Drucken Redaktion Startseite

Stephen Hellyn im Porträt: "Wer Erfolg haben will, muss sportlich denken."

Stephen Hellyn im Porträt. www.galoppfoto.de - Frank Sorge

Autor: 

Karina Strübbe

TurfTimes: 

Ausgabe 362 vom Donnerstag, 09.04.2015

Ein Höhepunkt in einem tollen Jahr: Gr. I Sieg mit Sirius. www.galoppfoto.de - Marius SchwarzEin Höhepunkt in einem tollen Jahr: Gr. I Sieg mit Sirius. www.galoppfoto.de - Marius Schwarz32 vs. 79 oder 8,8 vs. 14,3 % – was auf den ersten Blick nach völlig willkürlich gewählten Zahlen aussieht, markiert in Wirklichkeit einen geradezu kometenhaften Aufstieg. Zuzuordnen sind diese Zahlen Stephen Hellyn. Sie symbolisieren keine langjährige Entwicklung, sondern die Anzahl der gewonnen Rennen in Deutschland bzw. die Siegprozentzahl der Jahre 2013 und 2014. Fraglos war 2014 das mit Abstand erfolgreichste Jahr in der Jockeylaufbahn von Stephen Hellyn. Champion in den Niederlanden und Vizechampion in Deutschland sowie ein Gruppe I-Sieg mit Sirius in Hoppegarten sind nur einige größten Erfolge des Belgiers im vergangen Jahr. Fast heimlich, still und leise ist Stephen Hellyn in den letzten Jahren in die Riege der in Deutschland tätigen Spitzenjockeys aufgestiegen.

Ein guter Anlass für ein Interview mit Stephen Hellyn. Ein angedachtes Treffen an seiner neuen Wirkungsstätte in Köln klappt nicht, sodass wir Stephen Hellyn nach einem Renntag treffen. Er ist kein Lautsprecher oder Selbstdarsteller, wirkt eher ruhig und bescheiden. Seine Ziele sind jedoch durchaus anspruchsvoll, er will weiter nach oben. Der Wechsel von Mülheim nach Köln zu Waldemar Hickst bzw. Klaus Hofmann vom Stall Lucky Owner soll nach Möglichkeit der erste Schritt sein. Die Voraussetzungen sind dabei ideal. Mit 29 Jahren ist Stephen Hellyn fast fünfzehn Jahre jünger als die Topjockeys der vergangenen Jahre, ein Mann für die Zukunft also. Stephen Hellyn wünscht sich eine ähnlich gute Saison wie 2014. „Ich hoffe, dass ich gesund bleibe und eine gute Saison hinlege. Ich hoffe, am Ende des Jahres wieder unter den Top 5 zu sein und ein Grupperennen zu gewinnen.“

Hat gut lachen nach einer fantastischen letzten Saison, Stephen Hellyn beim Turf-Times-Interview. Foto: Karina StrübbeHat gut lachen nach einer fantastischen letzten Saison, Stephen Hellyn beim Turf-Times-Interview. Foto: Karina StrübbeAnders als so viele Jockeys war Stephen Hellyns Weg nicht von Beginn an vorgezeichnet. Pferde waren anfangs „nur“ Hobby. Stephen Hellyn arbeitete als Elektroniker und ritt gelegentlich als Amateur Rennen. Doch die Weichen waren gestellt, der Erfolg, zunächst vor allem in Holland, kam und die Karriere somit langsam aber sicher ins Rollen. In Deutschland tauchte der Name Hellyn zum ersten Mal 2003 auf. Bei seinem einzigen Ritt am Tag des Preises der Wirtschaft in Dortmund ritt er für den belgischen Trainer Rudy Roels. Mit der Stute Missis Ulysses wurde er 11. und Letzter in einem Ausgleich IV. Kein besonders erfolgsversprechender Start. Der Ritt sollte der einzige bleiben bis ins Jahr 2006. Jan Pubben, für den Stephen Hellyn mittlerweile in den Sattel stieg, war „schuld“ daran. Die ersten Erfolge stellten sich ein, zunächst vornehmlich auf holländischen Pferden, irgendwann die ersten Buchungen durch deutsche Trainer.

Stetig, unermüdlich, still und leise folgte der Weg nach oben. Step by step, Mit Letro konnte Stephen Hellyn im letzten Jahr gleich drei Siege feiern. www.galoppfoto.de - WiebkeArtMit Letro konnte Stephen Hellyn im letzten Jahr gleich drei Siege feiern. www.galoppfoto.de - WiebkeArtfast schon eine sinnbildliche Beschreibung für den Karriereverlauf Stephen Hellyns. Quasi folgerichtig kam der Wechsel nach Deutschland, nachdem er mit der zweiten Hirschberger-Farbe Guantana den Oster-Stutenpreis (L.) gewinnen konnte, der Job bei Schlenderhan. In diese Bergheimer Zeit fällt auch der erste von bis dato zwei Gruppe I-Siegen Stephen Hellyns und auch der Sieg mit Getaway im Deutschland-Preis resultierte aus einer fast schon kuriosen Situation, als Adrie de Vries, damals Schlenderhan-Jockey, Verpflichtungen in England hatte und somit den Ritte auf dem Co-Favoriten nicht wahrnehmen konnte. Stephen Hellyn durfte ran und siegte. Das war der Anfang, dem Stationen bei Markus Klug, Werner BaltromeiWilliam Mongil und zuletzt wieder bei Jens Hirschberger in Mülheim folgten.

Lange ein Team: Jens Hirschberger und Stephen Hellyn mit Daring Match beim Derbmeeting.  www.galoppfoto.de - Frank SorgeLange ein Team: Jens Hirschberger und Stephen Hellyn mit Daring Match beim Derbmeeting. www.galoppfoto.de - Frank SorgeObwohl er sein Berufsleben mehrheitlich in Deutschland verbringt, wohnt Stephen Hellyn nach wie vor in Belgien. Gemeinsam mit seiner Frau hat er ein Haus gekauft. Das führt zu einem langen Arbeitsweg. Zwei Mal in der Woche setzt er sich nachts um 3 Uhr ins Auto, um rechtzeitig zur Morgenarbeit in Köln zu sein. Mittags geht es dann zurück in das kleine Örtchen Wortegem bei Waregem. „Man gewöhnt sich dran“, so der trockene Kommentar zur Fahrerei. Zeit ist knapp und wenn er dann doch mal etwas davon hat, wird auch sie den Pferden gewidmet. Und spätestens beim nächsten Renntag gilt wieder das Motto: „Man will immer mehr, man ist nie zufrieden. Wenn man zufrieden ist, sollte man aufhören. Wer Erfolg haben will, muss sportlich denken: Immer weiter, immer mehr.“

 

Steckbrief Stephen Hellyn
Geboren:17.02.1986
Position/Stall:Privatjockey für Klaus Hofmann, Jockey am Stall bei Waldemar Hickst
Niedrigstes Gewicht:53 Kilo nach Absprache

Anzahl Siege:

Etwa 350, am Anfang waren das immer nur so 10 Siege pro Jahr, ich bin ja auch nicht viel geritten. Es ging erst in den letzten Jahren richtig los.

Größte Erfolge:

Mit Getaway gelang Stephen Hellyn 2009 der erste Gr. I-Sieg.  www.galoppfoto.de - Sandra ScherningMit Getaway gelang Stephen Hellyn 2009 der erste Gr. I-Sieg. www.galoppfoto.de - Sandra ScherningGr. I-Siege mit Getaway und Sirius

Jockey seit:

Seitdem ich 15 bin. Ich habe meine Ausbildung mit Ende 15 begonnen. In Belgien sind Amateure nicht üblich. Wenn man leicht ist, geht man in die Ausbildung. Aber ich habe das immer als Hobby gemacht. Ich habe erst mit 21 entschieden, das beruflich zu machen.

Was haben Sie davor beruflich gemacht?

Ich habe die Schule zum Elektroniker besucht und bei meinem Vater auf dem Markt gearbeitet. Mittags habe ich dann zwei Stunden Pferde geritten, vor allem bei Besitzertrainern. Rennen habe ich dann immer hobbymäßig geritten. Im Laufe der Zeit ist das mehr und mehr geworden.

Seit wann reiten Sie (vermehrt) in Deutschland?

Seit 2007 etwa. In Belgien waren damals sonntags wenig Rennen, weshalb ich begann, sonntags in Holland zu reiten. So kam es, dass ich bei Jan Pubben anfing, zunächst ein Tag in der Woche. Ich konnte dann in Holland Rennen gewinnen, auch das Derby und ritt in der Folge immer mehr bei Jan Pubben, erst zwei, dann drei Tage und schließlich die ganze Woche lang. Ich bin dann auch nach Holland gezogen und habe dort gewohnt.

Was waren die nächsten Stationen?

Stephen Hellyn reitet Dawn Twister zum Sieg im Steher Cup.  www.galoppfoto.de - Sarah BauerStephen Hellyn reitet Dawn Twister zum Sieg im Steher Cup. www.galoppfoto.de - Sarah Bauer2009 fing ich für einen Tag die Woche bei Schlenderhan an und ritt die übrigen Tage weiter bei Jan Pubben aus. Er hat mir dann vorgeschlagen, ganz zu Schlenderhan zu gehen, als er nicht mehr so viele Pferde hatte, was sowohl für ihn als auch für mich ungünstig war. Aber auch nach meinem Wechsel hat er mir weiterhin die Ritte gegeben und hat mich weiter unterstützt. Aber auch bei Schlenderhan habe ich riesige Chancen bekommen, konnte meinen ersten Gruppe I-Sieg mit Getaway und zwei Listensiege mit Guantana und Dawn Twister feiern.

 

Wie kam es zu der Verbindung mit Schlenderhan?

Ich hatte Anfang des Jahres im April in Köln im Stutenrennen die zweite Farbe bekommen, weil nicht mehr so viele Jockeys frei waren, glaube ich. Jens Hirschberger hat mir dann die Chance gegeben, ich hatte Glück und konnte das Rennen (mit Guantana) gewinnen. Das war mein Einstieg.

Bei Schlenderhan war ich ungefähr zweieinhalb Jahre. Dann kam eine kurze Zeit bei Markus Klug, bis ich einen Anruf von Werner Baltromei erhielt, der keinen Jockey hatte und mir ein schönes Angebot machte. Ich habe dann mit Markus gesprochen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich ja auch noch nicht so viele Rennen gewonnen und noch nicht so viel Erfahrung. Er hat mir dann gesagt, ich solle es machen. Ich bin auch sehr froh, zu Werner Baltromei gegangen zu sein, weil ich dort sehr, sehr viel gelernt habe. Er hat mich sehr unterstützt und mir auch nach der Arbeit noch Tipps gegeben, mir anhand von Rennvideos gesagt, was ich gut oder schlecht gemacht habe. Nach seinem Tod bin ich erst bei William Mongil geblieben, bis Jens Hirschberger nach Mülheim kam. Und seit diesem Jahr bin ich in Köln bei Waldemar Hickst für Klaus Hofmann.

Sie hatten letztes Jahr eine Bombensaison, so gut wie noch nie…

109 Siege hatte ich (davon 79 in Deutschland)

Können Sie sich erklären, warum das so gut funktioniert hat?

Stimmt das Gewicht? Stephen Hellyn auf der Waage.  www.galoppfoto.de - Frank SorgeStimmt das Gewicht? Stephen Hellyn auf der Waage. www.galoppfoto.de - Frank SorgeWenn du einen Lauf hast, hast du einen Lauf. Und dann setzten dich die Leute auch schneller drauf. Mit ein bisschen Glück kann man dann noch ein paar Rennen mehr gewinnen.

In Belgien bin ich letztes Jahr mit 26 Siegen Champion geworden. Der Zweite hatte 14 und dabei bin ich zwei Monate gar nicht mitgeritten. Das war mein erstes Championat. Ich habe eigentlich auch nie viel in Belgien geritten, mehr in Holland. Meine Anfänge lagen in Belgien, klar, aber als Hobby. Dem Rennsport ging es zu dem Zeitpunkt so schlecht, dass man kaum dort arbeiten konnte, das lohnte sich nicht. Dass ist durch die PMU-Renntage besser geworden und ich habe dadurch die Chance, dort mehr zu reiten. Ich mag die Bahn auch, komme gut klar damit.

Wie sind Sie zum Rennsport gekommen?

Mein Vater hat Rennpferde gehabt, aber auch nicht so viele, nur in kleinem Rahmen. Ich habe mit Ponyrennen begonnen, besaß auch ein eigenes Pony, das mit Vollblütern im Stall stand und so kam ich da rein.

Haben Sie Vorbilder?

Ja. Adrie ist ein Vorbild. Er hat auch sein ganzes Leben in Holland geritten, war 13mal Champion. Er wird auch nicht jünger, aber er reitet immer weiter und verbessert sich jedes Jahr noch. Jetzt reitet er in Dubai mit, ist in den Top 10 der Jockeystatistik, reitet für Godolphin und so und er wird 46 dieses Jahr, das ist schon ein Vorbild. Und naja, Soumillon finde ich auch geil. Er ist natürlich auch Belgier und ein sehr guter Jockey mit viel Gefühl für die Pferde.

Wenn Sie mal so ein Angebot für den Winter bekämen, wo würden Sie gern hin?

Ich war jetzt im Winter bei Adrie in Dubai, das ist schon schön dort, aber es ist nicht leicht, einzusteigen. Erst muss man überhaupt einen Vertrag bekommen. Und wenn man dann hinfährt, will man natürlich auch Rennen reiten und nicht nur die Arbeiten. Da bleibe ich vorerst lieber hier und reite auf der Sandbahn.

Haben Sie ein Lieblingspferd?

Nein, nicht wirklich. Aber generell mag ich gern Speedpferde.Wieder ein Sieger: Stephen Hellyn auf Ante Portas beim Derbymeeting.  www.galoppfoto.de - Frank SorgeWieder ein Sieger: Stephen Hellyn auf Ante Portas beim Derbymeeting. www.galoppfoto.de - Frank Sorge

Welches Rennen würden sie gern mal gewinnen?

Das deutsche Derby. Wie alle anderen auch.

Die meistgenannten Antworten sind Derby und Arc.

Ja… der Arc ist ja… da muss man erst mal reiten. Ich war schon froh, dass ich letztes Jahr meinen ersten Ritt im Derby bekommen habe. Da einen Ritt zu bekommen, ist auch nicht leicht. Ich war Vierter, das Pferd (Eric) ist riesig gelaufen, das war schon toll. Aber man will immer mehr, man ist nie zufrieden. Wenn man zufrieden ist, sollte man aufhören. Wer Erfolg haben will, muss sportlich denken: Immer weiter, immer mehr.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Im Rennsattel, ich bin ja erst 29.

Verwandte Artikel: