Drucken Redaktion Startseite

Aufgalopp 645: Zur Gewichtserlaubnis für weibliche Profireiterinnen in Frankreich

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 645 vom Freitag, 20.11.2020

Ist die letztes Jahr ins Spiel gebrachte Überlegung, wie in Frankreich eine Gewichtserlaubnis für weibliche Profireiterinnen einzuführen eigentlich mit dem Etikett „Wiedervorlage“ versehen worden? Oder ist sie endgültig in der Schublade verschwunden, nachdem sie von den entsprechenden Gremien zweimal abgelehnt wurde? Wir wissen das nicht so genau und letztlich hat der deutsche Galopprennsport auch Wichtigeres zu tun, als gerade darüber nachzudenken. Ein aktueller Blick nach Frankreich zeigt jedoch, dass die dort 2017 eingeführte Regelung einer dementsprechenden Gewichtserlaubnis, zunächst zwei Kilo, seit 2018 1,5 Kilo, eine unumstrittene und keineswegs mehr in der Diskussion stehende Erfolgsgeschichte geworden ist. Marie Vélon, 21, hat am Dienstag ihren 72. Sieger in der laufenden Saison geritten und damit den Rekord von Mickaelle Michel aus dem Jahre 2018 eingestellt. Dies in einem Quinté-Handicap, in dem im Übrigen eine Gewichtserlaubnis gar nicht greift. Vélon liegt an Nummer sieben der Statistik, bei 549 Ritten, von den fünfzig besten Rennreitern in Frankreich sind elf weiblich, die Namen Ambre Molins, Coralie Pacault, Crystal Miette oder Aude Duporte tauchen an fast jedem Renntag auf und das nicht nur in der Provinz. Und Jessica Marcialis hat als erste weibliche Reiterin in Frankreich ein Gruppe I-Rennen gewonnen.

Es war der Schutz der Jockeys in der zweiten Reihe, der hierzulande eine Gewichtserlaubnis verhinderte. Das war noch in Vor-Coronazeiten und gilt heute bei einem deutlichen eingeschränkten Rennangebot und den heruntergefahrenen Rennpreisen verstärkt, ist auch nachvollziehbar. Das Beispiel Frankreich zeigt aber, dass durch die damals eingeführte Regelung eine gewisse Dynamik entstanden ist: Der Rennsport ist jünger, weiblicher, für ein bestimmtes Publikum attraktiver geworden. So etwas täte auch der hiesigen Szene ganz gut.

Verwandte Artikel: