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"Trainer, ich hab' da ein Derbypferd ... "

Autor: 

Frauke Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 425 vom Donnerstag, 07.07.2016

Der Traum vom Derby: Und mit Boscaccio auch das passende Pferd dazu. Rainer Hupe mit dem Mount Nelson-Sohn, den er sich auf der Koppel in Fährhof ausgesucht hat. www.galoppfoto.de - Frank SorgeDer Traum vom Derby: Und mit Boscaccio auch das passende Pferd dazu. Rainer Hupe mit dem Mount Nelson-Sohn, den er sich auf der Koppel in Fährhof ausgesucht hat. www.galoppfoto.de - Frank SorgeEs war ein neuer Versuch für Rainer Hupe, diesmal mit Freunden zusammen in einer Besitzergemeinschaft, sich den Traum von einem Derby-Start zu erfüllen. Erst der 3. Versuch überhaupt, und herausgekommen ist dabei Boscaccio. Der ungeschlagene Derby-Favorit! Aber der vorherige Versuch und seine tragisches Ende sind nicht vergessen."Es hat schon eine Weile gedauert, bis ich das mit Orsello verdaut habe", erinnert sich Rainer Hupe. Mit diesem Mount Nelson-Sohn wollte er gemeinsam mit seiner Frau Inge vor drei Jahren seinen Traum vom Derbystart erfüllen. Hatte sich nach einem 3. Platz im 178. Oppenheim-Union-Rennen auch einiges ausgerechnet. Der Reiter des Vertrauens hieß damals Dennis Schiergen, gerade mal 18 Jahre alt, Amateur, frischgebackener Abiturient und Sohn des Erfolgstrainers Peter Schiergen. Gemeinsam reiste man nach Hamburg zur traditionellen Pressekonferenz zehn Tage vor dem „Rennen des Jahres“, Kappen und Schals in den Rennfarben war schon erstellt, die Fan-Gemeinde in Aufbruchsstimmung. Dann kam die Nachricht. Erst von der Verletzung des Pferdes bei der Morgenarbeit im Training von Norbert Sauer, dann kam es noch schlimmer. Orsello überlebte die anschließende Operation nicht.

„Mit dem Sprichwort 'Dreimal ist Bremer Recht', hat meine Frau mich überredet, es noch einmal zu versuchen“, berichtet Rainer Hupe, der sich daraufhin wieder auf den Weg zum Gestüt Fährhof nach Sottrum gemacht hat. Mehrmals war er da, hat sich erst die Fohlen angeschaut, dann die Jährlinge und die Wahl fiel wieder auf einen Mount Nelson-Sohn. Der wurde direkt von der Koppel gekauft, bekam den Namen Boscaccio, ist in vier Rennen ungeschlagen, gewann auch die wichtigste Derbyvorprüfung, das 181. Oppenheim-Union-Rennen.

Der zweite Besuch bei der Derby-Pressekonferenz: Dennis Schiergen und Boscaccios Besitzer Rainer Hupe (Mitte) mit Vize-Präsident und Derbysponsor Albert Darboven (links) und HRC-Präsident Eugenn-Andreas Wahler. Foto: comtainment GmbHDer zweite Besuch bei der Derby-Pressekonferenz: Dennis Schiergen und Boscaccios Besitzer Rainer Hupe (Mitte) mit Vize-Präsident und Derbysponsor Albert Darboven (links) und HRC-Präsident Eugenn-Andreas Wahler. Foto: comtainment GmbHAuch er ging wie Orsello natürlich zu Norbert Sauer ins Training. „‘Orsello war schon ein gutes Pferd‘“, hat er mir damals gesagt“, erinnert sich Rainer Hupe, „'aber dies hier ist ein richtiges Rennpferd'. Und das schon nach zwei Monaten. Daran muss ich immer noch denken.“ Denn Norbert Sauer hat dieses Pferd nie im Rennen laufen sehen können. Der Dortmunder Trainer verunglückte am 05. März vergangenen Jahres beim Training, ein Pferd hatte ihn gegen einen Pfeiler gedrückt. „Norbert Sauer war der Trainer meines Vertrauens“, erzählt Hupe und in diesem Moment, wo wir diese Zeilen schreiben, wird in Hamburg gerade das Norbert Sauer-Rennen gelaufen. „Er hätte Boscaccio jetzt trainiert, wenn das nicht passiert wäre“, stellt Hupe klar.

Aber so musste eine Lösung gefunden werden, weil Norbert Sauers Frau Hella keine fremden Pferde trainieren wollte. Eine Lösung mit einem Trainer, der passt. „Einem, der seine Pferde aus dem ff kennt, der sein Training auf das einzelne Pferd abstimmt, ein nicht so großer Stall, damit die Chance besteht, auch mal ein persönliches Wort zu wechseln“, so die nicht unerheblichen Anforderungen, die Rainer Hupe an den neuen Trainer stellte, „und natürlich mussten auch die Rahmenbedingungen stimmen. Ein Trainer im Norden sollte es schon sein, möglichst nah am Wohnort Seevetal. Und da ich aus Hannover stamme, bin ich auf Christian Sprengel gekommen.“ Der erste Besuch in Hannover verlief inkognito, „ich habe mir das Training angeschaut, das hat mir gefallen, ich habe mir den Ablauf genau angeschaut, auch sein Team, erst danach habe ich gefragt, ob er Boscaccio trainieren möchte“.

Eine Bedingung gab es, denn als Reiter war Dennis Schiergen gesetzt, „den hatte ich schon gefragt, als ich Boscaccio gekauft habe“, die Antwort lautete: „Klar, das machen wird. Wir müssen noch was mit Orsello ausgleichen.“  Verladen wurde Boscaccio am Tag der Beerdigung von Norbert Sauer, „an diesem Tag gab es in Dortmund Rennen und ein Platz im Transporter nach Hannover war frei“, erinnert sich Rainer Hupe. Auch Christian Sprengel war dabei und zufällig auch Dennis Schiergen, der Christian Sprengel noch diese Worte mit auf den Weg gab: „Trainer passen Sie auf mein Derbypferd auf!“ Sprengel habe damals dazu nichts gesagt, "aber sich sicher seinen Teil gedacht", meint Hupe. Aber er hat auf Boscaccio aufgepasst. Und daraus ein Derbypferd gemacht. 

 

 

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