Kandidatinnen für den Gr. I-Sieg in München: Die von Markus Klug trainierte Amorella - hier mit Martin Seidl nach dem Sieg im T. von Zastrow Stutenpreis. www.galoppfoto.de - Sabine BroseZwei heisse Kandidatinnen für den Gr. I-Sieg in München: Die von Markus Klug trainierte Amorella - hier mit Martin Seidl nach dem Sieg im T. von Zastrow Stutenpreis. www.galoppfoto.de - Sabine BroseUnd Donjah: Die frischgebackene Gr. II-Sieger im Gran Premio del Jockey Club. Foto (Archiv) www.galoppfoto.de - Sandra ScherningUnd Donjah: Die frischgebackene Gr. II-Sieger im Gran Premio del Jockey Club. Foto (Archiv) www.galoppfoto.de - Sandra ScherningDas Jahresprogramm einer deutschen Galopprennbahn war jahrzehntelang von Kontinuität geprägt, erst in den letzten Jahren kam es durch die zurückgehende Zahl von Rennveranstaltungen zu einer Ausdünnung des deutschen Rennkalenders. Manche Renntage verschwanden und mit ihnen manch lieb gewonnenes Traditionsrennen. Auf dem höchsten sportlichen Level der Gruppe-Rennen gibt es eine besonders enge Koppelung von Rennbahn und Rennen. Wer denkt nicht beim Deutschen Derby und dem Hansa-Preis automatisch an Hamburg-Horn oder beim Großen Preis von Baden an Iffezheim? Doch selbst auf Gruppe-Level gab es in der letzten Dekade einige Orts-, Termin- und Namenswechsel dieser Rennen, wie z.B. beim 40 Jahre lang während des Baden-Badener Frühjahrsmeetings gelaufenen Oleander-Rennen zu beobachten, das nach einem Zwischenstopp in Krefeld mittlerweile unter demselben Renntitel in Hoppegarten ausgetragen wird. Oder beim früheren Aral-Pokal, der nach dem Aus der Galopprennbahn in Gelsenkirchen-Horst zunächst einige Jahre am angestammten August-Termin in Köln ausgetragen wurde, bevor er vor sieben Jahren nach München wanderte. Dort fand er sich als Großer Preis von Bayern ab 2014 am Ende der Rennsaison wieder.

Sonntag, 03. November 2019, München, 8. Renntag, Beginn 12:00 Uhr

Diese zeitliche Verschiebung hat der Qualität des Starterfeldes gut getan, wie man auch an diesem Wochenende wieder feststellen kann, wenn sich ein internationales elfköpfiges Aufgebot im Waldgeist - Großer Preis von Bayern (Gr. I. 2.400m, 155.000 Euro, 6. Rennen, Start 15:15 Uhr) zur letzten Gruppe I Prüfung der heimischen Saison in München-Riem einfindet. Zwei britische Stuten aus dem Quartier von Ralph Beckett, die unschwer als Töchter von Lope de Vega erkennbaren Antonia de Vega und Manuela de Vega, und der zuletzt beim Baden-Badener Herbstmeeting in einem Gruppe III Rennen groß auftrumpfende Ungar Nancho fordern als Gäste aus dem Ausland die heimischen Steher heraus. Das deutsche Aufgebot wird dabei von der 3jährigen Stute Donjah aus dem Stall von Henk Grewe angeführt, die nach Platzierungen in heimischen Gruppe I Rennen in Baden-Baden und Köln zuletzt ein Gruppe II Rennen in Mailand gewann und nun den ersten Volltreffer auf höchstem Gruppe-Level landen will. Auch Gestüt Hachtsees 3jähriger Hengst Ladykiller aus dem Quartier von Andreas Wöhler verdient nach seinem Gruppe-Sieg vor drei Wochen in Hoppegarten ebenso Beachtung wie die stark gesteigerte 4jährige Amorella aus dem Stall von Markus Klug, die nach ihrem Gruppe II Erfolg in einem Stutenrennen in Baden-Baden zuletzt als Zweite im Kölner 57. Preis von Europa (Gr. I) bereits vor Donjah endete. Ein spannendes Finale nicht nur der Münchener Turf-Saison, sondern auch des Reigens der Prüfungen der deutschen Champions-League der Galopper ist am Sonntag garantiert.

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Zur Historie des Silbernes Bandes der Ruhr

Das Silberne Band der Ruhr wird wiederbelebt: Die Rennbahn in Mülheim erlebt eine Renaissance. www.galoppfoto.de - Stephanie GruttmannDas Silberne Band der Ruhr wird wiederbelebt: Die Rennbahn in Mülheim erlebt eine Renaissance. www.galoppfoto.de - Stephanie GruttmannBei den Listenrennen im deutschen Turf-Kalender gab es in den vergangenen Jahren noch viel mehr Bewegung als bei den Gruppe-Rennen, manche vielen gänzlich dem Rotstift zum Opfer, andere wechselten die Rennbahn und den Termin. Meist geschah dies ohne allzu viel öffentliche Aufmerksamkeit zu erhalten, da die sportlich und finanziell unterhalb der Gruppe-Prüfungen angesiedelten Listenrennen nicht im besonderen Fokus stehen und daher nicht so stark mit einer Rennbahn verbunden werden. Eine Ausnahme machte jedoch das Mülheimer Traditionsrennen „Silbernes Band der Ruhr“. Diese Prüfung für die Extremsteher hatte aufgrund seiner langen Historie und seines ungewöhnlichen Renntitels einen hohen Bekanntheitsgrad. Nachdem die Mülheimer Rennbahn Anfang des Jahrtausends ihre Gruppe-Rennen aufgrund finanzieller Probleme an andere Rennvereine hatte abgeben müssen, übernahm das „Silberne Band der Ruhr“ als Listenrennen die Rolle des Aushängeschildes für den Mülheimer Turf auf sportlich gehobenem Level.

Bereits 1930 feierte die Prüfung ihre Premiere am Mülheimer Raffelberg. Gewonnen wurde es damals vom 3jährigen Hengst Curator im Besitz der Gebrüder Rösler. Der Pergolese-Sohn Curator wurde in der Folgezeit zum Spezialisten für dieses Mülheimer Extremsteher-Rennen: Er siegte auch in den folgenden beiden Jahren und noch ein weiteres Mal 1935 als Achtjähriger. Damit stellte er gleich zu Beginn der Geschichte dieser Prüfung einen bis heute gültigen Rekord auf: Kein Vollblüter nach ihm schaffte vier Siege im „Silberner Band der Ruhr“, auch ein Dreifach-Sieger ist in den Annalen nicht verzeichnet.

Doppelsieger finden sich hingegen einige. Anfang der 50er Jahre triumphierte der von George Arnull trainierte Schlenderhaner Jonckheer als Drei- und Vierjähriger in Mülheim. Mitte der 50er Jahre war es der Ticino-Sohn Nizam, der sich vier- und sechsjährig in die Siegerliste eintragen konnte, fünfjährig scheiterte als Zweiter nur knapp. Erst Mitte der 70er Jahre findet sich mit dem Schlenderhaner Aldebaran, der im Training bei Heinz Jentzsch stehend in Mülheim drei- und vierjährig gewann, der nächste Doppelsieger in den Annalen. Weitere zehn Jahre später ist es mit Hydros ein Schützling von Bruno Schütz, der für zwei Siege während einer Serie von vier aufeinanderfolgenden Erfolgen des Kölner Trainers in der Zeit 1985 bis 1988 sorgte. Nach Ende dieser Serie trumpfte Gestüt Ostenhofs Logan aus dem Krefelder Mäder-Quartier zweimal in Folge im „Silbernen Band der Ruhr“ groß auf und wurde zum fünften Doppelsieger der Prüfung. Ende der 90er Jahre folgte ihm Stall Kaiserbergs Diktys, der vier- und fünfjährig unter der Obhut von Hans-Albert Blume stehend siegreich war. Als siebter und letzter Doppelsieger trug sich Anfang des neuen Jahrtausends der von Andreas Schütz vorbereitete Kamiros-Sohn Adlerflieger vier- und fünfjährig in die Siegerliste ein.

Schon früh versuchten auch Gäste aus dem Ausland, den Sieg über die Landesgrenze zu entführen. Schon Anfang der 60er Jahre sorgten zwei Norweger für die ersten Gästeerfolge. Zunächst war es 1962 der 5jährige Altai Taifun, bevor im Folgejahr der 6jährige Acrobat das Silberne Band der Ruhr nach Skandinavien holte. Danach dauerte es mehr als 30 Jahre bis zum nächsten – und letzten – Gästesieg in Mülheim, den 1998 der Brite Spirit of Love errang.

Insgesamt 75 Austragungen des Silbernen Bandes der Ruhr fanden zwischen 1930 und 2011 statt, die Kriegspause in den 40er Jahren und ein ausgefallenes Rennen in 2008 erklären die geringere Zahl an Austragungen im Vergleich zur Zahl der Jahre in der Zeitspanne. Ein einziges Mal hieß der Austragungsort nicht Mülheim, sondern Köln als im Kriegsjahr 1943 keine Rennen in Mülheim möglich waren. Anfänglich wurde es über 3300m gelaufen, doch nach der Wiederaufnahme des Rennens nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1948 verlängerte man die Renndistanz auf 4000m, so dass die Prüfung das längste Flachrennen des deutschen Turfs war (zeitweise wurde dies auch als Zusatz in den Renntitel aufgenommen). Die zurückgehende Zahl von Extremstehern veranlasste den Mülheimer Rennverein zu einer Verkürzung der Renndistanz, ab 1998 wurde die Prüfung „nur“ noch über 3400m, ab 2009 über 2950m gelaufen.

Die lange Tradition dieses Extremsteher-Rennens am Raffelberg nahm im Jahr 2012 ein jähes Ende, als der Mülheimer Rennverein aufgrund der finanziellen Schieflage bei seinem Jahresprogramm den Rotstift ansetzte und seine sportlich besseren Rennen dem Sparzwang opferte. Der Kölner Rennverein übernahm von 2012 an die Prüfung und veranstaltete ein Listenrennen für Extremsteher, das anfangs den Renntitel „Silbernes Band des Rheinlands“ trug und damit seine Verbindung zum Mülheimer Traditionsrennen dokumentierte. In den letzten beiden Jahren firmierte die Prüfung jedoch nicht mehr unter diesem Renntitel.

Der Rennclub Mülheim, der vor zwei Jahren die Nachfolge des insolventen Vorgängervereins angetreten hatte, überraschte Ende letzten Jahres bei der Vorstellung des bevorstehenden Jahresprogramms mit der Ankündigung, in 2019 wieder ein Silbenes Band der Ruhr austragen zu wollen. Damit versucht der Rennclub, an die lange Tradition dieser Prüfung auf dem Raffelberg anzuknüpfen und dem Rennen nach achtjähriger Pause wieder eine neue Heimat an alter Stätte zu geben. Bei der ersten Austragung nach der Wiederauferstehung wird auch auf die ursprüngliche Distanz von 4000m zurückgekehrt, die Apostrophierung als längstes Flachrennen in Deutschland steht somit außer Frage. Auch international werden nur wenige Flachrennen über eine solche Extremdistanz gelaufen, doch mit dem Ascot Gold Cup beim Royal Ascot Meeting im Juni und dem Prix du Cadran am Arc-Wochenende in ParisLongchamp gibt es immerhin zwei Gruppe I Rennen über diese Distanz.

Samstag, 02. November 2019, Mülheim, 6. Renntag, Beginn 10:15 Uhr

Heimspiel: Gibt es einen Mülheimer Heimsieg für die von Yasmin Almenräder trainiert Nacida im Silbernen Band der Ruhr? www.galoppfoto.de - Sandra ScherningHeimspiel: Gibt es einen Mülheimer Heimsieg für die von Yasmin Almenräder trainiert Nacida im Silbernen Band der Ruhr? www.galoppfoto.de - Sandra ScherningDas Mülheimer Starterfeld am Samstag hat zwar nicht das Niveau dieser Gruppe I-Prüfungen, doch kann es sich für ein Listenrennen durchaus sehen lassen. Der Mut, ein Listenrennen über eine solche Extremdistanz am Ende der Rennsaison auszuschreiben, wurde belohnt, die Ställe haben das Angebot angenommen. Im rp Gruppe 76. Silbernes Band der Ruhr (Listenrennen, 4.000m, 25.000 Euro, 5. Rennen, Start 13:00 Uhr) wird sich ein zehnköpfiges Aufgebot, darunter die chancenreiche Britin Altra Vita aus dem Quartier von Sir Mark Prescott und der zuletzt über eine vergleichbare Distanz in Norwegen siegreiche Schwede Ajas als Gäste aus dem Ausland, an der Mülheimer Startstelle einfinden und diesen besonderen Test auf Stehvermögen absolvieren. Dass nicht ins Ausland überwiesen werden muss, dafür könnte vor allem die Lokalmatadorin Nacida aus dem Quartier von Yasmin Almenräder sorgen. Die 5jährige Stute war zuletzt Zweite im auf Gruppe III-Level gelaufenen Extremsteher-Rennen in Hoppegarten, doch war die Renndistanz dort einen Kilometer kürzer. Wenn das Stehvermögen der Wiener Walzer-Tochter auch für den Extrakilometer auf vermutlich schwerem Geläuf ausreicht, so dürfte sie vor dem Sieg stehen, ihrem zweiten Listensieg in dieser Saison.

Als besonderer Spezialist für schweres Geläuf hofft der letztjährige Gruppe I-Sieger Khan aus dem Quartier von Henk Grewe auf eine neue Sternstunde, nachdem sein letztjähriger Sieg im Kölner Preis von Europa (Gr. I) wie eine Eintagsfliege in der Auflistung seiner Rennleistungen wirkt, von seinem Trainer jedoch auf die passenden Geläufbedingungen zurückgeführt wird. Khan ist bereits mehrfach in Extremsteher-Rennen am Start gewesen, hat jedoch dabei noch nicht überzeugen können. Auch unter den restlichen Startern, darunter ein Trio aus dem Quartier von Anna Schleusner-Fruhriep, könnte sich der Sieger befinden. Außenseitererfolge im Silbernen Band der Ruhr sind zwar nicht die Regel, aber auch keine Seltenheit in Mülheim. Den Vogel am Totalisator schoss dabei der erste norwegische Sieger im Jahr 1962 ab: Die Siegquote für Altai Taifun betrug damals 35.9:1.

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Sonntag, 03. November 2019,  Dortmund, 12. Renntag, Beginn: 10:15 Uhr

Auch der Start in die Dormunder Sandsaison mit sechs Rennen wendet sich an die Frühauftsteher. 

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