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Neue Deckhengste: Scalo

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 249 vom Donnerstag, 24.01.2013

Der Lando-Sohn Scalo wird Deckhengst in Frankreich. www.galoppfoto.de - Frank SorgeDer Lando-Sohn Scalo wird Deckhengst in Frankreich. www.galoppfoto.de - Frank SorgeStreng genommen gehört Scalo nicht unbedingt in die Rubrik der neuen Deckhengste in Deutschland, doch steht er natürlich unverändert in Ittlinger Besitz und wird von Deutschland aus gemanagt, auch wenn sein Standort das Haras du Logis Saint-Germain in Frankreich ist. Es wäre sicher auch kontraproduktiv gewesen, ihn an der Seite seines Vaters Lando in Werne aufzustellen, denn dieser erfreut sich trotz seiner 23 Jahre bester Gesundheit und wird in den kommenden Wochen auch wieder voll im Deckeinsatz sein.

"Es gab mehrere Gründe, die für das Haras du Logis Saint-Germain sprachen", erläutert Manfred Ostermann seine Wahl, "es ist eine Frankreich-Dependance von Coolmore, dort steht ja auch Soldier of Fortune. Zudem ist uns das Gestüt sehr empfohlen worden, insbesondere von Jean-Pierre Deroubaix." Und das Interesse an Scalo ist sowohl von deutscher wie auch von französischer Seite sehr groß, einige hiesige Züchter werden Stuten in die Normandie schicken. Natürlich auch Ittlingen, wobei die Zahl im Moment noch zwischen acht und zehn schwankt, da der Deckplan noch nicht ganz festgezurrt ist. Sicher ist aber schon, dass Stuten wie All About Love, Felicity, Hollywood Love und Lysuna von Scalo gedeckt werden. Bemerkenswert ist sicher, dass auch der Aga Khan eine Stute zu Scalo schicken wird.

Die Rennlaufbahn

Der größte Erfolg für Scalo war der Sieg im Preis von Europa 2010 mit Olivier Peslier. www.galoppfoto.de - Sandra ScherningDer größte Erfolg für Scalo war der Sieg im Preis von Europa 2010 mit Olivier Peslier. www.galoppfoto.de - Sandra Scherning

Es war eine Rennkarriere mit mehreren Wechselbädern, die Scalo hingelegt hat, wobei der Höhepunkt sicher der Sieg im Preis von Europa (Gr. I) 2010 war.

Was für ein Auftakt!  Mit  14 Längen gewinnt Scalo mit Pedroza in Dresden. www.galoppfoto.de - Frank SorgeWas für ein Auftakt! Mit 14 Längen gewinnt Scalo mit Pedroza in Dresden. www.galoppfoto.de - Frank SorgeBegonnen hatte es im Oktober 2009 in einem unspektakulären Rennen in spektakulärem Stil, als der damals Zweijährige unter Eduardo Pedroza ein 1900-m-Rennen in Dresden mit 14 Längen Vorsprung an sich bringen konnte. Natürlich wurde er dadurch zu einer klassischen Hoffnung für die Dreijährigen-Kampagne und er unterstrich das denn auch im Frühjahr mit leichten Siegen im Frühjahrspreis des Bankhauses Metzler (Gr. III) in Frankfurt unter Eduardo Pedroza  gegen Keep Cool (Starcraft) und Nightdance Paolo (Paolini) sowie im Onextwo.com Bavarian Classic (Gr. III) in München unter Gaetan Masure gegen Wheredreamsare (Monsun) und erneut Nightdance Paolo. Das Oppenheim-Union-Rennen war das nächste Ziel, als 18:10-Favorit ging Scalo an den Start, doch nach einem höchst unglücklichen Rennverlauf kam er in dem von Zazou (Shamardal) gewonnenen Rennen nur auf Rang fünf. Und auch im 141. IDEE Deutschen Derby lief es nicht besonders gut. Scalo war hinter dem Engländer Monterosso (Dubawi) und Zazou dritter Favorit, hatte aber ein suboptimales Rennen und landete schließlich auf dem neunten Platz, gewonnen wurde das Derby von Godolphins zweiter Farbe Buzzword (Pivotal).

Scalo beim Trainingsgalopp in Ravensberg. www.galoppfoto.de - Frank SorgeScalo beim Trainingsgalopp in Ravensberg. www.galoppfoto.de - Frank SorgeDas Glück sollte sich jedoch bei den nächsten Starts wenden. Trainer Andreas Wöhler sattelte ihn im Prix Guillaume d'Ornano (Gr. II) in Deauville, dieses 2000-m-Rennen konnte Scalo unter Maxime Guyon leicht gegen Wealthy (Refuse to Bend) gewinnen.

Für den Preis von Europa (Gr. I), das finale Ziel in jenem Jahr, wurde Olivier Peslier als Reiter engagiert, Scalo setzte sich mit knapp zwei Längen Vorsprung auf Night Magic (Sholokhov) durch, die zuvor den Großen Preis von Baden (Gr. I) gewonnen hatte, Dritter wurde der Fährhofer Quijano (Acatenango). Es war unstrittig die beste Leistung von Scalo, für die er dann auch ein Rating von glatt 100 kg bekam, er war in der offiziellen Weltrangliste das beste deutsche Pferd. Zudem wurde er in bester Familientradition zum "Galopper des Jahres" gewählt, denn zweimal wurde seinem Vater Lando diese Ehre zuteil, dreimal seinem Großvater Acatenango. Geplant war in jenem Jahr noch ein Start in der Hong Kong Vase, in der er sicher mit besten Chancen unterwegs gewesen wäre, doch plötzlich auftretendes Fieber machte diesen Plan zunichte.

Nach dem Sieg im Preis von Europa: Scalo mit Jockey Olivier Peslier, Sonja Wewering und Manfred Ostermann. www.galoppfoto.de - Sandra ScherningNach dem Sieg im Preis von Europa: Scalo mit Jockey Olivier Peslier, Sonja Wewering und Manfred Ostermann. www.galoppfoto.de - Sandra Scherning

Vierjährig startete er unter Frankie Dettori im Gerling-Preis (Gr. II) in die Saison, dort verwies er als 14:10-Favorit mit Sir Lando und Val Mondo weitere Lando-Söhne auf die Plätze. Er ging dann nach Italien in den Gran Premio di Milano (Gr. I), in dem er in einem knappen Finish Voila Ici (Daylami) unterlegen war. Erneut war Frankie Dettori an Bord, dieser meinte später, dass bei dem stark aufgeweichten Boden Scalo seinen gewohnten "turn of foot", die ihm ansonsten eigene Fähigkeit, im entscheidenden Moment noch zu beschleunigen, nicht zur Verfügung hatte, doch war es letztlich auch kein glücklicher Ritt. Es ging dann nach Hoppegarten in den 121. Großen Preis von Berlin (Gr. I), für den Maxime Guyon engagiert wurde. Acht sehr gute Pferde waren hinter dem Ittlinger, der als 26:10-Favorit am Ablauf war, doch eine gewisse Danedream (Lomitas) war an diesem Tag unschlagbar. Alle weiteren Überlegungen waren danach obsolet, denn Scalo zog sich eine Muskelzerrung zu, die zu einer langen Pause zwang.

Die Fünfjährigen-Saison begann spät mit einem vierten Platz im Grossen Preis der Wirtschaft (Gr. III) in Dortmund, es folgten drei Starts im kanadischen Woodbine, dabei sprangen zwei Plätze heraus, ein dritter in den Sky Classic Stakes (Gr. II) über 2000m und ein vierter in den Northern Dancer Turf Stakes (Gr. I) über 2400m. Es folgte noch ein Kurzaufenthalt im Stall von Trainer Paul Harley, doch entschloss man sich dann doch zum Finale der Rennlaufbahn, zumal es Schwierigkeiten mit dem Gleichbein gab.

Es ist, wie wir bereits angemerkt haben, sicher vieles nicht glatt gegangen in der Karriere von Scalo, denn er schien insbesondere vierjährig vor einem großen Jahr zu stehen. Aus diversen Gründen konnte er manches nicht umsetzen, unstrittig ist jedoch seine große Rennklasse. Mit etwas mehr Glück hätte er auch ein, zwei Rennen mehr gewonnen, wie etwa die "Union" oder den Gran Premio di Milano. Er kam auf Strecken zwischen 2000m und 2400m hervorragend zurecht und war auch von den Bodenverhältnissen unabhängig, untypisch für einen Sohn von Lando, der in Regel eine Vorliebe für eine schnelle Bahn vererbt. Bei Scalos Erfolg in Deauville aber war der Boden schwer, auch damit hatte er keine Probleme.      

Die Abstammung

Lando - mittlerweile 23 Jahre alt - im Gestüt Ittlingen in Werne. www.galoppfoto.de - Sandra ScherningLando - mittlerweile 23 Jahre alt - im Gestüt Ittlingen in Werne. www.galoppfoto.de - Sandra Scherning

Scalo ist einer von bisher sieben Gr. I-Siegern von Lando. Von ihnen sind Epalo, Intendant, Paolini und Prince Flori in der Zucht, Donaldson verunglückte in England, Gonbarda ist Mutter von Farhh, der letztes Jahr viermal in Folge Zweiter auf Gr. I-Ebene war. Ein weiterer Lando-Sohn im Gestüt ist der Gr. II-Sieger Touch of Land.

Die mütterliche Linie kam Mitte der 90er Jahre durch die in Frankreich viermal erfolgreiche Saquiace (Sagace) nach Ittlingen. Diese stammt aus der Listensiegerin Laquiola (Lyphard), eine Schwester des Prix du Jockey Club (Gr. I)-Siegers Roi Lear aus einer Familie, die auch in Nord- und Südamerika eine Reihe von besseren Pferden auf der Bahn hatte. Saquiace stammt aus der Wertheimer-Zucht, sie war sogar einmal in Deutschland am Start, 1993 in Baden-Baden im Oleander-Rennen (Gr. III), in dem sie unplatziert blieb. Für Ittlingen brachte sie bis 2005 acht Fohlen, die unterschiedliches Können besaßen. Das beste war Scalos Mutter Sky Dancing (Exit to Nowhere), Starla (Lando) gewann drei Rennen und war listenplatziert. Sangita (Royal Academy), die ein Rennen gewann, brachte in Irland die Listensiegeri What's Up Pussycat (Danehill Dancer). 2005 wurde Saquiace 17jährig in Deauville für 14.000 € verkauft. In Frankreich hat sie noch zwei Stuten gebracht, darunter die Siegerin Landora (Lando). Deren Erstling, ein Stutfohlen von Soldier of Fortune, wurde im Dezember 2012 in Deauville für 18.000 € von Panorama Bloodstock ersteigert.  

Sky Dancing 2012 mit einem Lando-Hengstfohlen - ein rechter Bruder von Scalo. Foto: Gestüt IttlingenSky Dancing 2012 mit einem Lando-Hengstfohlen - ein rechter Bruder von Scalo. Foto: Gestüt Ittlingen

Zurück zu Sky Dancing: Im Rennstall von Andreas Wöhler war sie eine überdurchschnittliche Rennstute. Sie war zweijährig schon Vierte im Preis der Winterkönigin (NL), gewann dreijährig vier Rennen, zwei bessere Handicaps in Hamburg und Köln sowie zum Finale der Karriere den Premio Buontalenta (LR) über 2000m. In der Zucht hat sie in zehn Jahren bislang zehn Fohlen gebracht - 2009 ging eine Lomitas-Tochter einige Monate nach der Geburt ein. Ihr Erstling war Sexy Lady (Danehill Dancer), Siegerin u.a. im Prix Chloe (Gr. III) und im Festa-Rennen (LR), vor Scalo kamen die besseren Sieger Scolari (Monsun) und Skylor (Sakhee). Jetzt dreijährig ist Stellato (Dalakhani), letztes Jahr Sieger und beim einzigen weiteren Start bei wenig günstigem Rennverlauf Fünfter im Herzog von Ratibor-Rennen (Gr. III). Ein zwei Jahre alter Pivotal-Sohn steht ebenfalls bei Andreas Wöhler, ein Jährlingssohn stammt von Lando.

Die Familie ist in Ittlingen bestens aufgestellt. In der Zucht Sexy Lady und ihre Tochter, die nicht gelaufene Strategy (Motivator). Die erwähnte Starla hat für Ittlingen vier Nachkommen gebracht, von denen zwei eingestellt wurden, die zweifache Siegerin Starla Dancer (Danehill Dancer) und die ebenfalls zweimal erfolgreiche Startissima (Green Tune). 

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