Drucken Redaktion Startseite

Stabiler Markt in Deauville

Andre Fabe (Mitte) bei der Arqana-Auktion. Foto: Zuzana Lupa

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 568 vom Freitag, 17.05.2019

Ein zumindest auf dem Papier sehr starker Katalog, alle „Highroller“ vor Ort – die Erwartungen vor der Breeze Up-Auktion von Arqana am vergangenen Samstag im französischen Deauville waren schon relativ hoch, trotz der unzweifelhaft nicht ganz einfachen Gesamtlage auf dem Vollblutmarkt. Als am Abend der Versteigerung das Fazit gezogen wurde, fiel dies durchaus positiv aus. Gesamtumsatz (14.797.000 Euro) und Schnitt pro Zuschlag (129.798 Euro) waren nahezu identisch gegenüber dem Vorjahr, 114 von 145 Zweijährigen wurden verkauft. So war es kein Wunder, dass die Veranstalter nicht unzufrieden waren.

Auffallend ist, wie „amerikanisch“ inzwischen die Kataloge bei derartigen Auktionen sind. Immer mehr Pinhooker fliegen zu den relevanten Jährlingsauktionen in die USA, decken sich dort mit Pferden ein, die dann auf dem europäischen Markt erneut angeboten werden. Und sie werden durchaus angenommen, wie die Ergebnisse der vergangenen Monate zeigen

Auch der Salestopper kommt aus Übersee: 1,1 Millionen Euro kostete ein Hengst aus dem ersten Jahrgang des Triple Crown-Siegers American Pharoah aus einer Giant’s Causeway-Schwester zum Gr. I-Sieger Leroidesanimaux (Candy Stripes). Laurent Benoit bekam den Zuschlag, er war im Auftrag der Coolmore-Connection tätig, André Fabre wird den Hengst ins Training bekommen. „Er ist persönlich vorbeigekommen, um sich den Hengst anzuschauen“, merkte Benoit an, „er wollte unbedingt einen American Pharoah ins Training bekommen.“ Die zweite Mutter des Zweijährigen, der vergangenen September in Keeneland für 275.000 Dollar von Brendan Holland vom Grove Stud gekauft wurde, ist eine Schwester der Juddmonte-Stute Hasili (Kahyasi), Mutter von Cracks wie Intercontinental, Banks Hill, Cacique und Dansili, sämtlich Danehill-Nachommen. Es war der zweitteuerste Hengst in der Geschichte dieser Auktion. Sein Vater American Pharoah (Pioneerof the Nile) hat unter seinen ersten Nachkommen auf der Bahn bereits eine Reihe von versprechenden Siegern. Er steht aktuell zu einer Decktaxe von 110.000 Dollar im Ashford Stud, der Dependance von Coolmore in Kentucky.

Auch Godolphin war bei der Auktion nicht untätig. Für 800.000 Euro ersteigerte Anthony Stroud für das Unternehmen, das tags darauf einen großen „Poule“-Tag hatte, eine Kingman-Schwester zu Rizeena (Iffraaj), die die Coronation Stakes (Gr. I) und die Queen Mary Stakes (Gr. I) gewinnen konnte. Bei Tattersalls hatte von Mocklershill angebotene junge Stute 300.000gns. gekostet, sie wird jetzt in Newmarket von einem der dortigen Godolphin-Trainer vorbereitet.

Der englische Trainer David Simcock unterschrieb den Kaufzettel für einen Lope de Vega-Sohn aus der Gr. III-Siegerin Quad’s Melody (Spinning World), die mit Here Comes When (Danehill Dancer) den Sieger in den Sussex Stakes (Gr. I) auf der Bahn hatte. Ihr zwei Jahre alter Sohn kostete 700.000gns. und ging an einen neuen Kunden von Simcock. André Fabre wird der künftige Trainer einer Kingman-Stute sein, die der Agent Charlie Gordon-Watson für 650.000 Euro ersteigerte.

Es gab auch das eine oder andere deutsche Element: So wurde eine Tochter von No Nay Never für 500.000 Euro an den Agenten Jamie McCalmont verkauft, er unterschrieb unter dem Namen „Westerberg“. Dabei handelt es sich um den schon im vergangenen Jahr mehrfach als Käufer aufgetretenen, in England lebenden Georg von Opel. Vergangenen Sommer hatte er bei der BBAG mit Miss Yoda (Sea The Stars) die Salestopperin gekauft, eine vom Gestüt Etzean angebotene Tochter der Monami. Zudem war er bei Tattersalls und Goffs aktiv gewesen. Seine Neuerwerbung stammt aus einer Duke of Marmalade-Stute, aus der Familie ist der Gr. I-Sieger und Nachwuchsdeckhengst Recoletos (Whipper) zu nennen. Ralph Beckett wird die Zweijährige ins Training bekommen, „sie ist langfristig für die Zucht gekauft worden“, erläuterte McCalmont.

Ein Neuzugang für Andreas Wöhler ist eine Stute aus dem ersten Jahrgang des mehrfachen Gr. I-Segers Muhaarar (Oasis Dream). Stuart Boman ersteigerte sie für 280.000 Euro im Auftrag von Larry Young, der Mitbesitzer bei der 1000 Guineas (Gr. II)-Hoffnung Axana (Soldier Hollow) ist. Wöhler selbst, am Auktionstag in Hoppegarten im Einsatz, wusste von dem Kauf nichts, eine Box wird er aber sicher frei haben. Die junge Stute ist eine Halbschwester des Maurice de Gheest (Gr. I)-Siegers Signs of Blessing (Invincible Spirit), kurze Distanzen werden somit ihr Betätigungsfeld sein. Als Jährling hatte sie den jetzigen Anbieter Brendan Holland bei Goffs 85.000 Euro gekostet.

Richtung München-Riem dürfte es für eine Stute des Spitzenvererbers Sea The Stars gehen. Tina Rau ersteigerte die Tochter einer Elusive Quality, ein 22.000-Euro-Jährling von Goffs, im Auftrag der RTC GmbH von Hans-Gerd Wernicke für 95.000 Euro. Sarah Steinberg wird sie künftig trainieren.  

Verwandte Artikel: