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Post aus Prag: Erste Frau holt Jockey-Titel in Tschechien

Jirina Andresova. www.galopponline.de

Autor: 

Martin Cáp

TurfTimes: 

Ausgabe 744 vom Freitag, 11.11.2022

Am vergangenen Wochenende ging die tschechische Saison mit zwei Renntagen in Prag und Kolesa zu Ende, schon eine Woche früher war auch im slowakischen Bratislava Schluss. Das letzte bessere Flachrennen der Saison war der Prager Winterfavorit (1800 m, ca. 4.100 Euro), in dem einige interessante Pferde für die klassische Saison 2023 zu sehen waren. Zu einem sicheren Sieg kam die Stute Lowe Wole (Amaron) aus der eigenen Zucht des Stalles Tahlo Sefraný. Die Tochter der einstigen Winterkönigin Love Connection (Amico Fritz) setzte sich unter Martina Havelková um 1 1/2 Längen vor Charpentier (Cracksman) und dem debütierenden Tommy Lee Horn (Golden Horn) durch.

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In den letzten Wochen gab es nur noch wenige offene Fragen und eine von ihnen war, wer wird der tschechische Jockeychampion? Zum ersten mal in der mehr als hundertjährigen Geschichte der Championwertungen in Flachrennen hat den Titel eine Frau geholt. Die 40-jährige Jirina Andrésová, Leichtgewichtjockey und Ehefrau des früheren Flach- und Hindernischampions Dusan Andrés, feierte einen bemerkenswerten Erfolg, denn hinter ihr steht kein großer Stall und die meisten von ihren 28 Siegen holte sie in diversen Handicaps und Basis-Rennen auf Pferden von verschiedenen Trainern. Obwohl die Mutter von zwei Kindern schon seit Jahren zu den besten tschechischen Reiterinnen gehört, bekommt sie nur wenig Chancen in besseren Rennen und reitet dort meistens Außenseiter. Andrésová schaffte es dennoch, den einstigen Schweizer Champion Milan Zatloukal um fünf Punkte zu schlagen, Dritte wurde Vendula Korecková.

Der tschechische Trainerchampion heißt nach sieben Jahren wieder Allan Petrlík. Der einstige Top-Jockey und Sohn des legendären Trainers aus der tschechoslowakischen Ära Harry Petrlík hatte als Privattrainer eines der größten Rennställe im Lande, Rabbit Trhový Stepánov, ein gutes Jahr, bereitete mit Zamico (Amico Fritz) den Sieger der 2000 Guineas aus der eigenen Zucht des Besitzers vor und schaffte trotz personellen Turbulenzen das ganze Jahr Punkte auf sowohl großen als auch kleinen Bahnen zu sammeln. Im Gegensatz zu der Jockey-Wertung gab es in der Endphase keinen großen Kampf, denn die letztjährige Titelträgerin Helena Vocásková sattelte bereits am 22. Oktober ihren letzten Starter.

In Hindernisrennen feierte seinen ersten Jockey-Titel Jan Odlozil, der als einer der wenigen Top-Reitern gesund blieb. Jan Faltejsek musste sich bereits im September einer Operation unterziehen, Josef Bartos hatte gleich zwei längere Verletzungspausen. Somit war der Weg frei für Odlozil, der im Herbst die meisten Pferde des Trainers Pavel Tuma und Besitzers Jirí Charvát reiten konnte. Mit 14 Siegen ließ er Lukás Matuský und Marcel Novák hinter sich. Unter den Hindernistrainern war der im mährischen Dvorce stationierte Pavel Tuma eine Klasse für sich, holte in 34 Starts insgesamt 18 Siege, was eine sagenhafte Erfolgsquote von 52,9 Prozent bedeutet. Auf den weiteren Plätzen der Statistik folgen Stanislav Popelka und Radek Holcák, der langjährige Champion Josef Vána musste sich diesmal mit dem vierten Rang zufrieden geben.

Das letzte slowakische Meeting in Bratislava umfasste nur fünf Rennen. Wegen des Zustand des Geläufs, auf dem es zu mehreren Stürzen kam, entschied sich die Rennleitung für einen Abbruch des Renntages noch vor dem Hauptrennen. Die ganze slowakische Saison wurde vom Stall Lokotrans beherrscht und das wurde auch in den diesjährigen Ranglisten bemerkbar. Zu Champions wurden sowohl der Stalljockey Martin Laube, als auch der Trainer Lubos Urbánek gekürt und Lokotrans verteidigte mit großem Vorsprung seinen Titel des erfolgreichsten Besitzers. 63 190 Euro haben die Pferde in den Farben des Besitzers Karel Jalový verdient und drei von den fünf klassischen Rennen gewonnen. Im Hindernismetier waren auch hier Jan Odlozil und Pavel Tuma die Besten.

Martin Cáp, Prag

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