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Top Ten - Die Hengste mit den höchsten Decktaxen in Europa

Galileo. www.galoppfoto.de - JJ Clark

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 602 vom Freitag, 24.01.2020

1

Galileo (Sadler’s Wells) – Coolmore Stud/IRL - private

Der Coolmore-Hengst nimmt nun schon seit vielem Jahren die Pole-Position in dieser Liste ein. 2007 war letztmalig eine offizielle Decktaxe veröffentlicht worden, das waren damals 150.000 Euro, seitdem lautet der Tarif „private“. Wie viel man am Ende wirklich für einen Sprung auf den Tisch legen muss, wird individuell geregelt. Wenn überhaupt ein Sprung verfügbar ist. Eine halbe Million Euro müssen es wohl sein, Foal Sharings werden nur noch selten angeboten.

Das Jahr 2019 war einmal mehr hervorragend: Zum elften Mal war er Champion der Vererber in England und Irland, das Preisgeld, das seine Nachkommen in Europa verdient haben, lag bei knapp 19 Millionen Euro. Elf Söhne und Töchter von ihm haben Gr. I-Rennen gewonnen. Anthony Van Dyck war sein vierter Epsom Derby (Gr. I)-Sieger, in einem Feld, das fünf Söhne, drei Enkel und mit Madhmoon (Dawn Approach) sogar einen Urenkel von ihm am Start sah. In der Regel waren es Coolmore-Pferde, die in den großen Rennen vorne waren, mit der Ausnahme natürlich des Prix de l’Arc de Triomphe (Gr. I)-Siegers Waldgeist.

Galileo zählt jetzt 22 Jahre, doch von einem Nachlassen seiner physischen Kräfte ist nicht die Rede. In den letzten Jahren deckte er stets um die 150 Stuten (2019: 156), deren Nachkommen natürlich vorzugsweise in Ballydoyle landeten. Im vergangenen Jahr trainierte Aidan O’Brien dort nicht weniger als 72 Vertreter des Jahrgangs 2017, mutmaßlich zwei Drittel aller weltweit im Training befindlichen „Galileos“. Der Einfluss des Hengstes ist inzwischen auch in weiteren Generationen zu spüren. Er ist Vater von Deckhengsten wie Frankel, Nathaniel, New Approach und Teofilo, um nur Einige zu nennen. Als erfolgreicher Mutterstutenvererber ist er inzwischen ebenfalls längst etabliert. Aus deutscher Sicht sind aus dem Vorjahr der Badener Gr. I-Sieger Ghaiyyath und der Schlenderhaner Alson zu nennen. In den einschlägigen Statistiken liegt er aber noch etwas hinter dem aktuellen europäischen Champion Pivotal (Polar Falcon) zurück.

 

2

Dubawi (Dubai Millennium) – Dalham Hall Stud/GB - 250.000 Pfund

Meist im dritten, vierten Jahr, wenn noch nicht so ganz sicher ist, in welche Richtung es gehen wird, ist die Decktaxe eines Hengstes auf einem relativ niedrigen Level. Wer 2009, in seinem vierten Jahr als Vererber Dubawi gebucht hatte, bezahlte 15.000 Pfund. Zwei Jahre hatte er im Dalham Hall Stud gestanden, anschließend war er ein Jahr im Kildangan Stud in Irland und kam dann nach England zurück. In diesen ersten Jahren waren auch stets sechs, sieben, acht deutsche Stuten bei Dubawi, aus jener Zeit stammen u.a. der Derby-Sieger Waldpark und die Gr.-Siegerin Kapitale. Später wurden die Besuche bei Dubawi seltener, geschuldet der Decktaxe, die nun im vierten Jahr auf 250.000 Pfund festgesetzt wurde. Fährhof ist immer noch ein regelmäßiger Kunde, letzten Oktober wurde ein Dubawi-Sohn aus der Praia (Big Shuffle) bei der Tattersalls-Jährlingsauktion für 500.000gns. in den Stall von Roger Varian verkauft.

Das Jahr 2019 sah Dubawi wieder unter den besten Vererbern weltweit, Too Darn Hot, Sieger in vier Gr. I-Rennen war sein Aushängeschild, aber auch Coronet, Ghaiyyath, Old Persian und The Revenant sind zu nennen. Als Mutterstutenvererber ist ihm der Durchbruch noch nicht so recht gelungen – seine Ittlinger Tochter Ailette hatte mit Accon und Amorella immerhin zwei Gruppe-Pferde auf der Bahn. Doch als Vater von jungen Deckhengsten hat er sich bereits bemerkbar gemacht, aktuell durch Night of Thunder, der einen glänzenden ersten Jahrgang hatte. Solide Söhne waren in dieser Beziehung auch Makfi und Poet’s Voice, von Al Kazeem, New Bay, Postponed und Zarak ist noch Einiges zu erwarten.

Nicht zuletzt ist Dubawi natürlich auch ein großer kommerzieller Erfolg. Nimmt man den Schnitt der von ihm 2019 verkauften Jährlinge von rund 650.000 Euro, so ist die Decktaxe absolut gerechtfertigt. Ein von ihm stammender Halbbruder aus einer Galileo-Mutter war der Salestopper bei der Tattersalls October Sale, der Bruder des Gr. I-Siegers Barney Roy (Excelebration) ging für 3,6 Millionen gns. an Godolphin. Mit 162 Bedeckungen war er im Jahr 2019 ziemlich genauso beschäftigt wie im Jahr zuvor.

 

3

Frankel (Galileo) – Banstead Manor Stud/GB - 175.000 Pfund

Es hat wohl selten einen Hengst gegeben, der mit so großen Erwartungen ins Gestüt gegangen ist: Frankel war ein Kultpferd, ungeschlagen, das höchsteingeschätzte Pferd in der Geschichte der Ratings, der letzte vierbeinige Star in der Karriere von Sir Henry Cecil. Doch er hat sich in den bisherigen Jahren im Gestüt – sein erster Jahrgang ist jetzt sechsjährig – hervorragend geschlagen, wobei er natürlich von Beginn an hochklassige Stuten bekommen hat, nicht zuletzt von seinem Besitzer und Züchter Juddmonte. 125.000 Pfund betrug seine Decktaxe 2013, jetzt liegt sie im dritten Jahr in Folge bei 175.000 Pfund.

38 Gr.-Sieger, zehn davon auf höchster Ebene, das ist seine bisherige Bilanz, sein Sohn Cracksman ist ein spannender Nachwuchshengst bei Darley. Im vergangenen Jahr gewannen fünf seiner Nachkommen Gr. I-Rennen, Anapurna, Dream Castle, Logician, Quadrilateral und Veracious, es ist natürlich noch reichlich in der Pipeline. 2019 hatte er 153 Stuten gedeckt (2019: 183).

 

4

Kingman (Invincible Spirit) – Banstead Manor Stud/GB - 150.000 Pfund

Der jüngste Hengst in der Liste der hochpreisigen Hengste ist ein Boxennachbar von Frankel im Banstead Manor Stud in England. Sein erster Jahrgang ist vierjährig. Als er 2015 aufgestellt wurde, blickte er auf eine höchst erfolgreiche Rennkarriere zurück. Bei acht Starts gewann er sieben Mal, seine einzige Niederlage bezog er in den 2000 Guineas (Gr. I), in denen er Night of Thunder (Dubawi) unterlag, der auch gerade einen guten Start im Gestüt hingelegt hat. Nach diesem zweiten Platz gewann Kingman vier Gr. I-Rennen über die Meile, weswegen die erste Decktaxe von 75.000 Pfund angemessen, aber schon sportlich war. Diese ist in diesem Jahr verdoppelt worden, was auch auf seine hervorragenden Auktionserfolge zurückzuführen ist. Im Schnitt verkauften sich seine Jährlinge für rund 370.000 Euro.

Er ist Vater von bisher sechs Gr.-Siegern, Persian King, der verletzungsbedingt früh ausfiel, hat die Poule d’Essai des Poulains (Gr. I) gewonnen, der Gr. II-Sieger Calyx startet in den kommenden Wochen in Coolmore für eine Decktaxe von 22.500 Euro.

Es ist nicht zu erwarten, dass das Interesse an Kingman trotz des neuen Tarifs nachlassen wird. 2019 war er mit 235 Bedeckungen (2018: 114) der meist beschäftigte Hengst in England. Mit den 123 Black Type-Stuten, die ihm zugeführt wurden, lag er zumindest numerisch an der Spitze aller Hengste in Europa, noch vor Dubawi (101) und Galileo (96), die allerdings prozentual einen höheren Wert hatten.

 

5

No Nay Never (Scat Daddy) – Coolmore Stud/IRL - 150.000 Euro

Wie Kingman startete No Nay Never 2015 in seine Deckhengstkarriere, zunächst lag es, was den Preis für seine Dienste betraf, im normalen Bereich. Er startete mit 20.000 Euro, dann ging es in den beiden nächsten Jahren mit jeweils 17.500 Euro weiter. Doch nachdem seine ersten Nachkommen von Erfolg zu Erfolg eilten, rauschte es schnell mit dem Tarif nach oben.

Er ist ein Sohn der relativ früh eingegangenen amerikanischen Deckhengstsensation Scat Daddy (Johannesburg), war selbst zweijährig bei drei Starts ungeschlagen, darunter im Prix Morny (Gr. I). Dreijährig war er dann nur noch dreimal am Ablauf, lief ausschließlich in den USA, wo er u.a. Zweiter im Breeders‘ Cup Sprint (Gr. I) war. Zehn Gr.-Sieger hatte er bisher auf der Bahn, an der Spitze Ten Sovereigns, der den Darley July Cup (Gr. I) und die Middle Park Stakes (Gr. I) gewonnen hat, zu einer Decktaxe von 25.000 Euro ein Boxennachbar von No Nay Never geworden ist. 180 Stuten hat dieser 2019 gedeckt, damals zu einem Tarif von 100.000 Euro. Die Qualität der ihm zugeführten Partnerinnen dürfte sich in den letzten eins, zwei Jahren gesteigert haben, weswegen von ihm noch Einiges zu erwarten ist.

 

6

Sea The Stars (Cape Cross) – Gilltown Stud/IRL - 150.000 Euro

85.000 Euro betrug 2010 die Decktaxe, als Sea The Stars im Gilltown Stud des Aga Khan Einzug hielt, das wurde dann auch fünf Jahre gehalten, seitdem ist man peu a peu nach oben gegangen, die jetzt verlangten 150.000 Euro sind ein Allzeithoch. 38 Gr.-Sieger sind vorzuzeigen, zwölf haben Gr. I-Rennen gewonnen, einige seiner Söhne sind schon im Gestüt, wie ganz neu Crystal Ocean, dazu u.a. Harzand, Mekhtaal, Sea The Moon und Zelzal. Star Catcher und Stradivarius waren 2019 neben Crystal Ocean seine Aushängeschilder auf der Rennbahn, kommerziell ist er ohnehin seit Jahren eine Bank mit einem Schnitt für seine Jährlinge, der im letzten Jahr bei rund 240.000 Euro lag. Seinem noch relativ jugendlichen Alter geschuldet spielt er in der Statistik der erfolgreichen Mutterstutenvererber noch keine bedeutende Rolle.

186 Stuten hat Sea The Stars 2019 gedeckt, in all den Jahren waren auch stets deutsche Züchter dabei, was 2020 erneut der Fall sein wird. Mit Sea The Moon hat er immerhin schon einen Sieger im Deutschen Derby (Gr. I) gestellt. 

 

Invincible Spirit (Green Desert) – Irish National Stud/IRL – 100.000 Euro

23 Jahre zählt der Pascha im Irischen Nationalgestüt in diesem Jahr und da ist man nach vier Jahren, in denen 120.000 Euro verlangt wurden, etwas zurückgegangen. Es ist die 18. Saison, in die der einstige Sieger im Haydock Sprint Cup (Gr. I) geht, zuverlässig liefert er Jahr um Jahr erstklassige Pferde, die durchaus auch auf etwas längeren Distanzen erfolgreich sind als er selbst. Im vergangenen Jahr gewann sein Sohn Magna Grecia die 2000 Guineas (Gr. I) in Newmarket, insgesamt kann er auf jetzt 61 Gr.-Sieger verweisen. Er hat sich zu einem erstklassigen Vererber von Deckhengsten entwickelt, Kingman und der sehr gut gestartete Cable Bay sind in Europa hochmodern, I Am Invincible in Australien. Shalaa war im Auktionsring ein Schlager, an weiteren jungen Hengsten von Invincible Spirit sind Charm Spirit, Eqtidaar, National Defence, Profitable und Territories zu nennen, bewährt ist bereits Lawman.  Aus deutscher Sicht ist der klassische Sieger Ancient Spirit erwähnenswert. Bei Stuten tut er sich etwas schwerer, als Vater erfolgreicher Mutterstuten liegt er zumindest im erweiterten Vordertreffen.

Trotz seines Alters ist er noch bestens im Geschäft, letztes Jahr wurde er von 125 Stuten besucht. Invincible Spirit ist ein Bruder des ebenfalls als Deckhengst höchst erfolgreichen Kodiac (Danehill), der drei Jahre jünger ist.

 

Lope de Vega (Shamardal) – Ballylinch Stud/IRL – 100.000 Euro

Neu im Kreis der „Sechsstelligen“ ist der aus der Zucht des Gestüts Ammerland stammende Lope de Vega – Dietrich von Boetticher hält noch einen gewichtigen Anteil an ihm und dürfte daran in den vergangenen Jahren sehr viel Freude gehabt haben. Denn der Sieger im Prix du Jockey Club (Gr. I) und in der Poule d’Essai des Poulains (Gr. I) hat sich aus kleineren Anfängen zu einem der besten Vererber der Welt gemausert. 15.000 Euro betrug seine Decktaxe in den ersten beiden Jahren 2011 und 2012, dann ging es sogar kurze Zeit auf 12.500 Euro herunter. Vergangenes Jahr deckte Lope de Vega zu einem Tarif von 80.000 Euro 207 Stuten, im Jahr davor waren es auch 171 gewesen.

33 seiner Nachkommen haben Gr.-Rennen gewonnen, von seinen Söhnen sind Belardo und Phoenix of Spain, Sieger 2019 in den Irish 2000 Guineas (Gr. I), im Gestüt. Mit den ersten Erfolgen hat sich auch die Qualität der ihm zugeführten Stuten gesteigert, da wird schon der eine oder andere Ctack noch kommen.

 

Siyouni (Pivotal) – Haras de Bonneval/FR – 100.000 Euro

Wer in den Jahren 2011 bis 2014 seine Stute zu Siyouni in das Haras de Bonneval des Aga Khan geschickt hatte, musste eine Decktaxe von 7.000 Euro entrichten. Das war ein logischer Tarif, denn er hatte zwar zweijährig vier Rennen inklusive des Prix Jean-Luc Lagardere (Gr. I) gewonnen, doch blieb er dreijährig sieglos, seine beste Leistung war Platz zwei im Prix Jean Prat (Gr. I). Er legte aber einen sehr guten Start im Gestüt hin, das Hoch hält bis heute an und in den Auktionsringen sind seine Nachkommen stark gefragt. Im vergangenen Jahr lag der Schnitt pro Zuschlag bei den Jährlingen in Europa bei rund 240.000 Euro. So ist der Sprung auf 100.000 Euro, der ihn zum teuersten Hengst auf dem Kontinent macht, durchaus nachvollziehbar.

Er ist Vater von bisher zwanzig Gr.-Siegern, letztes Jahr gewann sein Sohn Sottsass, an dem Coolmore gerade einen 50prozentigen Anteil gekauft hat, den Prix du Jockey Club (Gr. I), seine Tochter Laurens war ebenfalls Gr. I-Siegerin. Mit City Light und Le Brivido haben in diesen Wochen seine ersten Söhne eine Deckhengst-Box bezogen. Deutsche Züchter haben Siyouni in den letzten Jahren durchaus häufig gebucht, doch nach der Gr. III-Siegerin Bourree gleich im ersten Jahrgang hat es bislang kein besseres Pferd gegeben.

 

10

Shamardal (Giant’s Causeway) – Kildangan Stud/IRL – private

70.000 Euro betrug im Jahr 2015 die Decktaxe von Shamardal im Kildangan Stud in Ireland, danach hieß es bei dem Darley-Hengst nur noch „private“. Aus gesundheitlichen Gründen deckte er eine Zeitlang ausschließlich Stuten im Besitz von Scheich Mohammed und dessen Umgebung, erst im vergangenen Jahr öffnete man sein Buch wieder ein Stück weit, der eine oder andere deutsche Züchter kam in den Genuss eines Sprungs. Wie viel dafür zu bezahlen war, ist nicht bekannt, aber nach dem so großen Jahr 2019 ist davon auszugehen, dass es ein sechsstelliger Betrag sein muss, der auf den Tisch zu legen ist. Wenn man überhaupt einen Sprung bekommt.

73 Gr.-Sieger hatte Shamardal bisher auf der Bahn, die deutsche Zucht hat dazu ihren Beitrag geleistet, Akua’da, Baltic Baroness, Elle Shadow, Pakistan Star, Sommerabend und Zazou sind zu nennen. Von seinen Söhnen ist schon eine Reihe erfolgreich im Gestüt, in Deutschland steht Amaron, in Irland Lope de Vega, dieses Jahr kommt der spannende Gr. I-Sieger Blue Point dazu. Und das Jahr 2020 könnte besonders aufregend werden, denn im Rennstall von Godolphin stehen mit Earthlight, Pinatubo und Victor Ludorum drei Vertreter des Jahrgangs 2017, die bereits im vergangenen Jahr Gr. I-Rennen gewonnen haben. 

 

 

 

 

 

 

 

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