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Neue Deckhengste in Deutschland - Isfahan

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 448 vom Donnerstag, 15.12.2016

Die Frage, ob es in der Szene des Galopprennsports mehr abergläubische Menschen gibt als in der gesamten Bevölkerung, ist nicht exakt zu beantworten. Wo es um Zahlen, um Wetten und auch ums Glück geht, ist es zumindest anzunehmen. So ist auch die nächste Frage, ob es positive oder negative Auswirkungen hat, wenn ein Pferd, das bereits einen Namen bekommen hat, umgetauft wird, statistisch nicht exakt zu beantworten. Es soll Menschen geben, die so etwas eher mit wenig Erfolg verbinden.

In Hong Kong wird nahezu jeder Galopper, der aus dem Ausland kommt, mit einem neuen Namen versehen. Und der Anteil der Abergläubischen an der dortigen Bevölkerung dürfte im extrem hohen fünfstelligen Bereich liegen. Gewinnen tun die Pferde trotzdem. Deshalb nehmen wir an, dass ein Umbenennung nicht unbedingt von Nachteil ist.

Isfahan, der Sieger des IDEE 46. Deutsche Derbys, hatte ursprünglich den Namen Inuit. Zumindest als der Lord of England-Hengst aus der Independent Miss am 2. September 2014 bei der BBAG mit der Lot-Nummer 154 in den Ring kam. Beim Auktionator war ein Reservepreis von 20.000 Euro hinterlegt, doch etwas mehr wollten die Züchter, Andreas und Susanne Wöhler schon haben. Schließlich fiel der Hammer bei 35.000 Euro, Holger Faust bekam den Hengst für Darius Racing. Die Pferde des Stalles tragen in der Regel persische Namen, deshalb kam Inuit nicht in Betracht, er wurde zu Isfahan, dahinter verbirgt sich die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Iran. Geschadet hat es ihm nicht. In der jüngeren Vergangenheit hat es unseres Wissens nur einen weiteren Derbysieger gegeben, der im Jährlingsalter umgetauft wurde, es war Lebos (Nebos), der 1987 gewann, zuvor Little Nebos hieß.

Isfahan kam zurück nach Ostwestfalen, zum Ursprung, auch wenn er im Gestüt Etzean aufgewachsen war, von dieser Zuchtstätte auch in Iffezheim präsentiert wurde. Die Mutter Independent Miss, gezogen vom Gainsborough Stud Management, ist nicht gelaufen. Bei der Tattersalls December Sale hatte sie Manfred Hofer für 5.000gns. ersteigert, das war 2002, da war Independent Miss zwei Jahre alt. Hofer hatte noch ihre zweite Mutter Indica in mehreren Gruppe-Rennen zum Sieg geritten, so im Grossen Hansa-Preis 1991.

Independent Miss wurde vierjährig erstmals gedeckt, ihr Erstling Il Divo (Dashing Blade) war mehrfach gruppeplatziert, er steht als Deckhengst in der Warmblutzucht in Marbach. Dort hatte man das Derby natürlich sehr genau verfolgt, es kamen auch unmittelbar danach auch gleich entsprechende Glückwünsche. Il Divo war 2008, damals noch im Besitz der Wöhlers, im Derby nachgenannt worden, belegte aber nur den zehnten Platz.

Nach ihm folgte Il Presidente (Royal Dragon), der in England ein NH-Flachrennen gewann, nach langer Durststrecke im Juni in England über Hürden erfolgreich war, seitdem aber auch nicht mehr. Il Comandante (Sholokhov) kam nicht an den Start. Vierjährig ist Incantator (Areion), Sieger im vergangenen Jahr in der Baden Württemberg-Trophy (Gr. III), dieses Jahr Gr. III-platziert. Nach Isfahan kam die zweijährige Stute Izzy (Soldier Hollow), sie wurde in Ebbesloh groß, bleibt im Familienbesitz und soll als erste Tochter der Mutter deren Erbe antreten. 2014 wurde Independent Miss nicht gedeckt, Mitte April kam das Stutfohlen I Think So (So You Think) zur Welt, in diesem Jahr wurde sie nicht tragend. Ihr Partner 2017 wird Protectionist (Monsun) sein.

Die nächste Mutter Indiaca trug die Maktoum Al Maktoum-Farben, sie war schon bei Andreas Wöhler im Stall, gewann beim einzigen Start ihrer Laufbahn in Bremen. Es verschlug sie nach kurzer Zuchttätigkeit in England, der Independent Miss entsprang, nach Frankreich, für das Gestüt Eulenberger Hof brachte sie noch ein gutes Pferd, den listenplatziert gelaufenen Invincible Hero (Lomitas). 

Deren Mutter, die bereits kurz erwähnte Indica war für Besitzer Reinhold Lockmann und Trainer Raimund Prinzinger, der seit geraumer Zeit gegenüber der Rennbahn in München-Riem eine Pension betreibt, ein großartiges Rennpferd. Sie hatte nur zwei Fohlen, neben Indiaca war das Indikator (Sillery), den auch schon Andreas Wöhler trainierte. Er war ein erstklassiger Dreijähriger, gewann 1998 die damals noch existierende Derby-Revanche in Hannover, ein mit 120.000 Mark für den Sieger dotiertes Nationales Listenrennen und dann in Iffezheim das Fürstenberg-Rennen (Gr. III). Dort zog er sich aber eine so schwere Verletzung zu, dass er eingeschläfert werden musste.

Es handelt sich hier um einen Seitenzweig der Schlenderhaner „I“-Familie, die auf die 1936 von Francois Dupré gezogene Yonne (Indus) zurückgeht. Dese Linie stellt mit Ito in Ammerland nächstes Jahr einen weiteren Deckhengst-Debutanten. In der näheren Verwandtschaft findet man aber nur eine sehr überschaubare Zahl von Pferden, es ist schier unmöglich, sich in die Familie einzukaufen.

Isfahans Vater Lord of England hatte mit ihm seinen zweiten klassischen Sieger nach Feodora 2014 auf der Bahn. Der 2013er war sein sechster Jahrgang. Er war eigentlich immer ein  etwas unterschätzter Hengst, doch hatte er 2015 ein großes Jahr, neben Isfahan sind Near England und Olorda zu nennen. Seine Decktaxe 2017 wird 7.500 Euro betragen, ein im internationalen Vergleich extrem fairer Preis.

Die Rennkarriere von Isfahan dürfte noch bestens bekannt sein. Nach einem vierten Platz beim Debut gewann er gleich beim zweiten Start den Preis des Winterfavoriten (Gr. III) in Köln, dann war er immerhin noch Sechster in einem zehnköpfigen Feld im Criterum de Saint-Cloud (Gr. I).

Dreijährig startete er mit einem Sieg im Bavarian Classic (Gr. III) auf für ihn passend weichem Boden. Das Derby Italiano (Gr. II) war anschließend ein schon lange zuvor ins Visier genommenes Rennen, doch waren die äußeren Verhältnisse gegen ihn. Auf harter Bahn wurde er Fünfter, das Rennen hatte ihn schon viel gekostet und er war dann auch für Hamburg in den Tagen danach keineswegs sicherer Starter. In Horn selbst waren die unwirtlichen Witterungsbedingungen zuvor natürlich ideal für ihn. Isfahan zeigte eine starke kämpferische Leistung, ohne jedes Wenn und Aber, er war an diese Tag die Nummer eins in einem Jahrgang, der nach bisherigem Eindruck von besserer Qualität zu sein scheint. Es ist natürlich mehr als bedauerlich, dass er anschließend nicht mehr herausgebracht werden konnte. 

Isfahan debutiert für 4.000 Euro im Gestüt Ohlerweiherhof. Er wird nicht an Beschäftigungslosigkeit leiden, denn Holger Faust war in den vergangenen Tagen auf Auktionen und auch auf dem freien Markt sehr aktiv, ersteigerte im Auftrag eines Syndikats, an dem Isfahan-Eigner Dr. Stefan Oschmann einen entscheidenden Anteil hat, zahlreiche junge Stuten. Bei Arqana etwa wurden mehrere Stuten aus dem Aga Khan-Besitz ersteigert, die Papiere können sich durchaus sehen lassen. Sie alle sollen 2017 von Isfahan gedeckt werden. Die Startchancen für den diesjährigen Derbysieger sind also gut genug. 

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