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Protectionist musste aufgegeben werden

Ein historischer Sieg: Protectionist gewinnt den Melbourne Cup. Foto: Getty Images - Robert Cianflone

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 795 vom Freitag, 24.11.2023

Im Alter von gerade einmal 13 Jahren musste der Melbourne Cup (Gr. I)-Sieger Protectionist (Monsun) in seiner neuen französischen Heimat im Haras de Toury nach einem Boxenunfall aufgegeben werden. Er war gerade erst dort eingetroffen, nachdem er seit 2017 sieben Jahre im Gestüt Röttgen gestanden hatte. 

Die reinen Zahlen von acht Siegen bei 22 Starts sagen nur wenig über die ungewöhnliche Karriere des von Dr. Christoph Berglar gezogenen Hengstes mit Höhen und Tiefen. Den größten Moment hatte er natürlich am 4. November 2014, als er als bisher einziges in Deutschland trainiertes Pferd in der Obhut von Andreas Wöhler mit Ryan Moore im Sattel den Melbourne Cup (Gr. I) in Flemington gewann.  

In der Zucht ist seine Bilanz trotz guter Unterstützung bislang etwas unter den Erwartungen geblieben. Er ist Vater der Gruppe-Siegern Amazing Grace und Lambo sowie der Listensieger Lotterbov und Powerful Aggie. Nachdem in diesem Jahr nur zehn Stuten gedeckt hatte, verkaufte ihn Australian Bloodstock an französische Interessen. 

In Ravensberg war Protectionist früh ein hoch eingeschätztes Pferd. Zwar zog er sich zweijährig bei seinem zweiten Platz im Ratibor-Rennen (Gr. III) einen Haarriss zu, doch konnte er im Frühjahr darauf auf Derby-Kurs gebracht werden. Er siegte im Derby-Trial (LR) in Bremen, doch wenige Tage vor Hamburg wurde er durch einen bizarren Trainingsunfall mit einem Griffelbeinbruch außer Gefecht gesetzt. Es folgte eine fast einjährige Pause, wonach er sich schnell in der Grand Prix-Klasse etablieren konnte, er gewann den Großen Hansa-Preis (Gr. II) und den Prix Kergorlay (Gr. II). Dann ging es nach Australien, wofür sich Berglar Australian Bloodstock als Partner mit ins Boot geholt hatte. Der Sieg in Melbourne war fraglos eine Sternstunde für Rennsport und Zucht in Deutschland. 

Vertragsgemäß blieb Protectionist in Australien, doch konnte er dort komplett in keinster Form an seine Leistungen in der Obhut von Andreas Wöhler anknüpfen. Er wurde wieder nach Ravensberg zurückgeholt, von wo aus er sechsjährig noch den Großen Preis von Berlin (Gr. I) und zum zweiten Mal den Großen Hansa-Preis (Gr. II) gewinnen konnte. Mit einer Gewinnsumme von rund 2,72 Milionen Euro gehört er zu den erfolgreichsten Pferden in der Geschichte der deutschen Vollblutzucht.   

 

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