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Rote Zonen und Preisgeldboom in Italien

Longchamp liegt in der "roten Zone" - deshalb gibt es dort vorerst keine Rennen. www.galoppfoto.de

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 619 vom Freitag, 22.05.2020

Am 11. Mai war der Neustart in Frankreich erfolgt, doch am Mittwoch gab es einen erheblichen Rückschlag, da die Regierung mit sofortiger Wirkung den Rennsport in den „roten Zonen“, von der Corona-Pandemie besonders stark betroffenen Gebieten untersagte. Dazu gehört der gesamte Bereich in und um Paris herum, sowie das Elsass. Nicht betroffen ist die Normandie, so dass die für ParisLongchamp vorgesehenen Rennen, wie etwa an diesem Sonntag, nach Deauville verlegt wurden. Die Veranstaltung am Donnerstag in Straßburg musste ersatzlos gestrichen werden. Weitere Ersatzveranstalter sind Dieppe und Vichy.  

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In Irland wird es jetzt doch am 8. Juni beginnen, deutlich früher als zunächst von den Aktiven befürchtet. Entsprechende Sicherheitsmaßnahmen wurden wie in allen anderen Rennsportnationen angeordnet. Die 2000 Guineas (Gr. I) sollen am 12. Juni, die 1000 Guineas (Gr. I) tags darauf gelaufen werden. Ob dann auch Pferde aus England starten – berechtigt sind sie nur in Gr. I- und Gr. II-Rennen - ist eher unklar, denn alle aus dem Ausland kommenden Personen müssen sich in Irland 14 Tage in Quarantäne begeben, was für Trainer, Jockeys und Stallpersonal gilt. Allerdings wäre es möglich, dass irisches Personal die Pferde vor Ort betreuen.   

In Großbritannien, wo der erste Renntag nach dem Lockdown am 1. Juni stattfindet, sind in den ersten zwei Wochen ausländische Pferde nur in den 2000 Guineas (Gr. I), den 1000 Guineas (Gr. I) und im Coronation Cup (Gr. I) startberechtigt. Ab dem 15. Juni sind die Black Type-Rennen für alle offen, bis auf absehbare Zeit bleiben die darunter angesiedelten Prüfungen jedoch geschlossen.

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Santa Anita öffnete am vergangenen Freitag mit einer Neun-Rennen-Karte erstmals seit dem 22. März wieder seine Tore, natürlich nur für die unmittelbar am Geschehen Beteiligten. Wie überall sonst auch wurde nur von außen auf die Rennen gewettet, dieses aber in erstaunlicher Höhe. 11,2 Millionen Dollar betrug der Umsatz, Vergleichstage lagen in der Vergangenheit bei etwa sieben Millionen Dollar. Allerdings hat das Gros der amerikanischen Bahnen noch geschlossen, es konzentriert sich aktuell auf wenige Veranstalter. Auch in Churchill Downs gab es am Samstag beim Neustart erstaunliche Wettumsätze: In den elf Rennen des Tages wurden 14,27 Millionen Dollar gewettet, gegenüber dem korrespondierenden Renntag des Vorjahres mit Zuschauern war es ein Plus von 183 Prozent.

Andrew Cuomo, Gouverneur des Staates New York, hat vergangenen Samstag in seinem täglichen Briefing verkündet, dass die Rennbahnen Belmont Park und Aqueduct ab dem 1. Juni für den Rennbetrieb wieder geöffnet werden können. Die Belmont Stakes (Gr. I), traditionell die letzte Etappe der Triple Crown in den USA, wurden auf den 11. Juni terminiert. Die Distanz wurde von 2400 auf 1800 Meter verkürzt, die Dotierung beträgt statt 1,5 Millionen jetzt eine  Million Dollar.

In Pennsylvania hat Gouverneur Tom Wolf die Rennbahnen auf eine Stufe mit Casinos und Kinos gestellt, womit ein Neustart noch auf Wochen hinaus nicht möglich erscheint.    

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Mit einem sehr übersichtlichen Programm wird nach dem Stand der Dinge der Schweizer Galopprennsport ab Juni wieder einsteigen. Einziger Veranstalter ist Avenches, dort sollen im Juni und Juli acht Trab- und drei Galopprenntage mit reduziertem Preisgeld durchgeführt werden. Für die Zeit danach sind die Aussichten ebenfalls nicht gerade rosig, von insgesamt 100 Trab- und 35 Flachrennen ist bis zum Jahresende in Avenches die Rede, Hindernisrennen sind nicht vorgesehen. Ob es in der Deutschschweiz in diesem Jahr überhaupt noch einmal Rennen geben wird, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt unklar.

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Italien will den Neustart bei den Galoppern am Sonntag in Meran mit Flach-und Hindernisrennen wagen. Rom soll am 26. Mai, Mailand am 27. Mai beginnen. Erstaunlicherweise soll die Dotierung des im Juni vorgesehenen Derby Italiano (Gr. II) am 21. Juni in Rom mit 704.000 Euro beibehalten werden. Damit wäre das Rennen höher dotiert als etwa das diesjährige Epsom Derby (Gr. I). Fünf Pferde aus deutschen Ställen wurden dafür genannt. Die Oaks d’Italia (Gr. II) am 28. Juni in Mailand sehen acht deutsche Stuten in der Nennungsliste, hier soll das Preisgeld 407.000 Euro betragen. Unverändert ist ebenfalls die Dotierung der beiden Guineas am 7. Juni, hier gibt es 154.000 Euro.

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