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Vorschau Köln: "We call it a Klassiker..."

Deutscher Hoffnungsträger Acadius in Düsseldorf Foto: Gabriele Suhr

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Turf aktuell

„We call it a Klassiker“, formulierte Franz Beckenbauer vor dem letztjährigen Fußball WM-Achtelfinale Deutschland gegen England (hier der click zum Video). Ungeachtet der gewöhnungsbedürftigen Verwendung der englischen Sprache ist der Begriff des „Klassikers“ im Sport eigentlich für den Galoppsport reserviert. Doch längst – wie auch beim Begriff des „Derbys“ – hat die Turf-Sprache andere Sportbereiche erobert und wird von vielen verwendet, denen der Ursprung gar nicht mehr bekannt ist.

„Klassiker“ sind die fünf Galopprennen für dreijährige Vollblüter, die unter identischen Bedingungen auf unterschiedlichen Distanzen in besonderem Maße einen fairen Leistungsvergleich mit dem Ziel der Zuchtauswahl ermöglichen. An diesem Sonntag kommt es auf der Kölner Galopprennbahn im Mehl-Mülhens-Rennen – German 2000 Guineas (Gruppe 2, 1600m, 153.000€) zum ersten klassischen Rennen der Saison in Deutschland. Auf der Meilendistanz konkurrieren elf Hengste um den Sieg.

Angeführt wird das achtköpfige deutsche Kontingent in Köln von dem von Jean-Pierre Carvalho in Frankfurt trainierten Acadius, für den Jockey Mirco Demuro aus Italien anreist. Sein Düsseldorfer Sieg beim Saisondebüt vor einem Monat bewies, dass der im Vorjahr durch seine frühen Erfolge zum Jahrgangscrack avancierte Lord of England-Sohn auch in diesem Jahr mitmischen kann. In Düsseldorf verwies er den konditionell bevorteilten Rose Danon (Andrasch Starke) auf den 2. Platz. Der Hengst aus dem Schiergen-Stall gehört auch im Mehl-Mülhens-Rennen zu seinen Gegner, doch spricht nicht viel für eine Formumkehr. Auch ein weiterer Vertreter des Stalles D’Angelo, der von Waldemar Hickst trainierte und Andreas Suborics gerittene Stark Danon, musste als Dritter dieses Düsseldorfer Rennens schon die Überlegenheit von Acadius akzeptieren.

Vielleicht ist der dritte Vertreter des Stalles D’Angelo in dieser Prüfung, der von Andreas Wöhler vorbereitete und von Eduardo Pedroza gerittene Nice Danon, sogar der Stärkste des Trios. Sein Saisondebüt im Busch-Memorial erbrachte immerhin Rang 3 in einer stark besetzten Prüfung. Er blieb dabei klar vor dem Trainingsgefährten Quinindo, der diesmal nur die zweite Stallfarbe des Gütersloher Quartiers mit Terence Hellier im Sattel ist.

Neben den beiden klaren Außenseitern Point Blank (Stefanie Hofer) und Zantano (Gaetan Masure), die nach bislang gezeigten Leistungen überfordert sein werden, ist der „große Unbekannte“ der Prüfung der von Christian Zschache trainierte Gereon. Im Vorjahr überraschte der Next Desert-Sohn mit einer dreifachen Siegesserie, die im Gewinn des Ratibor-Rennens auf Gruppe 3 Ebene gipfelte. Der bis dato unbezwungene Hengst muss in Köln allerdings den Nachteil des späten Saisondebüts kompensieren und ist daher im diesjährigen Leistungsvermögen nicht zu beurteilen. Für den Ritt auf dem in Hoppegarten trainierten Gereon wurde Georg Bocskai, mehrfacher deutscher Ex-Championjockey und dreifach erfolgreich in diesem klassischen Rennen (letztmalig allerdings 1985 mit Gestüt Fährhofs Lirung), verpflichtet. Bocskai soll den Hengst auch bei allen weiteren Starts in dieser Saison reiten.

Drei ausländische Gäste stellen die heimischen Vertreter auf die Probe. Alle drei vertreten britische Quartiere und haben durchaus die Chance, die in dieser klassischen Prüfung besonders ausgeprägte britische Erfolgsbonanza (fünf Siege seit der Jahrtausendwende) fortzusetzen. Die besten Chancen sind nach heimischen Leistungen dabei dem vom Italiener Marco Botti in Newmarket vorbereitetem Excelebration einzuräumen.

Der im Vorjahr bei drei Starts zweimal erfolgreiche Hengst begann diese Saison mit Rang 2 hinter Frankel bei dessen Saisondebüt auf Gruppe 3 Niveau. In seinem Sattel wird Adam Kirby Platz nehmen, nicht unbedingt ein Jockey für die „big points“, aber ein auf der Insel vielbeschäftiger Mann, bei dem schon 36 Siege in diesem Jahr zu Buche stehen und der Excelebration auch beim Saisondebüt ritt.

Wenig überzeugend fielen die beiden diesjährigen Auftritte des von William Haggas entsandten The Paddyman aus, für den Darryll Holland als Jockey gebucht wurde. Im letzten Jahr war der Giant’s Causeway-Sohn jedoch nach seinem Maidensieg dreimal auf Gruppe-Ebene engagiert und jedes Mal im Geld. Die beste Leistung dürfte dabei der 2. Platz in den zur Gruppe 2 rechnenden Richmond Stakes in Goodwood hinter dem Hannon-Schützling Librano gewesen sein.

Besagter Richard Hannon ist auch der Trainer von Casual Glimpse (Dane O’Neill), dem dritten Briten im Bunde. Sein erster Jahresstart fand immerhin in den Craven Stakes in Newmarket statt, ein Zeichen für eine nicht geringe Wertschätzung des im Vorjahr zweimal in kleineren Rennen erfolgreichen Hengstes. Mit dem Resultat eines 4. Ranges in einem kleinen Sechserfeld verdiente sich Casual Glimpse allerdings keine Fahrkarte für die heimischen 2000 Guineas, doch beeindruckte er seinen Betreuer bei den Abschlussarbeit am Mittwoch, so dass Hannon sich gute Chance für das Mehl-Mülhens-Rennen ausrechnet.

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