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Post aus Prag - In Polen und Tschechien geht es los

Autor: 

Martin Cáp

TurfTimes: 

Ausgabe 618 vom Freitag, 15.05.2020

Pilecki, Domitz, One Way Ticket. Das sind drei von den zehn Namen, die auf der Starterliste des ersten diesjährigen Rennens im osteuropäischen Raum stehen. Es heißt Nagroda Dandolo – Handikap Otwarcia und wird am Samstag um 13 Uhr in Warschau gelaufen. Das zweitägige Meeting auf der Rennbahn Sluzewiec sorgt für den Auftakt in der Coronakrise. Zu den Highlights gehört das klassische Trial Nagroda Strzegomia (1600 m, ca. 8.800 Euro) am Sonntag mit den besten Zweijährigen der letzten Saison Night Tornado (Night Of Thunder), Gran Emperor (Holy Roman Emperor), Greek Getaway (Archipenko) und dem in Polen geborenen Don Zou (Zazou). Die Felder sind stattlich, in den meisten Rennen gibt es zweistellige Zahlen von Startern.

Einen Tag später, am Montag 18. Mai in Most, beginnt die Saison in Tschechien. In den acht Rennen kommen insgesamt 100 Pferde an den Start. Auch hier wird für einen Klassiker geprobt, das Rudolf Deyl-Memorial (1400 m, ca. 5.400 Euro) gilt als Vorbereitungsrennen für die 1000 Guineas, das auf der selben Rennbahn am 12. Juni gelaufen wird. Als Favoritin gilt die Seriensiegerin Barthesa (Alhebayeb) im Besitz des Fußball-Managers Josef Dufek. Den Ritt auf der von Helena Vocásková trainierten Stute übernimmt Tomás Lukásek. Mit der vom Gestüt Paschberg gezogenen Eternity (Power) gibt es auch eine chancenreiche Stute deutscher Zucht, die von Jirí Palík gesteuerte Achird (Archipenko) besitzt noch immer eine Nennung für die German 1000 Guineas. Im Rahmenprogramm von Most werden sich auch einige weitere Dreijährige mit klassischen Ambitionen zeigen. In einem 2200 Meter-Rennen gibt sein diesjähriges Debüt aus Wittekindshof stammende Sohn der Saldenschwinge Swinging Thomas (Dylan Thomas), dabei sind auch die im Gestüt Ammerland geborene Highbration (Excelebration) sowie Varimingo (Flamingo Fantasy).

Eine Woche nach den Tschechen sollte auch der erste Renntag in Budapest über die Bühne gehen. Unklar bleibt bisher die Situation in der Slowakei. Auch in Tschechien, wo die Rennen ohne Zuschauer vorläufig vom Jockey Club finanziert werden, gibt es aber einige Fragezeichen. Im Land, wo sich Hindernisrennen großer Popularität freuen, fiel besonders die Absenz von Pardubitz in der vorläufigen Terminliste auf. Von offizieller Seite hieß es, dass die größte Hindernisbahn der Region die nächste Phase abwarten will, in der mindestens teilweise Zuschauer auf den Tribünen sein können, und dass man mit ersten Renntagen im Laufe des Sommers rechnet. Dies stieß auch im Kontext der Einschränkungen in anderen Ländern auf Verwunderung. Einer der größten Rennstallbesitzer des Landes, Karel Jalový aus der Loko Trans-Gruppe, der bereits letztes Jahr Anteile an der Pardubitzer Rennbahn erwerben wollte, wandte sich an die Stadt Pardubitz und an den veranstaltenden Rennverein mit einem Brief, in dem er mehr Details über die Hindernissaison forderte und ein Angebot machte, dass er im Notfall in der Lage ist, die zehn Pardubitzer Renntage zu finanzieren. Zwei Tage später veröffentlichte die Rennbahn eine Pressenachricht, nach der man bemüht ist den ersten Pardubitzer Renntag bereits am 20. Juni auszuschreiben.

Das ist eine gute Nachricht für Hindernisställe, die zur Zeit fast keine nähere Perspektive haben. Viele Trainer warten deshalb auf Neuigkeiten aus Wroclaw und auf das grüne Licht aus Meran und Frankreich. Planungssicherheit gibt es aber jetzt so gut wie nirgendwo. Und so bleibt nur eines – positiv zu bleiben und das Beste aus den derzeitigen Möglichkeiten zu machen.

Martin Cáp, Prag

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