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Ein tragischer Fall und die weitreichenden Folgen

Foto der Woche - TT 235: Ein infiziertes Pferd und die dramatischen Folgen... Foto: Patrick Gibson

Autor: 

Frauke Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 235 vom Donnerstag, 04.10.2012

"Da gab es nicht viel zu diskutieren", so kurz und knapp kommentiert Benedikt Faßbender, Geschäftsführer in Köln das Geschehen am Montag. Die Konsequenzen nach der Bekanntgabe des positiv auf die Tierseuche Infektiöse Anämie (EIA) getesteten Rennpferdes sind bekannt. Sofortige Schließung der Kölner Rennbahn, Ausfall der letzten beiden Renntage, Quarantäne für drei Monate: in dieser Zeit darf kein Rennpferd Köln verlassen. Prominentestes Opfer ist die vorherige Arc-Siegerin Danedream, die somit nicht ihren Titel verteidigen und um eine Siegbörse von über 2 Millionen Euro im 91. Prix de l'Arc de Triomphe in Paris-Longchamp mitgaloppieren darf.

Die Kölner Trainingszentrale steht für drei Monate unter Quarantäne:: Prominentestes Opfer ist Danedream - hier mit Vereinspräsident Eckhard Sauren, Trainer Peter Schiergen und Geschäftsführer Benedikt Faßbender (v. r.). www.klatuso.com - Klaus-Jörg TuchelDie Kölner Trainingszentrale steht für drei Monate unter Quarantäne:: Prominentestes Opfer ist Danedream - hier mit Vereinspräsident Eckhard Sauren, Trainer Peter Schiergen und Geschäftsführer Benedikt Faßbender (v. r.). www.klatuso.com - Klaus-Jörg Tuchel

Mitte August gab es erste Meldungen im Rhein-Sieg-Kreis über einen Fall der infektiösen Anämie (EIA). Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamtes Münsterland-Emscher-Lippe (CVUA) in Münster hatte sie bei einem drei Monate alten Fohlen nachgewiesen. Da in so einem Fall sofort die Tierseuchenverordnung zum Schutz gegen die Ansteckende Blutarmut der Einhufer (Einhufer-Blutarmut-Verordnung) in Kraft tritt, wurde das Pferd getötet, ein Sperrgebiet errichtet und der Infektionsweg nachverfolgt. Das Fohlen war in der Pferdeklinik am Kottenforst in Wachtberg behandelt worden und hatte von dem Spenderpferd "Cazimir", das dort bereits seit über zehn Jahren dafür herangezogen worden ist, Blutplasma erhalten. Wie sich im Nachhinein herausstellte war das Spenderpferd infiziert, wobei unklar ist, woher es selbst das Virus hat. Danach begann die mühevolle Arbeit des zuständigen Veterinäramtes: Alle Pferde, die mit den infizierten Pferden in Kontakt waren, insbesondere natürlich die, die in der Klinik behandelt worden sind, mussten getestet werden. Insgesamt waren das mehr als 2000 Pferde im Rhein-Sieg-Kreis, wobei - so die Informationen auf der Webseite der Kottenforster Klinik -  sich herausgestellt hat, dass mindestens fünf weitere Pferde über infiziertes Blutplasma des Spenderpferdes infiziert worden sind. Für weitere Stellungnahmen war der Leiter der  Klinik auf mehrere Nachfragen heute nicht zu erreichen.

Trainerin Sarah Weis geschockt: "Wir haben nichts anderes gemacht, als ein Pferd in einer Klinik zu operieren lassen ... ": www.galoppfoto.de - Frank SorgeTrainerin Sarah Weis geschockt: "Wir haben nichts anderes gemacht, als ein Pferd in einer Klinik zu operieren lassen ... ": www.galoppfoto.de - Frank SorgeNeu hinzugekommen ist nun der im Kölner Trainingsstall von Sarah Weis positiv getestete dreijährige Wallach. Die Trainerin selber hatte vor zwei Wochen ein Schreiben vom Veterinäramt erhalten, dass sie das Pferd testen lassen müsse, weil es in der genannten Klinik behandelt worden war. "Bei so einem Schreiben macht man sich natürlich schon etwas Sorgen", heißt es, "aber das Pferd hatte ja keinerlei Symptome, deshalb habe ich das Ganze als notwendige Routine gesehen." Dann kam der Schock am Montag, mit der Nachricht vom positiven Testergebnis. Bei allem, was danach über sie hinein gebrochen ist, versucht Sarah Weis sachlich zu bleiben. "Das Pferd ist dort im April wegen eines Beinbruchs operiert und gleichzeitig kastriert worden, war insgesamt vier Wochen in der Klinik", so die Trainerin, "im Juli war es noch einmal da, um die Schrauben zu entfernen." Wann und wie es sich dort infiziert hat, wisse sie nicht, "wir haben auch keine Informationen darüber, ob es Blutplasma erhalten hat." Das Pferd ist mittlerweile getötet worden, "zur Sicherheit haben wir vorher noch einmal eine Blutprobe nehmen lassen, um das Ergebnis zu überprüfen." Weitere Schritte will sie mit der Besitzerin des Pferdes abklären, aber die, "weiß noch gar nicht, was passiert ist", so Weis, "die ist im Urlaub und nicht zu erreichen." 

Zum weiteren Prozedere kann auch der Leiter des zuständigen Veterinäramtes Köln, Dr. Egbert Lechtenböhmer, noch nicht viel sagen. "Wir haben jetzt  erst mal unseren Bestand getestet und werden das in drei Monaten noch einmal tun, um weitere Infektionen auszuschließen." Natürlich seien alle anderen zuständigen Behörden - auch im Ausland - von dem positiven EIA-Fall in Köln in Kenntnis gesetzt worden. Der nächste logische Schritt wäre, alle anderen Pferde, die mit den Kölner Pferden in Kontakt gewesen sind, auch zu testen. Das jedoch fällt nicht mehr in den Kölner Zuständigkeitsbereich, sondern sei angesichts der vielen Querverbindungen eine große logistische Herausforderung, an der möglicherweise viele Veterinärämter und auch das Ausland beteiligt wären. "Da werden sich auch die Franzosen und Italiener Gedanken machen", so Lechtenböhmer, "denn Kölner Pferde sind auch dort gelaufen." Dass er grundsätzlich einen generellen Coggins-Test für Sportpferde für sinnvoll erachtet, daraus macht Lechtenböhmer auf Nachfrage kein Geheimnis, "das ist dann allerdings Sache der Regierung."

Allerdings sehe er in der momentanen Lage "kein Grund zur Panik", denn das infizierte Pferde habe wenig Außenkontakt gehabt und angesichts der Jahreszeit schwinde die Wahrscheinlichkeit der Übertragung durch Mücken mit jedem Tag. "Wenn der andere getestete Bestand negativ ist, hat das schon ein Signalwirkung", so Lechtenböhmer. Übersetzt heißt das: Wenn keine weiteren positiven Fälle mehr auftreten würden, gäbe es auch keine Notwendigkeit mehr, weitere Aktivitäten zu ergreifen. Allerdings wartet auf die Veterinäre schon viel Arbeit, denn viele Besitzer und Trainer lassen ihre Pferde auch außerhalb von Köln schon jetzt vorsorglich testen.

Erste Reaktionen gibt es auch aus Frankreich. Dort dürfen nur noch Pferde aus Deutschland an den Start kommen, die diese heute heraus gegebenen Bestimmungen nachweisen können: Klick!

Hier die Gastkolumne eines Experten, Dr. Thomas Weinberger: Infektiöse Anämie – tragisch aber kein Grund zur Panik

 

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