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Post aus Prag - Präsident besucht Prager Rennbahn

Der stark verbesserte BBAG-Kauf Magic Merlin holt sich den Präsidenten-Preis. fotovolf.com/Vaclav Volf

Autor: 

Martin Cáp

TurfTimes: 

Ausgabe 791 vom Freitag, 27.10.2023

Es war ein Renntag mit Atmosphäre, welche man in Prag nur selten erlebt. Am vergangenen Sonntag gab es auf der Rennbahn Velká Chuchle einen Massenandrang, der sogar den Derby-Tag übertroffen hat. Der Grund war neben gutem Wetter der Besuch des Präsidenten Petr Pavel, der erst als drittes Staatsoberhaupt seit 1931 einem Prager Renntag beiwohnte. Der ehemalige professionelle Soldat betonte zwar, dass Pferde und Pferderennen für ihn ein völlig unbekanntes Gebiet sind und dass er privat eher das Motorrad vorzieht, von der Atmosphäre des traditionellen Präsidenten-Preises (3200 m, ca. 12.100 Euro), dessen Anfänge vor mehr als hundert Jahren mit dem Präsidenten Tomáš Garrigue Masaryk verbunden sind, schien er angetan zu sein. Das Rennen selbst verfolgte er aus dem Zuschauerraum zwischen den normalen Besuchern und fand dann vor Fernsehkameras lobende Worte für die Organisatoren.

Im Rennen selbst setzte sich erwartungsgemäß der Favorit Magic Merlin (Ulysses) in den Farben des Stalles Lokotrans durch. Der 36.000 Euro- BBAG-Kauf verbesserte sich in der zweiten Saisonhälfte vom Rennen zum Rennen. Nachdem er im Juli Vierter im Slowakischen Derby war, schaffte er im September und Oktober das Kunststück als erster Dreijährige in der Geschichte die drei großen Prager Steher-Rennen St. Leger, Großer Preis des tschechischen Turfs und Präsidenten-Preis zu gewinnen. Auch diesmal wartete mit ihm Martin Laube geduldig an letzter Position und kam dann in der Zielgerade mit großem Endspeed angeflogen. Das Rennen machten die Dreijährigen unter sich aus. Als einzige konnte mit dem Sieger Garmona (Egerton) mithalten, die um einen Hals Zweite wurde und locker das beste ältere Pferd im Rennen Dillon (Dariyan) schlug. Dahinter folgte die slowakische St. Leger-Siegerin Abella (Belardo) auf dem vierten Platz und die von vorne gehende Palmera (Jukebox Jury) aus der Zucht des Gestüts Küssaburg verteidigte das fünfte Platzgeld.

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In Polen waren diesmal Hindernisrennen im Focus, auf der Breslauer Rennbahn Partynice ging mit dem Crystal Cup (5500 m, ca. 38.000 Euro) das zweite große Highlight der Saison über die Bühne. Alle sieben Starter, unter denen nur ein einheimisches Pferd war, schafften es ins Ziel und im packenden Endkampf brillierte wieder einmal der 8-jährige Her Him (Kendargent), geritten von dem Schweden Niklas Lovén. Der im Training und Besitz von Ivana Porkátová, der Ehefrau des populären Trainers Grzegorz Wroblewski, laufende Wallach fing kurz vor dem Ziel um einen Kopf den vom Gestüt Auenquelle gezüchteten Molly Power (Soldier Hollow) aus dem Stall Francis Fuchs ab. Den knappen dritten Rang sicherte sich Gap Pierji (Kapgarde).

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Der Sieger war 2022 im Svenkst Grand National erfolgreich, in der aktuellen Saison versuchte er sich ohne größeren Erfolg in Pardubitz, bevor er wieder auf klassische Steeplechase umgestellt wurde. Anfang September gewann er die Wielka Wroclawska und vier Wochen später belegte der bei seinem Debüt in Meran einen achtbaren vierten Platz im Gran Premio. Wroblewski und Porkátová sind im Sommer mit ihren Pferden aus Nord-Böhmen ins schlesische Albertovec umgezogen. Einer der Gründe war, dass die legendäre Anlage, auf der in den 70er Jahren die Sieger der Großen Pardubitzer Mor und Limit trainiert wurde und wo man vor 1989 eine renommierte Halbblut- und Warmblutzucht betrieb, wesentlich näher zu Polen liegt.

In Warschau hat sich der 6-jährige Petit (Zanzibari) für den neunten Platz in der Wielka Warzsawska entschädigt und gewann unter Sergei Vasyutov das Nagroda Korabia (2200 m, ca. 9.800 Euro). Einen Kopf hinter dem Schützling von Maciej Jodlowski endete Proletarius (Planteur), dicht gefolgt von dem dreijährigen Senlis (Dariyan).

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Martin Cáp, Prag

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