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Pferderennen werden zur Rarität

Romme in Schweden - dort gibt es noch Pferderennen. Die Zuschauer muss man sich aber wegdenken. Foto: offiziell

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 611 vom Freitag, 27.03.2020

Weltweit gibt es nur noch wenige Länder, in denen Rennsport möglich ist. Seit Dienstag hat auch Irland die Tore der Rennbahnen geschlossen, vorerst bis zum 19. April. Das einzige europäische Land, in dem noch getrabt wird, ist Schweden mit einem durchaus umfangreichen Programm. So wurden etwa am Mittwoch in Aby, Romme und Solvalla Trabrenn-Veranstaltungen mit bis zu neun Rennen durchgeführt. Ob Anfang April die Galopprennsaison in Jägersro beginnt, ist noch unklar.

Eine Konsequenz der Krise: An diesem Donnerstag ist die „Racing Post“, die britisch-irische Rennsportzeitung, zum vorerst letzten Mal erschienen. Der Grund ist ziemlich einfach: Es gibt nichts mehr zu berichten, denn selbst Hunderennen wurden eingestellt. Das Fachblatt soll erst dann wieder publiziert werden, wenn wieder Galopprennen auf dem Programm stehen. News gibt es inzwischen nur noch online.

Frankreich

France Galop löst einen mit 540.000 Euro gefüllten Fonds auf, der aus vom Verband verhängten Strafen gespeist wurde  und für Notfälle angelegt wurde. Das Geld soll an die durch die Rennpause betroffenen Trainer verteilt werden, 381 Publictrainer sind aktuell im Land lizensiert, jeder soll die gleiche Summe bekommen, exakt 1.417 Euro. Sollten allerdings Trainer auf diesen Zuschuss verzichten, bleibt das Geld im Topf, die einzelnen Schecks werden somit höher. Die Trainer werden diesbezüglich einzeln abgefragt.

Das Haras de Bouquetot hat seit Montag den Deckbetrieb für vorerst zwei Wochen eingestellt. Dort stehen immerhin acht Hengste, darunter Shalaa (Invincible Spirit), dessen erster Jahrgang dieses Jahr auf die Bahn kommen soll, dazu Olympic Glory (Choisir) und Toronado (High Chaparral). In den meisten anderen Gestüten geht das Geschäft wie bisher weiter und zu manchem Hengst werden auch Konzessionen gemacht. So wurde etwa die Decktaxe für den im Haras d’Annebault stehenden Reliable Man (Dalakhani) von 7.000 auf 5.000 Euro gesenkt.     

USA

Die New York Racing Association hat mit sofortiger Wirkung die Bahn in Aqueduct geschlossen, vorerst bis zum 5. April. In Belmont Park wurde sogar das Training ausgesetzt, nachdem ein Bahnarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Auch in Louisiana wurden die Tore in Fair Grounds in New Orleans nach dem Renntag am vergangenen Samstag abgeschlossen.

Gulfstream Park hat die Rennpreise für seine Veranstaltung an diesem Samstag zurückgefahren, da das Casino auf der Rennbahn geschlossen ist und es zudem keine Einnahmen von Bahnwetten gibt. Das Florida Derby (Gr. I) ist jetzt mit allerdings immer noch ordentlichen 750.000 Dollar statt bisher einer Million Dollar dotiert, maßvoll gestutzt wurden zudem die sechs anderen für diesen Tag vorgesehenen Black Type-Rennen.

Sam Houston Park, eine Bahn in Texas, musste wegen eines durchgebrannten Transformators seinen Renntag vergangen Samstag nach dem zweiten Rennen abbrechen und strich dann wegen des Virus die noch vorgesehenen vier Veranstaltungen des Meetings.

Fonner Park, eine kleine Bahn in Nebraska, wollte sein Frühjahrsmeeting bereits absagen, doch hätte das zu erheblichen finanziellen Einbußen lokaler Besitzer und Trainer geführt. So ging man von den vorgesehenen Wochenendterminen ab, veranstaltet jetzt von Montag bis Mittwoch ohne Zuschauer und hat damit für Wetten von außen eine größere Aufmerksamkeit. Am Montag wurden in den neun Rennen 1.340.067 Dollar gewettet, Bahnrekord, weil man zeitweise der einzige Veranstalter in Nordamerika war. An Rennpreisen wurden knapp 50.000 Dollar ausgeschüttet. Da die Rendite aus der Vorwette gering ist, gab es noch eine Unterdeckung, die allerdings vom Verband getragen wurde.

Die für den 3. April in Lone Star Park vorgesehene Texas Two-Year-Olds in Training Sale, bei der im vergangenen Jahr ein Höchstpreis von 150.000 Dollar erzielt wurde, findet nicht statt. Ocala hat seine für April vorgesehene Spring Sale auf Juni verschoben, die June Sale wird folgerichtig erst im Juli stattfinden.

Irad Ortiz jr., einer der derzeit erfolgreichsten Jockeys in den USA, hat vorerst seine Aktivitäten eingestellt und wird „aus Sorge um seine Familie“ bis zum Ende der Restriktionen pausieren. Seine letzten öffentlichen Ritte hatte er vor einer Woche in Gulfstream Park absolviert. Es ist nach Rajiv Maragh der zweite nordamerikanische Reiter, der in selbstverordnete Quarantäne geht.

Südafrika

Ab diesem Freitag gibt es bis frühestens zum 17. April keine Rennen mehr.

Neuseeland

Alle Galopp-, Trab- und Hunderennen wurden ab dem vergangenen Dienstag für vorerst 14 Tage ausgesetzt. Die für Starts in Australien vorgesehenen Pferde müssen vorerst im Land bleiben, da die Flüge dorthin gestrichen wurden. Das gilt etwa für den Ex-Ittlinger Sound (Lando), gerade Zweiter im Auckland Cup (Gr. I) in Ellerslie. Der Siebenjährige sollte an diesem Samstag in den Tancred Stakes (Gr. I) in Rosehill laufen, doch kann er von Neuseeland nicht dorthin gebracht werden. Abgesagt wurde die Karaka May Sale am 15. Mai.

Australien

Die Rennen finden weiterhin in den meisten Bundesstaaten unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen hinter geschlossenen Türen statt, doch könnte sich das jeden Tag ändern. Nach einem positiven Corona-Fall in der Trabrennszene im Staat New South Wales wurden die Rennbahnen dort geschlossen.

In Sandown wurde der Renntag am Mittwoch nach dem zweiten Rennen abgebrochen, da der Rennleitung bekannt wurde, dass der an diesem Tag aktive Jockey Mark Zahra am 12. März in einem Flugzeug Kontakt mit einem später positiv auf Corona getesteten anderen Passagier hatte. Zahra, der keinerlei Symptome zeigte, auch am Golden Slipper-Tag in den Sattel gestiegen war, wurde getestet, am Donnerstag gab es aber Entwarnung, kein Befund. Die Renntage an diesem Donnerstag in Hawkesbury und auf zwei anderen Bahnen waren vorsichtshalber abgesagt worden, ab Freitag geht es im Bundesstaat Victoria wieder weiter. 

Vereinigte Arabische Emirate

Am vergangenen Sonntag wurde der Dubai World Cup Day für 2020 ersatzlos gestrichen, die komplette Saison, in der auch noch Rennen u.a. in Al Ain und Jebel Ali vorgesehen waren, ist abgesagt worden. Die dort tätig gewesenen europäischen Jockeys sind, inklusive Adrie de Vries, wieder in ihre Heimatländer zurückgekehrt.

Kritik gab es von einigen Trainern an der relativ späten Absage, denn noch zwei Tage davor war eine Reihe von europäischen Pferden dort eingetroffen. Doch gab es wohl auch wirtschaftliche Gründe und Probleme mit der Infrastruktur. Seit Mittwoch hat die Fluglinie Emirates den Betrieb vorerst eingestellt. 

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