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NH round up: Frodon, Frost und The New One

Frodon holt sich unter Bryony Frost zum zweiten Mal den December Gold Cup. Foto: Cheltenham

Autor: 

Catrin Nack

TurfTimes: 

Ausgabe 549 vom Freitag, 21.12.2018

Cheltenhams International Meeting um das gleichnamige Hürdenrennen und den December Gold Cup stand im Mittelpunkt der vergangenen Wochenendes. Es wurden zwar keine Feuerwerke am Fließband geboten, doch zwei Pferde  – und eine Reiterin – drückten dem Wochenende ihren Stempel auf, im Sieg und in der Niederlage.

Der bemerkenswerte Frodon - kaum zu glauben, dass er erst sechs Jahre alt ist - avancierte zum erst zweiten Doppel-Sieger des December Gold Cup  (momentan unter dem Patronat von Caspian Caviar), nach Poquelin, ebenfalls von  Paul Nicholls trainiert. Bereits vor zwei Jahren hatte er dieses Rennen als Vier(!)jähriger gewonnen; damals wie diesmal schlug er ein Pferd von Trainierin Venetia Williams (Aso / Cepage).  Da das Rennen als Gr.3 Handicap gelaufen wurde, musste Frodon, klein an Statur aber mit großem Herzen ausgestattet, 11s-12 (rund 75.4 kg) schultern. Doch sobald ein Teil des Gewichts aus der ebenso bemerkenswerten Bryony Frost besteht, scheinen dem dunkelbraunen Nickname-Sohn Flügel zu wachsen:  drei Siege, zwei zweite und ein dritter Platz sind das Resultat der sieben Ritte, die Frost bisher auf Frodon absolviert, darunter ein Sieg auf Gruppe2 Ebene und eine Gruppe1-Platzierung.

Die jüngste Leistung hat erneut einen hohen Stellenwert – seit den 90iger Jahren vermochte kein Pferd ein Höchstgewicht zum Sieg zu tragen. Und es ist nicht nur ihr energische und äußerst gefällige Reitstil, mit dem Frost die gesamte Rennsport-Welt (Profis wie Fans) begeistert, es ist ihr überquellendes, offenes Naturell und ihre bei aller Professionalität tiefe Zuneigung zu ihren Schützlingen, die Woche für Woche nach einem großen Sieg begeistern. Frost scheint in den Kopf der Pferde zu klettern und findet nach den Rennen – immer atemlos und mit einem großen Lachen erzählt – einfache und doch prägnante Worte, die auch absoluten Laien den Sport und das Wesen der Pferde näher bringen.  Frodon und natürlich auch Frost sollen nun beim Cheltenham Festival mit der Ryanair Chase eines der Top-Rennen des Meetings in Angriff nehmen, „ich habe dies sehr genossen“ bekannte Trainer Nicholls mit breitem Grinsen, „wir werden nun versuchen, die Ryanair [Chase] zu gewinnen, und von dem Termin an rückwärts rechnen.“

Nicholls, der in den vergangen Jahren durch eine Art Formtief ging, ist nun wieder klar auf dem Weg nach oben. Es war auch weniger ein „Tief“ als dass die großen Namen fehlten, vierbeinig und auch Zweibeiner hinter den Kulissen; es war nach dem Weggang hochkarätiger Assistenten,  Ruby Walsh als Stalljockey und dem altersbedingten Ausscheiden seiner vierbeinigen Superstars eine ausgedehnte Übergangszeit. Mit dem jungen Harry Derham, seinem Neffen, steht ihm nun erneut ein loyaler Arbeiter zur Seite, mit Harry Cobden und Bryony Frost ist auch die Jockey-Seite stark verjüngt, und talentiert wie lange  nicht mehr. Sam Twiston-Davies steht nach wie vor als Freelancer zur Verfügung,  dem Vernehmen nach bleibt er Stamm- Jockey von Politologue; ein stimmiges Team. Ungemach droht von irischer Seite: Willie Mullins´ Sohn Patrick bekannte (natürlich mit „Augenzwinkern“)  in einer Umfrage der Racing Post, das er Bryony Frost gerne unter dem Mistelzweig treffen würde;  nicht auszudenken, wenn Nicholls noch einen Jockey Richtung Closutton verlieren würde.

Die 2018 International Hurdle (Gr.2, 2m1f) wird weniger wegen des Siegers Brain Power als vielmehr wegen eines Pferdes, welches das Rennen nicht einmal beendete, in Erinnerung bleiben. Dabei ist Nicky Hendersons Schützling, der auf Betreiben von Besitzer Michael Buckley nach sehr gemischten Ergebnissen auf der Jagdbahn wieder auf die Hürdenbahn zurück kehrte, ein ungemein talentiertes Pferd:  Achtjährig und mit 18 Lebensstarts wenig geprüft, sollte der Kalanisi-Sohn nun wieder und weiterhin positiv von sich reden machen. Doch „überschattet“ wurde all dies vom Auftritt eines gewissen The New One, Stallname „Kenny“, der – wir wissen es nun – hier das letzte Rennen seiner wundervollen Karriere lief.  Schon im Vorfeld hatte Trainer Nigel Twiston-Davies angekündigt, dass dies das „make it or break it“- Rennen für den mittlerweile zehnjährigen Stall-Star werden würde. Nichts war seit einem hartumkämpften Sieg gegen einen eher mittelklassigen Gegner im Januar dieses Jahres nach Plan gelaufen, auch plagen den King´s Theatre Sohn seit Langem verschobene Wirbel.

Und es wurde leider kein „last Hurrah“, auch wenn der braune Wallach lange voller Enthusiasmus an der Spitze lief;  als es hart auf hart kam, verlor er sofort seine Position und wurde schließlich gar angehalten. Trotz wahrhaft grausigem Wetter versammelten sich aber hunderte seiner treusten Fans, um The New One, einer festen Größe des Sports seit so vielen Jahren, einen standesgemäßen Abschied zu bescheren, Jockey Sam Twiston-Davies schämte sich seiner Tränen nicht. Bei 20 Siegen (darunter dreimal die International Hurdle und die Neptune Investment Novices´Hurdle (Gr.1) beim Festival) aus 40 Rennen galoppierte der Wallach über 1 Million Pfund an Preisgeld ein; erstaunlich, dass der Braune trotz allem immer Zweifler hatte. „Es ist ein sehr trauriger Tag, wenn es ernst wird, möchte er sich nicht mehr anstrengen. Aber er war ein wundervolles Pferd für uns, und hat Sam auf die Beine als Jockey gelaufen. Er ist Teil der Familie. Er geht nirgendwo hin, wir werden uns um ihn kümmern“, stellte Trainer Twiston-Davies nachdrücklich klar. 

Bei so vielen Emotionen geriet die Leistung von Rockpoint (Trainer Colin Tizzard Jockey Tom Scudamore) im weiteren Gruppe-Rennen, der Albert Bartlett Novices´Hurdle (Gr.2)  des Tages ein wenig in den Hintergrund. Der Wallach, in den orangen „Thistlecrack“ Farben von John und Heather Snook unterwegs, war mit gemischten Formen an den Start gekommen, nun aber erst zum zweiten  Mal auf weiten Wegen unterwegs. Zusammen mit dem immer weicher werdenden Boden schien dies das Erfolgsrezept, mit zunehmender Distanz wurde der erst fünfjährigen Wallach deutlich überlegen und galoppierte mit gespitzten Ohren nach Hause. Er steht nun rund 33-1 für das beinahe gleichnamige Rennen beim Festival; man hat schon seltsamere Dinge gesehen.

Zwei Gruppe-Rennen in Doncaster litten unter sehr schmaler Besetzung, es traten nur vier bzw. fünf Starter an. Doch sowohl Rocky´s Treasure (Kim Bailey/David Bass), der den 3-Meiler zu einer Demonstration gestaltete und in dem sein Team durchaus ein RSA-Pferd sieht, als auch Paul Nicholls´ Quel Destin, der nun die Triumph Hurdle im Visier hat, sind Namen, die man sich merken sollte.

Im irischen Navan gewann am Sonntag Envoi Allen den abschließenden Bumper des Tages, ein Listenrennen; es war der zweite Sieg beim zweiten Start. Bemerkenswert nicht nur die Manier, sondern vor allem, dass der Muhtathir-Sohn in den rot-weiß-blauen Farben des Cheveley Park Stud unterwegs ist.  Und diesem im Feb. 18 schlappe 400.000 Pfund wert war, als der Wallach über Agenten Tom Malone, der u.a. auch den Kaufvertrag für Lalor unterschrieb, in ihren Besitz wechselte. Envoi Allen ist Teil eines im Moment stark anwachsenden Teams des Gestüts im Hindernis-Metier, nachdem man die Farben sonst eher mit hochklassigen Prüfungen auf der Flachen in Verbindung bringt. 

Ganz überraschend ist das alles nicht, seit dem Sieg von Party Politics im Grand National von 1992 (in den Farben von Patricia und David Thompson, den Besitzers des Gestüts) hat Mrs. Thompson immer wieder potentielle Starter kurz vor dem Grand National selber gekauft; der Ansatz mit jüngeren Pferden zu Beginn ihrer Karriere, und diverse davon bei verschiedenen Trainern in Irland betreut, ist allerdings eher ungewöhnlich. Western Honor  (Trainer Gordon Elliot) und A Plus Tard (Henry de Bromhead) sind weitere aktuelle Sieger in diesen Farben, auch David Pipe trainiert mit Ekayburg einen Starter der zumeist in Frankreich erworbenen Pferde.

Catrin Nack

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