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Post aus Prag: Neuer Star in Polen, Schlenderhan gewinnt Steeplechase

Autor: 

Martin Cáp

TurfTimes: 

Ausgabe 475 vom Donnerstag, 06.07.2017

Zuhause in Prag hatte er im Blauen Band bisher nur wenig Glück, aber in Warschau gilt der tschechische Jockey Tomás Lukásek als der Derbyspezialist schlechthin. Am Sonntag holte er sich bereits den vierten Sieg im größten Rennen der polnischen Saison während der letzten sieben Jahre. Und der Erfolg mit Bush Brave (Bushranger) aus dem Stall Quest Point zählt bestimmt zu den meist gefeierten. Denn der Sieger der polnischen 2000 Guineas und Winterfavorit wurde vor dem Rennen nicht unbedingt als großer Steher gesehen, trotzdem siegte er hochüberlegen um 10 Längen vor Velnelis (Harbour Watch) und Kurier (Nowogródek).

Für den Erfolgstrainer Wojciech Olkowski war es nach einigen Enttäuschungen der erste Derbysieg in seiner Karriere. „Ich war mir schon der großen Klasse von Bush Brave bewusst, für mich ist es ein Pferd, das im Ausland auf Listenebene mitmischen kann. Aber mit so einem souveränen Sieg auf der Derbydistanz konnte man nicht rechnen,“ meinte Lukásek nach dem Rennen.

Für eine flotte Fahrt im Derby – Nagroda Rzeczypospolitej Polskiej (2400 m, ca. 41.000 Euro) - sorgte Trainer Adam Wyrzyk mit dem Tempomacher Largo Forte (Rip Van Winkle), der Stallfavorit Velnelis galoppierte unter Michal Abík gemütlich auf dem zweiten Platz. Das 17-köpfige Feld hatte sich bereits in der Hälfte des Rennens mächtig gestreckt, aber Lukásek wartete mit Bush Brave geduldig im Mittelfeld, teilweise 15 Längen hinter der Spitze. Im letzten Bogen war er Vierter und machte viel Boden gut. Als Velnelis 500 Meter vor dem Ziel in Führung ging, war Bush Brave zur Stelle und hatte lange vor dem Zielpfosten alles im Griff. Die Zeit des Siegers war 2:31,2.

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Der einstige 1.800 Euro-Kauf auf der Tattersalls Ireland September Yearlings Sale wird jetzt trotz gewissen Zweifeln an seinen Steherqualitäten wahrscheinlich versuchen die Triple Crown zu gewinnen. Das polnische St. Leger könnte aber für seinen Siegreiter ein gewisses Dilemma bedeuten. Es ist nämlich auch älteren Pferden offen und somit könnte es zu einem Zusammentreffen mit dem Kultpferd Caccini (American Post) kommen, das auch regelmäßig von Lukásek geritten wird. Am Derbytag zeigte sich der vierjährige Hengst im Rahmenprogramm und fast kam es zu einer Sensation auf seine Kosten. Im Nagroda Prezesa Totalizatora Sportowego (2600 m, ca. 2. 000 Euro) konnte er nämlich bis zum Ende nicht die verbissen kämpfende und um 2 Kilo weniger tragende Silvera (Sinndar) abschütteln. Schließlich rettete er sich nur um einen kurzen Kopf ins Ziel.

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Neben Hamburg und Warschau feierte am letzten Sonntag auch Budapest ihr Derby. Auf der Rennbahn Kincsem Park gab es sogar ein dreitägiges Derbyfestival mit einem Hundederby am Freitag und Traberderby am Samstag. In der Abwesenheit des Derby-Trial-Siegers Magnás wurde das 95. Magyar Derby (2400 m, ca. 45.300 Euro) von Eminens (Silver Frost) unter Zdenko Smida aus dem Stall 3+1 Kft gewonnen. Der von Chris Richner für 6.000 Euro in Deauville ersteigerte Hengst war lange im Feld versteckt und kam mit gutem Endspeed zu einem sicheren Sieg. Das unglücklichste Pferd des Rennens war die von Károly Korona selbst gezogene Stute Messerschmitt (Category Five), die unter der Amazone Csenge Suták von der letzten Position ging, in der Zielgerade aber lange keine Lücke finden konnte und sich nach einem späten Angriff nur mit dem zweiten Platz vor Mr Zuru (Famous Name) und dem lange führenden Humanic (Brahy) zufrieden geben musste.

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Nach dem Rennen gab es eine Schrecksekunde, als es kurz so aussah, dass der Sieger ein gesundheitliches Problem hat. Am Ende zeigte sich aber, dass es nur um ein gelöstes Hufeisen ging, das man schließlich im „winners enclosure“ abnahm. Eine große Erleichterung, denn im Rahmenprogramm kam es zu einer fatalen Verletzung des von Sigrun Menge gezogenen Spitzenhengstes Rhodesien Storm (Intendant). Im Nemzeti Fejleszési Miniszter Díja (2800 m, ca. 4.500 Euro) belegten die ersten zwei Plätze deutsch gezogene Pferde, als der im Gestüt Helenenhof geborene Laurentius (Distant Music) vor Eltham (It’s Gino) siegte.

Das Gestüt Schlenderhan stellte letzte Woche einen großen Hindernissieger in Tschechien. Der inzwischen 9-jährige Tahini (Medicean), Halbbruder der Gr. II-Siegerin Tusked Wings und einst zweimal auf Listenebene platziert, holte sich den Josef Vána-Pokal (4500 m, ca. 9.600 Euro) auf der Karlsbader Rennbahn. Unter Petr Tuma lieferte der für die Scuderia Tania laufende Wallach eine starke Vorstellung und schlug um 12 Längen Peintre Elusif (Elusive City) und Cáriray (Ray Of Light). Für Tahini war es bereits der sechste Hindernissieg bei 18 Starts, bereits letztes Jahr gewann er eine Listensteeplechase in Treviso und war Dritter auf Gr.3-Ebene in Pisa. Insgesamt hat er für seinen jetzigen Besitzer bisher etwa 54.000 Euro verdient.

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http://www.galopp-tv.cz/video/kv-02-07-2017-6)

 

Martin Cáp, Prag

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