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Post aus Prag - Vivienne Wells holt Prager St. Leger

Vivienne Wells cantert zum klassischen Sieg in Prag. www.galoppfoto.de - Petr Guth

Autor: 

Martin Cáp

TurfTimes: 

Ausgabe 646 vom Freitag, 27.11.2020

Die eigentliche Überraschung war, dass der letzte tschechische Renntag mit dem klassischen St. Leger (2800 m, ca. 7.600 Euro) am vergangenen Samstag überhaupt stattfinden konnte. Auf der Rennbahn selbst ging dann alles nach Papierform. Die von Bohumil Nedorostek auf der Neuen Bult trainierte Vivienne Wells (Authorized) war nach den Streichungen der Derbysieger Opasan (French Navy) und Troop Commander (War Command) haushohe Favoritin und ging unter Alexander Pietsch regelreicht spazieren. Nach einer langen und erfolgreichen Saison, in der sie zweite im Tschechischen und Slowakischen Derby, sowie im tschechischen Oaks war, gewann sie überlegen um 7 Längen vor Cote Jardin (Prince Gibraltar) und dem im Gestüt Napajedla geborenen Avignon (Pouvoir Absolu).

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Für Nedorostek war es der erste klassische Sieg in seiner kurzen, aber immer erfolgreicheren Trainerkarriere. Vivienne Wells, eine Halbschwester des in dieser Saison dreimal in Deutschland siegreichen Valentino Dancer (Planteur) gewann offiziell als deutsches Pferd, ihr eigentlicher Background ist aber tschechisch. Hinter dem Stall UTRIN verbirgt sich der lange Jahre aktive Owner-Breeder Daniel Tousek, dessen Familie seit den 30er Jahren in der Vollblutzucht aktiv ist. Die Mutter von Vivienne Wells Verdandi (Kahyasi) gewann zwei kleinere Hindernisrennen in Pardubitz und wurde Dritte im traditionellen Rudolf Popler-Memorial. In den letzten Jahren steht sie in Frankreich im Rahmen der kleinen Familienzucht.

Vivienne Wells wurde zweijährig von Daniel Tousek jr. zuhause in Radonice bei Prag trainiert und gab ihr Debüt Ende August in einem stark besetzten EBF-Rennen gegen Pferde wie Rubaiyat und Kellahen. In Winter ging sie dann nach Hanover zu Nedorostek, der mit der Besitzerfamilie befreundet ist. Nach zwei Starts in Sieglosenrennen und einem Versuch auf Listenebene in Hoppegarten wurde sie dann speziell für klassische Rennen in Tschechien und der Slowakei vorbereitet. Im Prager Derby musste sie sich nur gegen das Außnahmepferd der Region Opasan geschlagen geben, in Bratislava hatte sie viel Pech und einen sehr schlechten Rennverlauf. „Nächstes Jahr wollen wir wieder in Listenrennen angreifen, auch Frankreich ist durchaus eine Option,“ meinte Nedorostek, der mit der Stute persönlich nach Prag gefahren ist.

Mit dem letzten klassischen Rennen ist die tschechische Saison definitiv zu Ende. Die Zahl der Renntage ist wegen den Corona-Einschränkungen von 52 auf 36 Renntage gefallen, insgesamt wurden 293 Rennen mit 1003 Startern gelaufen. Die Summe der Rennpreise war 32,3 Millionen Kronen (ca. 1,23 Millionen Euro), um etwa 13 Millionen Kronen weniger als 2019. Champion der Jockeys in Flachrennen ist mit 18 Siegen zum erstenmal Jan Verner, der regelmäßig für Trainer Pavel Tuma und Besitzer Jirí Charvát reitet. Bei den Trainern holte ihren vierten Titel Helena Vocásková. Der Vorhang hinter der Hindernissaison fiel bereits vor einem Monat, hier waren Jan Faltejsek bei den Jockeys und Josef Vána im Trainermetier die Besten des Jahres 2020.

Die letzten zwei Renntage fanden am Wochenende auch in Warschau statt. Im traditionellen Abschlussrennen der polnischen Saison Nagroda Zamkniecia Sezonu (2000 m, ca. 4.100 Euro) gab es einen Überraschungssieger. Der vom einstige Münchener Champion Piotr Piatkowski trainierte dreijährige Wallach Smashing (October) mit Anton Turgaev setzte sich um 1 1/2 Längen vor Saiget (Ivawood) und Caresser (Planteur) durch.

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Zum polnischen Jockeychampion wurde einmal mehr Szczepan Mazur gekürt, in der Trainerstatistik behielt Adam Wyrzyk den ersten Platz vor Cornelia Fraisl und Krzystof Ziemianski.

Martin Cáp, Prag

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