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Neues von Phoenix Thoroughbreds

Amer Abdulaziz Salman. Foto: Tattersalls

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 631 vom Freitag, 14.08.2020

Phoenix Thoroughbreds, in den vergangenen Jahren ein großer Investor auf den internationalen Auktionen, hat erklärt, sich vom britischen Markt zurückzuziehen. Das Unternehmen war Ende letzten Jahres ins Gerede gekommen, da es laut englischen Medienberichten Ungereimtheiten über die Herkunft des investierten Geldes gegeben hat. Insbesondere die „Racing Post“ hatte sich in den letzten Tagen noch einmal intensiv mit dem Thema beschäftigt. Phoenix‘ CEO Amer Abdulaziz Salman erklärte am Dienstag, dass man sich die Entscheidung, Großbritannien den Rücken zu kehren, nicht leicht gemacht habe. Man habe es getan, um „das Wachstum und Wohlbefinden des Geschäftes und der internationalen Partner nicht zu gefährden.“ Wenige Tage zuvor hatte sich der in der Branche angesehene Tom Ludt, Vizepräsident von Phoenix, von seiner Position zurückgezogen. Schon zuvor hatten Phoenix-Trainer wie Martyn Meade, der den Gruppe I-Sieger Advertise betreute, und Bob Baffert ihre Geschäftsbeziehungen mit dem Unternehmen beendet.

2017 war Amer Abdulaziz Salman mit Phoenix Thoroughbreds mit großen Aktivitäten auf den Auktionen eingestiegen. Phoenix, so seine Aussage, sei weltweit der erste regulierte Fonds im Bereich von Rennsport und Vollblutzucht. Über seine finanziellen Hintermänner hatte er sich der in Bahrain geborene, in Dubai lebende Geschäftsmann jedoch nie ausgelassen. Sein in Luxemburg angesiedelter Fonds soll laut Recherchen der „Racing Post“ und anderer Medien, die den Fall ans Tageslicht gebracht haben, inzwischen liquidiert worden sein und ohnehin nie Aktivitäten entwickelt haben.

Bei einem Prozess in den USA, bei dem es um die betrügerische Aktivitäten der Kryptowährung One Coin ging, war von inzwischen zu langen Haftstrafen verurteilten Angeklagten behauptet worden, dass Abdulaziz rund 190 Millionen Dollar aus den One Coin-Beständen entnommen habe. Phoenix Thoroughbreds soll in den vergangenen Jahren einen Großteil dieses Betrages auf Auktionen und bei privaten Deals ausgegeben haben. So wurden allein bei der Keeneland September Yearling 2018 21 Lots für 8,79 Millionen Dollar gekauft. Bei Goffs erwarb Phoenix 2018 Do You Love Me (Galileo), die teuerste Jährlingsstute, die je in Irland verkauft wurde. Sie kostete 3,2 Millionen Euro, war bislang bei Karl Burke im Training, bei drei Starts war sie zweimal Dritte, zuletzt hatte sie am 3. August einen vierten Platz in einem Fünferfeld in Haydock belegt. Noch im Oktober 2019 wurden von Phoenix in „Book 1“ von Tattersalls vier Jährlinge für 1.115.000gns. gekauft.  

Aktuell sind geschätzt dreihundert Pferde im Besitz, mindestens 27 Trainer in Großbritannien, Irland, Frankreich, den USA, Australien, Dubai und Argentinien stehen auf der Lohnliste. Wohin die in Großbritannien trainierten Pferde, die bei elf Trainern stehen sollen, gehen werden, ist unklar. Derweil hat das Unternehmen erklärt, zumindest in Australien weiter aktiv zu bleiben. Dort wurden auf den Auktionen in den letzten drei Jahre rund zwanzig Millionen A-Dollar (ca. €12,1 Mio.) investiert, unlängst noch bei der Magic Millions National Broodmare Sale. Rund dreissig im Phoenix-Besitz befindliche Mutterstuten stehen in Australien. In einem Statement bedankte sich Amer Adulaziz Salman ausdrücklich auch bei den dortigen Rennsportbehörden für die Zusammenarbeit. 

Schon vor einigen Jahren war Amer Abdulaziz Salman aufgefallen, da eine Reihe in seinem Auftrag in den USA gekaufte Pferde nicht bezahlt wurden. Der Agent Ajay Anne hatte, seinen Angaben zufolge für ein von Abdulaziz geführtes Konsortium aus Dubai, 2010 bei Fasig-Tipton und in Keeneland Pferde für rund 2,2 Millionen Dollar gekauft. Geld floss jedoch nie, auch wenn Abdulaziz noch im März 2011 beteuerte, Schwierigkeiten bei der Bildung des Konsortiums seien jetzt ausgeräumt und die Zahlung würde unmittelbar erfolgen – was jedoch nie passierte. Im Herbst 2011 kamen die Pferde dann wieder zur Auktion, um zumindest einen Teil der angelaufenen Schulden zu decken.  

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