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Saisonfinale in Almaty

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 641 vom Freitag, 23.10.2020

Aus Kasachstan erreichten uns von Peter Holowka einige Anmerkungen zum dortigen Galopprennsport, die wir nachfolgend veröffentlichen, leicht gekürzt und auf den neuesten Stand gebracht.

Am vergangenen Samstag wurde in Kazakhstan auf dem Hippodrom von Almaty unter anderem auch der Preis des Winterfavoriten entschieden.

Der 2j. Hengst Wadjib Aman Ai (Tertullian (USA) - Wave Goodbye) aus der Zucht des Gestüts Söderhof gewann nach einem gut eingeteilten Rennen aus dem Vordertreffen sehr leicht mit 3 ½ Längen vor seinem stärksten Widersacher Olshachan (Oksboy (USA).

Ein Video zu diesem Rennen gibt es im Moment noch nicht aber hier können Sie Wadjib Aman Ai bei seinem ersten Auftritt, den er gleich in einen Sieg verwandeln konnte, sehen: Klick zum Video

Inzwischen liest sich seine Formkurve 1-1-2-1.Trainer Erzhan Aktacov und Jockey Aitbek Bajiish Uulu waren sich nach dem Rennen einig, einen zukünftigen Champion im Stall zu haben, der auf weiteren Wegen noch viel besser zur Geltung kommen wird. Besitzer Aziz Achmetov zeigte sich sehr zufrieden mit dem Abschneiden des kompakten Tertullian-Sohnes, den er 2019 auf der BBAG Auktion im Rahmen des Sales & Racing Festival 2019 für  4.000 Euro ersteigert hatte.

Achmetov hat auch dieses Jahr wieder bei der BBAG Auktion zugeschlagen und sich eine ganze Reihe von Jährlingen gesichert. Der Unternehmer aus Almaty zählt zu den regelmäßigen Kunden der BBAG Auktion.

Überhaupt sind die kasachischen Besitzer, die ich auf der Rennbahn getroffen habe, alle sehr aktiv in Baden Baden, reisen, wenn immer möglich, selber an, oder nehmen die Dienste von erfahrenen Agenten, wie z.B. David Allan von UK Bloodlines, in Anspruch.

Adilkhan Yeraliev, ein sehr fachkundiger Züchter und Pferdemann und der Besitzer des derzeitigen Champions auf der Meile Make Memories (6j. H. Street Cry) sagte ebenfalls, dass man bei der BBAG sehr hohe Qualität zu erstaunlich niedrigen Preisen finden kann. Er kauft regelmäßig in Deutschland ein und hat bisher mit allen Pferden viel Erfolg gehabt.

Das aus Kazakhstan erfahren Pferdeleute kommen, wissen die deutschen Rennsportfreunde natürlich nicht erst seit Bauyrzhan Murzabayev fast übermächtig die deutsche Jockey-Statistik dominiert.

Waldemar Hickst, dessen Großeltern aus Deutschland stammen, der selber aber in Kazakhstan geboren ist, zählt seit vielen Jahren zur Spitze der deutschen Trainergilde und hat als Jockey herausragende Rennen gewonnen.

Seit vielen Jahren bereise ich Zentralasien aus geschäftlichen Gründen und beobachte interessiert, wie der Rennsport in Kazakhstan ganz langsam von einer Gruppe von Enthusiasten behutsam wieder aufgebaut wird.

Vor einigen Jahren sollte das Hippodrom von Almaty eigentlich einer neuen Wohnsiedlung weichen. Die Tribüne war damals in einem sehr bedenklichen Zustand, die Stallungen verfielen und alles schien eigentlich schon vorbei.

Aber die Kasachen sind ein Volk, dessen  Kultur so eng mit dem Pferd verbunden ist, und so gibt man das, was schon da ist, nicht einfach so auf. Einige unentwegte  Rennsportbegeisterte taten sich zusammen und haben das Hippodrom zunächst vor dem Verfall gerettet.

Seit drei Jahren werden jetzt im Sommer alle 14 Tage Rennen abgehalten—Vollblutrennen und Rennen für einheimisch gezogene Pferde. Diese Rennen für einheimische Pferde haben es aber in sich—sie führen über unglaubliche Marathonstrecken von 20 km bis 50 km—ganz so wie es früher in den schier unendlichen Steppen Kazakhstans bei den alten Reitervölkern üblich war.

Die Zuschauer lieben das und so ist der Ausflug zur Rennbahn immer auch ein Anlass mit der gesamten Familie, und hier sind alle Generationen gemeint, einen schönen Tag an der frischen Luft, bei leckerem Essen und Trinken und im Freundeskreis zu verbringen—eigentlich ganz so wie es „früher“ mal war.

In diesem Jahr ist wegen der Corona Krise vieles leider nicht so, wie ich es vor zwei Jahren bereits erlebt habe—jetzt gibt es die Temperaturkontrolle beim Einlass (der Eintritt ist für alle kostenlos) - den Hinweis, doch bitte die Maske zu tragen und das Abstandsgebot einzuhalten. Die Kasachen gehen mit den Restriktionen sehr genau um—jeder ist auf das Wohl des anderen bedacht und wenn Sie in die Statistik des John Hopkins Institutes schauen, werden Sie schnell erkennen, dass man offensichtlich vieles hier sehr, sehr gut macht.

Normalerweise ist der Raum auf der Rückseite der Tribüne den Garküchen und den Grillständen vorbehalten, die eine große Vielzahl von Speisen aus der heimischen Küche feil bieten. Wetten kann man nicht, noch nicht, denn da tut sich was in der Gesetzgebung, wie ich von der Ministerin für Sport und Kultur, Frau Aktoty Raimkulova erfahren konnte.

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