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Post aus Prag - Amico Fritz stellt klassischen Sieger in Tschechien

Zamico holt sich die 2000 Guineas in Prag. www.galoppfoto.de - Petr Guth

Autor: 

Martin Cáp

TurfTimes: 

Ausgabe 719 vom Freitag, 20.05.2022

Das Rennen hatte gerade einmal 55,63 Sekunden gedauert, aber es hat im ganzen tschechischen Rennsport eine richtige Euphorie ausgelöst. Der Sprinter-Champion Ponntos (Power) gewann in den Farben von Dr. Eva Nieslaniková als längster Außenseiter das Prix de Saint-Georges (Gr.3, 1000 m, 80 000 Euro) auf der geraden Bahn in Longchamp und fertigte die besten Flieger Frankreichs Start-Ziel mit einem Vorsprung von 2 1/2 Längen ab. Im Sattel des Schützlings von Miroslav Nieslanik saß kein Geringerer als Frankie Dettori, der nach dem Rennen die Pläne für einen Start in den King’s Stand Stakes beim Royal Ascot billigte. „Ich habe das Pferd geritten, weil es im Herbst mit dem sechsten Platz im Prix de l‘ Abbaye eine gute Leistung zeigte und rechnete mir eine Chance auf eine gute Platzierung aus. Eine solche Dominanz habe ich aber nicht erwartet. Ich habe die ganze Zeit gewartet, wann mich die Gegner passieren werden, aber es kam einfach niemand,“ staunte Dettori nach dem Rennen.

Der letzte Sonntag war ein magischer Tag für viele Fans des tschechischen Rennsports, denn 20 Minuten vor Ponntos hatte mit Zamico (Amico Fritz) ein Pferd aus einheimischer Zucht die Prager 2000 Guineas – Velká jarní cena (1600 m, ca. 24.300 Euro) gewonnen. Der vom Stall Rabbit Trhový Stepánov selbstgezogene Hengst war unter Milan Zatloukal das überlegene Pferd und schlug sicher um 4 Längen den Favoriten Westminster Night (Morandi) in der zweitschnellsten Zeit in der Geschichte des Rennens, 1:36,81. Dritter wurde der Sieger des klassischen Trials Arkhangelsk (Acclamation) vor Ashat (Shalaa), der am Donnerstag für das Tschechische Derby nachgenannt wurde. Pferde mit guten französischen Ratings wie Josephino (Pearl Secret) und Help (Dream Ahead) endeten im geschlagenen Feld.

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Zamico ist der bisher erfolgreichste Nachkomme von Amico Fritz (Fasliyev) aus der Zeit, als der Sieger der Goldenen Peitsche im Gestüt Napajedla deckte. Die Muter von Zamico Rabbit Zamindar (Zamindar) aus der Zucht von Juddmonte Farms gewann das tschechische Oaks. Sie gehörte zu den ersten Mutterstuten des Stalles Rabbit im Besitz des ehemaligen Chefs der tschechischen Agrarkammer Zdenek Jandejsek. Jandejsek betreibt in Picín bei Beneschau unweit von Prag eine Trainingszentrale, wo für ihn der viermalige Trainer-Champion und ehemaliger Top-Jockey Allan Petrlík tätig ist, und ein kleines Gestüt mit etwa neun Stuten. Als Deckhengst steht hier seit 2022 das Pferd des Jahres Nagano Gold (Sixties Icon). Zamico ist der erste klassische Sieger aus der eigenen Zucht, vor ihm hatte man zahlreiche Erfolge inklusive zwei Siege im Slowakischen Derby gefeiert. Die Hälfte des Stalles bilden die eigenen Zuchtprodukte, die restlichen Pferde werden als Absätzer auf Auktionen in Newmarket und Irland gekauft.

Im ersten größeren Derby-Trial, dem Dr. Otakar Frankenberger-Memorial (2200 m, ca. 6.000 Euro), begann der vom Gestüt Röttgen gezüchtete Well Prepared (Protectionist) aus dem Stall K-K Metal siegreich die klassische Saison. Der 32 000 Euro-BBAG-Kauf aus dem Training von Radek Holcák hielt ohne größere Probleme den für das Swiss Derby in Frage kommenden Hello Hola Hay (Zarak) und den stark verbesserten Gasparini (Eagle Top) in Schach. Der Favorit Frehel (Maxios) enttäuschte mit dem zehnten Platz und wurde aus dem Derby gestrichen.

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Der Stall Westminster Race Horses und sein Besitzer Marian Ziburske hatte ein kurioses Wochenende. Zwischen Prag und Warschau stellte er in drei verschiedenen klassischen Rennen den Favoriten und musste sich dreimal mit dem zweiten Platz zufrieden geben. In Prag war es für ihn ein bittersüßes Resultat – nach der Niederlage von Westminster Night musste zwar der geplante Start im Mehl-Mülhens Rennen storniert werden, aber im Besitz von Westminster Race Horses befindet sich auch der Vater des Siegers Amico Fritz. In Warschau sponserte das Unternehmen die beiden Frühjahrsklassiker und gratulierte somit den Siegern, die seinen Pferden knappe Niederlagen bescherten. Im 1000 Guineas - Nagroda Westminster Wiosenna (1600 m, ca. 17.000 Euro) fehlte der Favoritin Moonu (Sea The Moon) eine halbe Länge auf die siegreiche Jenny Of Success (Rio de La Plata) unter Wiaczeslaw Szymczuk. Die dritte Iva Grey (The Grey Gatsby) folgte mit 4 Längen Abstand. 

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Und noch knapper kam es in den 2000 Guineas - Nagroda Westminster Rulera (1600 m, ca. 17.000 Euro). Kurz vor dem Ziel sah Matt Machine (Outstrip) bereits wie der Sieger aus, aber in den letzten Metern wurde er noch von Jolly Jumper (Free Eagle) mit Kamil Grzybowski um einen Kopf abgefangen. Dritter wurde El Corazone (Dandy Man).

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Martin Cáp, Prag

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