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Top Seven: Die teuersten Deckhengste in Nordamerika

War Front, der Teuerste. Foto: Claiborne

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 605 vom Freitag, 14.02.2020

War Front (2002)

v. Danzig – Starry Dreamer v. Rubiano

Claiborne Farm – 250.000$

 

Es gibt kaum einen nordamerikanischen Hengst in der jüngeren Vergangenheit, der einen so großen Erfolg mit seinen Nachkommen in Europa hatte wie War Front. Coolmore hatte früh auf ihn gesetzt, heraus kamen Cracks wie Air Force Blue, Declaration of War, Due Diligence, Lancaster Bomber, War Command und US Navy Flag, die sämtlich selbst schon im Gestüt sind, bei den Stuten ist Roly Poly zu nennen. Das heißt natürlich nicht, dass seine Nachkommen nicht auch auf Sand große Rennen gewinnen, wobei Omaha Beach und War of Will aktuelle Beispiele sind.

War Front selbst hat nicht einmal ein Gr. I-Rennen gewonnen, er war auf dieser Ebene zweimal Zweiter, siegte im Vanderbilt Breeders‘ Cup Handicap (Gr. II) über 1200 Meter. Als er 2007 ins Gestüt ging, betrug seine Decktaxe 12.000 Dollar, seit 2017 ist man auf dem aktuellen Level angelangt. Claiborne managt ihn relativ defensiv, mehr als 110 Stuten bekommt er nie, gemunkelt wird, dass gelegentlich Züchter auch mehr als 250.000 Dollar für einen der begehrten Sprünge zahlen. Dass er auch ein kommerziell höchst erfolgreicher Hengst ist, das ist da nur selbstverständlich. Drei Jährlinge von ihm wurden 2019 für einen siebenstelligen Dollarbetrag verkauft. 

 

Medaglia d’Oro (1999)

v. El Prado – Capuccino Bay v. Bailjumper

Jonabell Farm – 200.000$

 

Die Zeiten, in denen Medaglia d’Oro im Sommer von den USA aus nach Australien geshuttelt ist, die sind vorbei, was natürlich auch am Alter des Darley-Hengstes liegt. Aber in der Südlichen Hemisphäre war er ähnlich erfolgreich wie in der Nördlichen, 2019 hatte er in Australien wieder zwei Gr.-Sieger, dort stehen auch Söhne von ihm im Gestüt wie etwa Vancouver. 25 Gr. I-Sieger hat er bisher gebracht, allen voran zwei außergewöhnliche Stuten, Rachel Alexandra und Songbird. Nun war er selbst ein hervorragendes Rennpferd mit drei Gr. I-Siegen. Im Gestüt startete er einst zu einem Tarif von 30.000 Dollar, der dann auch nie niedriger wurde. Durch das weltumspannende Darley-Netz hatte er auch zahlreiche Sieger in Europa, angeführt von dem markanten Breeders‘ Cup Turf (Gr. I)-Sieger Talismanic, der in Japan aufgestellt wurde. Rund zwei Dutzend seiner Söhne sind weltweit im Deckeinsatz.

 

Quality Road (2006)

v. Elusive Quality – Kobla v. Strawberry Road

Lane’s End – 200.000$

 

Ein großes Jahr hat Quality Road hinter sich, denn mit City of Light, Dunbar Road, Roadster und Bellafina stellte er gleich vier Gr. I-Sieger. Er selbst war auf Nordamerikas klassischer Sandbahndistanz von 1800 Metern ein sehr gutes Pferd, gewann vier Gr. I-Rennen. 2011 startete auf Lane’s End zu einer Decktaxe von 35.000 Dollar, zeitweise lag sie bei 25.000 Dollar, dann ging es aber schnell nach oben, für 2020 wurde der Tarif denn auch von 150.000 Dollar auf den heutigen Satz angehoben. In Europa ist er bis auf eine Ausnahme eine relativ unbekannte Größe. Diese Ausnahme ist Hootenanny, der 2014, damals zweijährig für Trainer Wesley Ward die Windsor Castle Stakes (LR) in Royal Ascot gewann, Zweiter im Prix Morny (Gr. I) wurde und dann in Santa Anita den Breeders‘ Cup Juvenile Turf (Gr. I) für sich entschied.

 

Tapit  (2001)

v. Pulpit – Tap Your Heels v. Unbridled

Gainesway Farm – 200.000$

 

Von 225.000 auf 200.000 Dollar gesenkt wurde die Decktaxe für den dreimaligen Championhengst in den USA. Er hatte 2019 zwar keinen Gr. I-Sieger auf der Bahn, aber mit 26 Stakes-Siegern und der Gewinnsumme seiner Nachkommen von 14,1 Millionen Dollar kam er trotzdem auf Rang drei in der einschlägigen Statistik. Zudem hatten seine Söhne Constitution und Tapiture mit ihren jeweils ersten Jahrgängen einen hervorragenden Start im Gestüt. Constitution, zweifacher Gr. I-Sieger, hatte mit Tiz The Law sogar einen Gr. I-Sieger auf der Bahn. Andere Söhne von ihm haben ebenfalls gute Erfolge als Vererber vorzuweisen, der erste Jahrgang des schnellen Frosted kommt dieses Jahr an den Start. Insgesamt 25 Gr. I-Sieger haben Tapit als Vater. In Europa hatte er eher wenige Starter, sein Sohn Wissahickon war Gr. III-Sieger, als Vater erfolgreicher Mutterstuten ist er insbesondere in Japan aufgefallen.

 

American Pharoah (2012)

v. Pioneerof the Nile – Littleprincessemma v. Yankee Gentleman

Ashford Stud – 175.000$

 

Offiziell ist die Decktaxe des Triple Crown-Siegers „private“, aber die oben fixierte Summe – ein Sprung von 110.000 Dollar – darf als gesichert gelten. Gestartet ist der Hengst nach einer großen Rennkarriere, die mit dem Erfolg im Breeders‘ Cup Classic (Gr. I) gipfelte, sogar mit einem Tarif von 200.000 Dollar. Sein erster Jahrgang ist dreijährig, darunter sind drei Gr.-Sieger, was zu der Pole Position in der Statistik der Hengste mit dem ersten Jahrgang in Nordamerika reichte. Monarch of Egypt und Maven waren Black Type-Pferde in Europa. Er ist auch in das Shuttle-Programm von Coolmore in Australien aufgenommen worden, wobei seine vorjährige Decktaxe mit 66.000 A-Dollar (ca. €40.000) fast ein Geschenk war, doch differieren die dortigen Tarife sehr von denen in den USA oder Europa. Ob er wieder dorthin fliegen wird, bleibt abzuwarten. Nachkommen von ihm waren von Beginn an bei den Auktionen sehr gefragt.

 

Curlin (2004)

v. Smart Strike – Sheriff’s Deputy v. Deputy Minister

Hill ‚n‘ Dale – 175.000$

 

Seit Jahren eine feste Größe unter Nordamerikas Spitzenvererber ist dieses ehemalige „Horse of the Year“, das sieben Gr. I-Rennen gewonnen, auch den damals noch in Nad Al Sheba ausgetragenen Dubai World Cup (Gr. I). Sein Start im Gestüt war etwas zögerlich, 2014 betrug die Decktaxe nur 25.000 Dollar, das ist Historie, jetzt gibt es einen erneuten Aufpreis, von 150.000 auf 175.000 Dollar. Neun Gr. I-Sieger hat er bisher auf der Bahn, sein Sohn Vino Rosso gewann den jüngsten Breeders‘ Cup Classic (Gr. I). Sein Sohn Palace Malice, Sieger u.a. in den Belmont Stakes (Gr. I), hatte letztes Jahr seinen ersten Jahrgang auf der Bahn, darunter war der Breeders‘ Cup Juvenile Turf (Gr. I)-Sieger Structor.

 

Into Mischief (2005)

v. Harlan’s Holiday – Leslie’s Lady v. Tricky Creek

Spendthrift Farm – 175.000$

 

2019 hatte der Sieger im CashCall Futurity (Gr. I) zweijährig 217 individuelle Sieger auf der Bahn, die Gewinnsumme seiner Nachkommen betrug 18,7 Millionen Dollar, womit er erstmals Championvererber in Nordamerika war. Er war aus kleinen Anfängen gestartet, zeitweise betrug seine Decktaxe nur 7.500 Dollar, noch 2016 deckte er für vergleichsweise günstige 45.000 Dollar. Mit der Zeit stieg natürlich die Qualität der ihm zugeführten Stuten an, so dass von ihm noch mehr zu erwarten ist. Letztes Jahr war er mit 245 Bedeckungen zu einem Tarif von 150.000 Dollar der meistbeschäftigte Hengst in Nordamerika, sein Buch für 2020 ist schon lange geschlossen. In Europa hat er bisher eher wenige Akzente gesetzt.  

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