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Post aus Prag - Vivienne Wells unglückliche Zweite in Bratislava

Autor: 

Martin Cáp

TurfTimes: 

Ausgabe 639 vom Freitag, 09.10.2020

Als Trainer eines Derbypferdes hat man nicht unbedingt alle Zeit der Welt. Alles muss auf den Punkt passen, von der Arbeit bis zu den wichtigen Vorbereitungsrennen, es gibt jedes Jahr viel Stress um die Handicapmarken und verschiedene kleine Kollisionen auf dem Weg zum Blauen Band. Man hört öfter Sätze wie „Wir würden noch ein paar Wochen Zeit brauchen“ und traurige Aussagen über Pferde, die angeblich so talentiert, aber eben spät sind. Das Slowakische Derby (2400 m, 20.000 Euro), das dieses Jahr aus bekannten Gründen erst am Samstag, 3. Oktober gelaufen wurde, war vom Termin her eigentlich ein Traum für alle Trainer von späten Pferden und wurde von einem Hengst gewonnen, für den die drei Monate Verspätung definitiv vom Vorteil waren.

Der vor der klassischen Saison aus dem Stall von Kevin Prendergast privat erworbene Troop Commander (War Command) wurde erst Ende Juni herausgebracht und steigerte sich von Rennen zu Rennen. In den Prager 2000 Guineas wurde er noch Sechster, im slowakischen Pendant bereits knapp Zweiter und im Tschechischen Derby belegte er Anfang September den dritten Platz. Nun sorgte er für den elften Derby-Sieg für Trainer Frantisek Holcák, der somit zusammen mit Jockey Zdenko Smida und dem Stall Meridian erfolgreich an den letztjährigen Erfolg von Arcturus in Bratislava anknüpfen konnte. Troop Commander gewann sicher um 3/4 Längen, obwohl Smida kurz vor der 200 Meter-Marke die Peitsche verloren hatte.

Die von Bohumil Nedorostek trainierte Vivienne Wells (Authorized) holte zum dritten Mal in Folge einen zweiten Platz in einem klassischen Rennen. Die Stute des Stalles UTRIN hatte diesmal einen unglücklichen Rennverlauf. Auf der spezifischen Bahn in Bratislava hatte es Alexander Pietsch nach dem Start nicht geschafft, rechtzeitig auf die Spitze zu gehen, musste sich mit einer Position in den Außenspur zufrieden geben und konnte in der kurzen Zielgerade nicht mehr die starken Seiten der Stute ausspielen. Dritter wurde als bestes slowakische Pferd der Ausgleich III-Sieger Apolon (The Bogberry). 

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Der Derbytag in Bratislava fand ohne Zuschauer und ohne Siegerzeremonien statt, zum ersten Mal  blieb auch die Nationalhymne für den Derbysieger aus. Im Rahmenprogramm wurden mehrere große Rennen der slowakischen Saison gelaufen. Der vierjährige Ryony (Zoffany) aus dem Stall von Jaroslav Línek gewann die Bratislava Meile (1600 m, 5.000 Euro), im Zlatý pohár (2400 m, 5.000 Euro) gab es mit Bolthorn (Mikhail Glinka) sogar einen in der Slowakei gezüchteten Sieger. Der vom Stall 5-Stars gezüchtete Royal Gino (It’s Gino) schaffte es nach einem ungünstigen Rennverlauf auf den dritten Rang. 

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Zur slowakischen Winterkönigin (1600 m, 5.000 Euro) avancierte die in zwei Starts ungeschlagene Devoir Rien (Olympic Glory) in den Farben von Jirí Charvát. Die Tochter der zweimaligen klassischen Siegerin Dumnonia schlug sicher um 1 1/2 Längen Thamna (Star Poker) und die Bulgarin Zeyno (Pride Of Dubai), die wegen einer Behinderung in der Zielgerade vom zweiten auf den dritten Platz abgestuft wurde. 

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Am Sonntag ist es soweit und die 130. Große Pardubitzer (6900 m, ca. 110.800 Euro) wird doch noch gelaufen. Wegen der immer ernsteren epidemiologischen Situation in Tschechien strikt ohne Zuschauer und nur mit Trainern und einer begrenzten Anzahl von Besitzern auf der Rennbahn. Das ursprünglich zweitägige Meeting ist auf einen Tag zusammengeschrumpft und im Rennen selbst kommen 17 einheimische und ein slowakisches Pferd auf den Ablauf.

Als Favorit tritt der letztjährige Sieger Theophilos (Elusive City) aus dem Josef Vána-Stall an. Der Ex-Schützling von Peter Schiergen wird allerdings nicht von seinem ständigen Reiter Josef Bartos geritten, der eine kuriose Knieverletzung auskurieren muss, die er sich beim Dettori-Jump nach dem Sieg im Gran Premio Merano zugezogen hatte. Der amtierende italienische Jockeychampion wird von Jan Odlozil ersetzt. Außer Theophilos sind auch drei weitere frühere Sieger des Rennens dabei und mit dem 8-jährigen Sottovento (Fastnet Rock) ist auch ein chancenreiches Pferd aus deutscher Zucht mit von der Partie. Der von der Stiftung Gestüt Fährhof gezogene Wallach gewann bereits das vierte Qualifikationsrennen und gilt als Herausforderer für die bewährten älteren Pferde.

Martin Cáp, Prag

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