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Aufgalopp 549

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 549 vom Freitag, 21.12.2018

„Sein oder nicht sein, das ist jetzt die Frage. Nur wenn alle, die daran interessiert sind, zusammenhalten und zusammenarbeiten mit dem einen Ziel, Erhaltung der deutschen Vollblutzucht, werden wir in der Lage sein, die uns bevorstehenden kritischen Zeiten durchzustehen.“ Worte des Direktoriums-Präsidenten Michael Vesper zum Jahreswechsel? Nein, denn irgendwie scheint in den letzten Jahren die Tradition, dass der Chef des Dachverbandes zu den Feiertagen staatstragende Worte verbreitet, abhanden gekommen zu sein. Es war einer von Vespers Vorgängern, Rudolf Graf von Spreti, der das damals als Weihnachtsworte von sich gab, vor ziemlich exakt siebzig Jahren, zum Jahreswechsel 1948/1949. „Die Vollblutzucht ist mit ihrem Ausleseprinzip der Leistungsprüfung die teuerste Zucht, die es gibt. (…) Unter den heutigen Verhältnissen werden aber nur wenige Züchter in der Lage sein, noch erhebliche Zuschüsse ihrer Passion zu opfern.“ Das hat der damalige Gestütsherr des längst im Dunkel der Geschichte verschwundenen Gestüt Waldfried auch noch gesagt.

Erstaunlich aktuelle Worte, in einer Zeit, die mit der heutigen allerdings nicht zu vergleichen ist, herrschte in jenen Jahren vielerorts große materielle Not. Der Rennsport war noch mehr Luxus als heute, die Transportmöglichkeiten waren schwierig, kurz zuvor war noch das Futter rationiert worden.  Doch als 1947 zum ersten und einzigen Mal das Derby in Köln ausgetragen wurde, waren 30.000 Zuschauer in Weidenpesch – bis heute Rekord. 1948 wurde das Derby von Birkhahn gewonnen, ein Name, der auch im Pedigree von Galileo auftaucht. Ein Anfang war also gemacht. 

Graf Spreti war damals sehr skeptisch, was die Zukunft anbetraf, aber was folgte, war ein zwar langsamer, aber doch stetiger Anstieg in allen Bereichen des deutschen Galopprennsports. Niemand hätte etwas dagegen, wenn sich die Geschichte in diesem Punkt wiederholen würde.

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