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Neue Rekorde bei Arqana in Deauville

Die Dutch Art-Stute aus der "Nizza"-Familie. Foto: Arqana

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 381 vom Donnerstag, 20.08.2015

Mit einem neuen Rekordergebnis endete am Montag Frankreichs wichtigste Jährlingsauktion, die Vente de Yearlings von Arqana in Deauville. Nach einem etwas enttäuschenden Auftakt am vergangenen Samstag war es der Sonntag, der bei Europas erstem Markt-Test den Durchbruch brachte. Mit einem Zuschlag von 2,6 Millionen Euro wurde an diesem Tag ein Sohn von Dubawi zum teuersten jemals in Frankreich öffentlich verkauften Jährling. Es war John Ferguson, der züchterische Berater von Scheich Mohammed, der den Kaufzettel unterzeichnete, er war letztlich der entscheidende Mann auf dieser Auktion.

Nachgelagert war am Dienstag die in dieser Form zum dritten Mal durchgeführte v.2-Auktion, bei der ausschließlich in Frankreich prämienberechtigte Jährlinge in den Ring kamen. Hier wurde natürlich gezielt die heimische Kundschaft angesprochen und es zeigte sich, dass dieser Markt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht einfach ist. Von den 120 dort präsentierten Jährlingen wurden 90 verkauft, der Schnitt pro Zuschlag ging gegenüber dem Vorjahr um rund zehn Prozent auf 33.922 Euro zurück.   

Darley zeigte in den Tagen von Deauville enorme Präsenz, was in der Vergangenheit nicht immer der Fall gewesen war. Ferguson ersteigerte elf Jährlinge für knapp sieben Millionen Euro, er war fast ausschließlich im hochpreisigen Segment unterwegs, somit natürlich auch mit Abstand der Käufer mit dem höchsten Umsatz. Bertrand Le Metayer erwarb immerhin fünf Jährlinge für 2,35 Millionen Euro, er ist in der Regel für Al Shahania tätig, ein Unternehmen im Besitz von Scheich Mohammed bin Khalifa Al Thani. Markus Jooste, dessen rennsportliches Engagement in Deutschland wohl nur kurzfristiger Natur war und ist, zeichnete für fünf Käufe für insgesamt knapp zwei Millionen Euro verantwortlich. Auffallend zurückhaltend agierte im höheren Preisbereich die jüngere Al Thani-Generation. Al Shaqab Racing erwarb direkt fünf Jährlinge für 1,26 Millionen Euro, hielt sich an den ersten Tagen aber zurück und griff erst am eigentlich unspektakulären Montag stärker in das Geschehen ein. Über diverse Agenten gab es aber den einen oder anderen weiteren Zuschlag. David Redvers, der für Qatar Racing tätig ist, ersteigerte fünf Jährlinge für 650.000 Euro.

„Die Qualität des Marktes hat uns veranlasst, in Deauville stark zu investieren“, erklärte John Ferguson nach seinen zahlreichen Akquisitionen. Natürlich standen die eigenen Hengste im Blickpunkt, aber auch Nachkommen von Kitten’s Joy und Redoute’s Choice fanden sich auf der Liste von Darley. Den Vogel schoss aber ein Sohn von Dubawi aus der Prix de Lutece (Gr. III)-Siegerin Pacifique (Montjeu) ab, eine Schwester der Mutter von Chicquita (Montjeu), Siegerin in den Irish Oaks (Gr. I). Alle „big player“ der Branche waren in das Bieteverfahren involviert, am Ende bekam John Ferguson für 2,6 Millionen Euro den Zuschlag. „Ich hatte den Hengst schon vor zwei Monaten im Gestüt gesehen“, erklärte Ferguson, „er ist ein athletischer Typ mit einem tollen Pedigree. Letztlich war es aber die Entscheidung von Scheich Mohammed, ihn zu kaufen. Es ist schon eine Weile her, dass wir uns in Deauville in diesem Stil engagiert haben. Es ist sicher kein Wandel in unserer Politik, wir kaufen halt da, wo das Angebot gut ist. Hier und auch auf anderen Auktionen.“

Bertrand le Metayer war es vorbehalten, das zweitteuerste Pferd des Sonntags zu kaufen. Es war ein Invincible Spirit-Sohn aus der Vedela (Selkirk), er repräsentiert eine starke Aga Khan-Familie, kostete immerhin 1,4 Millionen Euro. Seinen Klienten wollte er nicht nennen, es wird vermutlich Al Shahania sein, das Pferd bleibt in Frankeich im Training.

Eine gewisse Zurückhaltung hatte es im vergangenen Jahr schon gegeben, als Fohlen von Frankel bei den einschlägigen Auktionen auftauchten. In Deauville waren jetzt in Europa erstmals Jährlinge von ihm im Ring, das wird in den kommenden Wochen zur Gewohnheit werden, der Markt nahm sie gut an. 1,15 Millionen Euro kostete eine vom Ecurie des Monceaux angebotene Stute, eine Schwester zu Pacifique (Montjeu), somit eine nahe Verwandte des Salestoppers. Käufer war der Agent Charlie Gordon-Watson, der für einen neuen Kunden tätig war. Ed Dunlop wird die Stute in Newmarket trainieren. Aus der Familie des 1,4 Millionen-Jährlings von Invincible Spirit wiederum stammt ein Redoute's Choice-Sohn, den John Ferguson für Darley an sich brachte. Der vom Haras d'Etreham angebotene Hengst aus der Prix de Diane (Gr. I)-Siegerin Vadawina (Unfuwain), Mutter schon von zwei Black Type-Siegern, kostete 950.000 Euro.

Der teuerste Frankel-Hengst war ein Sohn der Montjeu-Tochter Piping, eine Schwester u.a. der Gr. I-Sieger Sagamix (Linamix) und Sagacity (Highest Honor). Tony Nerses, für seine Kunden Saleh Al Homaizi und Imad Al Sagar oft in höheren Regionen unterwegs, bekam für 750.000 Euro den Zuschlag.

Zu erwähnen ist natürlich auch noch ein Pferd, das nicht verkauft wurde. Es war die rechte Schwester von Treve (Motivator), angeboten vom Haras du Quesnay der Familie Head. Der Reservepreis für sie war natürlich sehr hoch und sie verließ dann auch bei 1,2 Millionen Euro unverkauft den Ring.

Der Salestopper am ersten Tag kam aus der Zucht des Gestüts Ammerland, dort wurde er auch groß und von den Darley-Scouts in Augenschein genommen. Folgerichtig war es John Ferguson, der bei einem Zuschlag von 710.000 Euro den längsten Atem hatte. Bei dem Mitte Februar geborenen Hengst handelt es sich um einen Shamardal-Sohn aus der für Peter Schiergen zweimal erfolgreichen Lavande Violet (Hurricane Run), eine Schwester des Gr. I-Siegers und Deckhengstes Lope de Vega (Shamardal). Dieser steht im irischen Ballylinch Stud, das bei dem Jährling auch als Consignor auftrat. Er ist das zweite Fohlen der Mutter, der Erstling, ein Hengst von Intense Focus, wurde bei der BBAG letztes Jahr für gerade einmal 4.000 Euro an Carla O’Halloran nach Frankreich verkauft. „Es ist genau der Jährling, den man sucht“, sagte Ferguson, „er stammt von einem sehr guten Vererber, die noch junge Mutter ist Schwester zu einem Top-Hengst und er selbst ist ein hervorragendes Individuum.“ Aus Ammerländer Zucht erwarb Ferguson noch einen weiteren Lope de Vega-Hengst, aus der Listensiegerin Promesse de l’Aube (Galileo), er wurde ebenfalls über das Ballylinch Stud offeriert und brachte 520.000 Euro.

Zu den Käufen von Shadwell, diesmal in Deauville wieder sehr präsent, zählte auch ein Cape Cross-Hengst aus der vom Gestüt Schlenderhan gezogenen Seschat (Sinndar), er brachte 320.000 Euro. Zu guten Preisen wurden auch weitere Nachkommen deutscher Stuten verkauft, eine Galileo-Stute aus der Royal Highness (Monsun) für 310.000 Euro, eine Shamardal-Stute aus der Molly Malone (Lomitas) für 350.000 Euro oder ein Frankel-Hengst aus der Soignee (Dashing Blade), Bruder also zur Gr. I-Siegerin Stacelita (Monsun), für 450.000 Euro. Der Saletopper des Montags, eine Dutch Art-Stute, die Bertrand le Metayer für 450.000 Euro ersteigerte, stammt aus der Nuit Polaire (Kheleyf), eine Schwester der Mütter von Nightflower (Dylan Thomas) und Nutan (Duke of Marmalade), eine der aktuell spannendsten Linien der deutschen Vollblutzucht.

Auf Käufer- bzw. Verkäufer-Seite gab es aus deutscher Sicht natürlich auch Akzente. Mit einigem Interesse wurde natürlich der über das Newsells Park Stud angebotenen Galileo-Tochter der klassischen Siegerin Enora (Noverre) entgegen gesehen. Es handelte sich hier um ein Foalsharing zwischen Coolmore und dem Gestüt Röttgen, dieses ersteigerte die Stute schließlich auch für 150.000 Euro. Sie steht auch im Katalog der BBAG-Jährlingsauktion, die nächsten Tage werden zeigen, ob sie dort auch in den Ring kommen wird. Das Gestüt Wittekindshof hatte über das Haras d’Ombreville zwei Jährlinge im Angebot. Verkauft wurde für 140.000 Euro an John Ferguson ein Shamardal-Sohn aus der Next Holy, während eine Jukebox Jury-Tochter der Saldennähe für 70.000 Euro zurückgekauft wurde.

Holger Faust ersteigerte im Namen seiner HFTB Racing Agency vier Jährlinge. Der teuerste war eine Holy Roman Emperor-Tochter aus einer Tiznow-Stute, sie kostete 87.000 Euro, hat mütterlich einen amerikanischen Hintergrund und wird dem Vernehmen nach die Farben des Stalles Torjäger tragen. Für ungenannte Kunden ersteigerte Faust einen auf die große Renn- und Zuchtstute Maximowa zurückgehenden Medicean-Hengst für 80.000 Euro und eine Kendargent-Stute, deren Mutter Gr. III-platziert war, für 65.000 Euro. Für Christoph Holschbach ist ein 10.000 Euro teurer Panis-Hengst aus der Prairie Scilla (Dashing Blade) bestimmt.

Trainer Paul Harley erwarb am ersten Tag im Auftrag von Lars-Wilhelm Baumgarten für 70.000 Euro eine Zoffany-Stute mit Schlenderhaner Hintergrund. Sie stammt aus der Guiana (Tiger Hill), aktuelle Vertreter der Familie sind der Gr. I-Sieger Guiliani (Tertullian) und Guardini (Dalakhani). Ebenfalls aus einer Schlenderhaner Familie kommt ein Equiano-Hengst, den Manfred Hofer für 67.000 Euro bekam. Seine Mutter Amarinda (Tiger Hill) ist eine Tochter der Preis der Diana (Gr. I)-Siegerin Amarette (Monsun). Der Stall Leon kaufte für 37.000 Euro einen Power-Hengst aus der ehemaligen Karlshofer-Stute Love and War (War Blade).

Als besonders aktiver Käufer zeigte sich wie immer auf dieser Auktion, bei der er einst seinen Crack Dabirsim (Hat Trick) gekauft hatte, der Münchener Buchmacher Simon Springer. Er agiert inzwischen unter dem Label Ecurie Normandie Pur-Sang, bekam inklusive der v.2-Auktion für acht Jährlinge, sieben Hengste sowie vier Stuten von New ApproachMyboycharlie, Paco Boy und Rio de la Plata den Zuschlag. Sie lagen im Preisbereich zwischen 24.000 und 45.000 Euro, werden gewiss alle in Frankreich bleiben. 

Ein Video über den außergewöhnlichen zweiten Tag bei Arqana sehen Sie hier: Klick!

Arqana Jährlingsauktion Teil 1

 20152014
Angeboten333324
Verkauft259261
Umsatz€43.013.000€39.417.000
Schnitt€162.541€147.864

Salestopper

PferdAnbieterKäuferPreis
H., v. Dubawi - PacifiqueMonceauxJohn Ferguson€2.600.000
H., v. Invincible Spirit - VedelaMonceauxBertrand Le Metayer€1.400.000
St., v. Frankel - PlatoniqueMonceauxCharles Gordon-Watson€1.150.000
H., v. Redoute's Choice - VadawinaEtrehamJohn Ferguson€950.000
H., v. Frankel - PipingMonceauxTony Nerses€750.000
H., v. Shamardal - Lavande VioletBallylinchJohn Ferguson€720.000
H., v. Invincible Spirit - TonnaraMonceauxShadwell€700.000

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