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Black Sam Bellamy eingegangen

Black Sam Bellamy im Shade Oak Stud mit Peter Hockenhull und einem Freund. Foto: JJ Clark

Autor: 

Catrin Nack

TurfTimes: 

Ausgabe 526 vom Freitag, 13.07.2018

Im Alter von 19 Jahren musste im englischen Shade Oaks Stud Black Sam Bellamy nach einer kongestiven Herzerkrankung erlöst werden. Diese hatte ihm das Leben zuletzt recht schwer gemacht; auf Anraten von Spezialisten konnte der Hengst „nach Belieben“ noch einige Stuten decken, Heilung gab es in seinem Alter nicht mehr. Leider verschlechterte sich sein Zustand zu Beginn der Woche rapide, so dass keine andere Möglichkeit blieb. „Blacky“ war ein Sohn des legendären Vererbers Sadler´s Wells, ein rechter Bruder des ebenso bedeutenden Galileo, und durch seine Mutter Urban Sea, eine Tochter der Schlenderhanerin Allegretta, ein Halbbruder zu Sea The Stars, Born to Sea, Urban Ocean & Co. Tatsächlich hätte er sich selber keine bessere Abstammung schreiben können, war doch Urban Sea als Top-Rennpferd und Arc-Siegerin eine der einflussreichsten Zuchtstuten überhaupt in der Geschichte der Vollblutzucht. 

Black Sam Bellamy, für den als Züchter die Sunderland Holdings (hinter der sich die Familie Tsui verbirgt, in deren Namen und Farben u.a. Urban Sea und  Sea the Stars ihre Rennlaufbahn bestritten) und Orpendale (ein Deckname für das Gestüt  Coolmore) notiert, kam wie sein Bruder Galileo in die Obhut des irischen Spitzentrainers Aidan O`Brien; durchaus rigide geprüft, erreichte Black Sam die begehrte (und züchterisch wertvolle) Gr.I-Platzierung als Zweijähriger, drei- und vierjährig konnte er auf diesem Level den Gran Premio del Jockey Club (San Siro, 2400m) und den Tattersalls Gold Cup auf dem Curragh (2100m) gewinnen; zudem gewann er neben seinem Maidenrennen ein Listenrennen und musste sich im Coronation Cup 2003 nur einem gewissen Warrsan und Godolphins Highest geschlagen geben;  im gleichen Jahr traf er im Großen Preis von Baden mit Mamool auch dort auf einen zu starken Gegner.

Der Weg als Deckhengst war vorgezeichnet, und Black Sam Bellamy wechselte 2004 ins Gestüt Fährhof. Mit der genannten Abstammung natürlich von immensem Interesse, vertrat der Hengst jedoch optisch ein wahrhaft anderes „Kaliber“ als seine illustren Brüder.  Es wäre falsch, Black Sam Bellamy hierzulande als Enttäuschung zu bezeichnen, er hinterließ mit Earl of Tinsdal, Daveron, Goathemala, um nur seine wohl wichtigsten Sieger zu nennen, ausgezeichnete und harte Rennpferde; letztere hat sich inzwischen als Mutterstute bereits profiliert. Doch schien sein Weg in die Hinderniszucht gleichsam vorgezeichnet; seine Nachkommen waren rahmig, brauchten weite Wege und waren nicht unbedingt frühreif. 

Im Jahr 2008 wechselte Black Sam Bellamy sodann in das in Nord-Shropshire (grob auf halber Strecke zwischen Birmingham und Chester im Nirgendwo gelegen) gelegene Shade Oak Stud; hier stand er – bei vollem Familienanschluss der Familie Hockenhull - zunächst neben dem profilieren Hindernisbeschäler Alflora, zuletzt war er neben Fairmix der Pascha im Gestüt, in dem nun unter anderem auch die interessanten Nachwuchs-Hengste Scorpion, Telescope und Dartmouth beheimatet sind. Hier war es ihm auch vergönnt, wie ein richtiges Pferd behandelt zu werden, sein Paddock hatte Sichtkontakt zu anderen Pferden und auch „seinen“ Stuten; Shade Oak ist eine „Working Farm“ und kein Schaugestüt.

Schnelle Erfolge als Zuchttier und Hindernissport schließen sich aus; sie müssen erst heranwachsen, die Stars über Hürden, doch auch hier legte „Blacky“ mit dem famosen, noch vom Gestüt Fährhof gezogenen The Giant Bolster einen wahren Blitzstart hin. Der von David Bridgwater trainierte Wallach machte bereits vom Cheltenham Festival 2010 mit einem hervorragenden 6. Platz  in der Neptune Investment Novices´ Hurdle (Gr.1) als 200-1 Außenseiter auf sich aufmerksam; vor allem seine couragierten Auftritte mit entsprechenden Platzierungen im Cheltenham Gold Cup selber gewann die Herzen seiner zahlreichen Fans. Der äußerst populäre Wallach wurde 2016 in den Ruhestand verabschiedet und wird seitdem von Trainerfrau Lucy dressurmäßig ausgebildet. Ein weiteres Spitzenpferd tauchte nun in Gestalt des erst 6j. Sam Spinner auf:  für den kleinen Stall von Jedd O`Keeffe war der Wallach einer der Stars der letzten Hindernissaison und erreichte vor allem mit seinem Sieg in Ascots Long Walk Hurdle (Gr.1, 3m ½f ) ungeahnte Höhen.

Black Sam Bellamys älteste in England gezeugte Nachkommen sind erst acht Jahre alt, und damit im Hindernissport vergleichsweise jung. Pferde wie Blackmail, der junge Captain Cattistock, Hollies Pearl, Flute Bowl oder Naranja legten den Grundstein für Black Sams Ruf, ehrliche, harte und leistungsbereite Pferde zu zeugen, mit ausgezeichnetem Temperament, über das er auch selber verfügte, noch dazu. Gerade begannen auch seine „Stores“, rohe, junge Nachwuchspferde für den Hindernissport, auf den einschlägigen Auktionen mit interessanten Preisen auf sich aufmerksam zu machen.

Einem Vergleich mit seinen illustren Brüdern hält die Karriere – ob auf der Rennbahn oder im Gestüt – natürlich nicht wirklich stand; doch es wäre vermessen gewesen, so etwas zu erwarten. Black Sam Bellamy ging seinen eigenen Weg, und mit vielen jungen Nachwuchspferden, von seinen Jährlingen und Fohlen ganz zu schweigen, wird sein Name noch für lange Zeit auf der Rennbahn vertreten sein. Durch seinen Tod bleibt es ihm verwehrt, jemals Champion Deckhengst in „seiner“ Sphäre zu werden; doch hat er sich auf hartem Weg einen ausgezeichneten Ruf im National Hunt Sport erworben. Sein ausgezeichnetes Blut wird fehlen.

Catrin Nack

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