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Post aus Prag - Egerton-Tochter weiterhin erfolgreich, großer Tag in Bratislava

Wellunca gewinnt unter Petr Foret in Most. Foto: Bohumil Krizan / Jockey Club

Autor: 

Martin Cáp

TurfTimes: 

Ausgabe 721 vom Freitag, 03.06.2022

Die Redewendung „Erfolg der einheimischen Zucht“ wird der interessierte deutsche Leser in einem ganz anderen Kontext kennen, als sie im osteuropäischen Raum benutzt wird. Denn der deutsche Blickwinkel ist mit großen Gestüten und Pferden wie Torquator Tasso, Danedream, Monsun, Acatenango und vielen anderen grundsätzlich unterschiedlich. Im ehemaligen Ostblock, wo die Vollblutzucht vor 1989 auf großen staatlichen Gestüten gestützt war und nach der Privatisierung viele Ruckschläge hinnehmen musste, ist jedes bessere im Lande gezogene Pferd ein großes Ereignis. Eine auch nur teilweise Rentabilität der Zuchtbetriebe ist in der Ära von billigen Jährlingen aus Irland und anderen preiswerten Ausland-Importe unmöglich und die letzten verbleibenden Gestüte sind auf verschiedene Überlebensstrategien angewiesen.

In den letzten Jahren sind dennoch sowohl in Tschechien, als auch Ungarn und der Slowakei immer wieder auch einheimische Zuchtprodukte in den Top-Rennen erfolgreich. Im tschechischen Rennsport ist an diesem Trend neben diversen Owners-Breeders vor allem das Traditionsgestüt Napajedla, das zur Zeit vor allem mit den Nachkommen des inzwischen schon abgetretenen Egerton diverse Erfolge sammelt, beteiligt. Eines von seinen aktuellen Aushängeschildern ist die 5-jährige Wellunca (Egerton), die am letzten Samstag den Preis der ersten Dame (2200 m, ca. 6.000 Euro) in Most gewonnen hatte. Die von Hana Kabelková trainierte Stute war bereits bei den letzten zwei Jahrgängen des European Jockeys‘ Cups siegreich und holte sich somit das dritte Jahr in Folge ein Rennen auf der höchsten Leistungsebene. In Most hatte sie in dem als Ausgleich I ausgeschriebenen Rennen das höchste Gewicht von 60 kg zu tragen, trotzdem setzte sie sich unter Petr Foret um einen Hals vor dem stark anziehenden Cacophonous (Cacique) und Saul (Champs Elysees) durch.

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Auch im Hauptrennen der Budapester Karte siegte ein im Lande geborenes Pferd. Im Tour To Paris Díj (900 m, ca. 3.500 Euro) verlängerte der 5-jährige Marlon (Steady As A Rock) mit Rebeka Gönczi seine Siegesserie auf fünf Rennen und bleibt seit dem letzten Oktober ungeschlagen. Der Schützling von Trainer Ferenc Ecsedi, der in denselben Farben wie sein Vater Steady As A Rock läuft, dominierte Start-Ziel um 3/4 Längen. Zweite wurde Nebáncsvirág (Born To Sea), mit Oba Hara (Zebedee) landete auch auf dem dritten Platz eine Stute.

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Nach einigen ruhigeren Tagen gehrt die Saison am kommenden Wochenende wieder in die heiße Phase. Am Samstag wird in Prag mit dem Großen Juni-Preis das letzte bedeutende Derby-Trial gelaufen und als großer Favorit geht der im Gestüt Röttgen geborene Well Prepared (Protectionist) an den Start. Am Sonntag geht dann in Bratislava das größte slowakische Meeting Turf Gala über die Bühne. Im Großen Preis der Slowakei wird sich unter anderen der vom Gestüt Westerberg gezüchtete Brilliant Star (Sea The Stars) gegen den besten Steher der Region Opasan (French Navy) versuchen, in den weiteren internationalen Rennen treten zum Beispiel der in Deutschland gut bekannte Oldie Ideal Approach (Bushranger) und mehrere interessante Derbykandidaten an. Der Ex-Ebbesloher Apollon (Soldier Hollow) kommt im Derby-Trial Starohájské kritérium über 2000 Meter an den Start, die klassische Siegerin Shabana (Jukebox Jury) aus der Zucht des Gestüts Etzean erhält in einem 1800 Meter langen Stutenrennen ein letztes Vorbereitungsrennen vor dem Tschechischen Derby.

Martin Cáp, Prag

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