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Züricher Rennvereinspräsident in Haft

Erst im März 2011 war Martin Gloor (rechts) als vermeintlicher Hoffnungsträger zum Präsidenten des Züricher Rennvereins gewählt worden, erster Gratulant war damals Marc Hunziker. www.horseracing.ch

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 194 vom Donnerstag, 08.12.2011

Martin Gloor, 43, Präsident des Zürcher Rennvereins, ist am Montag in Seefeld bei Zürich festgenommen worden, in den Räumen seiner Firma Core Capital Partners am Paradeplatz in Zürich wurden Unterlagen beschlagnahmt. Gloor soll noch versucht haben, sich der Verhaftung durch eine halsbrecherische Fassadenkletterei zu entziehen. Die Staatsanwaltschaft reagierte auch damit auf eine Strafanzeige wegen Vermögensdelikten. Michael Werder, der mehrere mutmaßlich geschädigte Investoren vertritt, wirft Core Capital vor, für Start-Up-Firmen vorgesehene Investments in die eigene Kasse abgezweigt zu haben. Im Raum steht derzeit eine Summe von zehn Millionen Franken. Nach Recherchen der Sendung „10 vor 10“ des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF), das in der Angelegenheit wohl schon länger recherchierte, ist Gloor seit 2006 bereits zweimal, in Monaco und Zug, wegen Betruges verurteilt worden. Ein entsprechender TV-Bericht wurde am Montagabend ausgestrahlt. Die Staatsanwaltschaft betonte jedoch die vorläufige Unschuldsvermutung, beantragte aber zunächst einmal die Weiterführung der Untersuchungshaft.

Gloor war im März zum Präsidenten des finanziell angeschlagenen Zürcher Rennvereins gewählt worden. Er kündigte die Tilgung der Schulden in Höhe von 1,5 Millionen Franken an und versprach Investitionen in Höhe von 20 Millionen Franken. Wegen diesbezüglicher Baumaßnahmen sollte der Rennbetrieb 2012 in Dielsdorf ruhen. Gloor unterhält dort auch einen von Remy Mongil geführten Rennstall (Ecurie Royale), in dem dessen Sohn, der lange Jahre in Deutschland tätige Ex-Jockey William Mongil tätig ist. 

Damit dürfte der Rennsport in der Deutschschweiz erneut in Turbulenzen kommen, denn es ist kaum anzunehmen, dass die für Dielsdorf angekündigten Investitionen durchgeführt werden. Es gab betreffend Gloor immer wieder skeptische Stimmen, insbesondere was seine Intentionen anbetrifft, denn eine Rendite würde mit der Veranstaltung von Rennen in der deutschsprachigen Schweiz nur erlöst werden, wenn wie in der französischen Schweiz (Avenches) die PMU einsteigen würde. Doch letztlich hatte man Gloor, der dem Vernehmen auch wegen fehlender Geldtransfers schnell Probleme mit den Funktionären des Schweizer Rennsports bekam, mangels Alternativen zumindest in Zürich Vertrauen geschenkt. In einer außerordentlichen Vorstandssitzung wurde Gloor derweil als Präsident "bis zum Vorliegen gesicherter Fakten" suspendiert, beschlossen wurde laut einer Pressemitteilung "ein alternatives Maßnahmenpaket zur langfristigen Sicherstellung des Trainings- und Rennbetriebs."

Weitere aktuelle Infos unter www.horseracing.ch.

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