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Neue Deckhengste 2022 in Deutschland - Alson

Kurioses Gr. I-Rennen: Alson siegt mit Frankie Dettori gegen nur einen Gegner in Longchamp im Handgalopp. Foto: Dr. Jens Fuchs

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 697 vom Freitag, 03.12.2021

Ein Blick auf die einflussreiche Deckhengstszene in Irland zeigt, dass dort ein Typ besonders gefragt ist, der auf dem Kontinent eher weniger auftaucht: Schnelle, gute Zweijährige, die Frühreife in das Pedigree bringen, die vom Markt in der Regel hervorragend angenommen werden. So gesehen ist Alson, der im kommenden Jahr auf dem Fährhof debütiert, in Deutschland eine Rarität: Er war zweijährig Gruppe I-Sieger in Frankreich, Gr. I-Zweiter, war hierzulande im Zukunfts-Rennen (Gr. III) erfolgreich. Ein Profil, das eine ganze Reihe von Deckhengsten aufweist, dazu kann er ein spannendes Papier bieten.

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Der neue Deckhengst im Gestüt Fährhof 2022: Der Areion-Sohn Alson war der gewinnreichte Zweijährige in der Geschichte des deutschen Galopprennsports. Siege u.a. im Zukunfts-Rennen mit Filip Minarik (rechts) in Baden-Baden und im Grand Criterium, Gr. I, mit Frankie Dettori in Longchamp (oben links). Fotos @Galoppfoto.de - Sabine Brose/Frank Sorge und WiebkeArt und Dr. Jens FuchsDer neue Deckhengst im Gestüt Fährhof 2022: Der Areion-Sohn Alson war der gewinnreichte Zweijährige in der Geschichte des deutschen Galopprennsports. Siege u.a. im Zukunfts-Rennen mit Filip Minarik (rechts) in Baden-Baden und im Grand Criterium, Gr. I, mit Frankie Dettori in Longchamp (oben links). Fotos @Galoppfoto.de - Sabine Brose/Frank Sorge und WiebkeArt und Dr. Jens FuchsMitte Juni lief er unter der Regie von Jean-Pierre Carvalho zweijährig zum ersten Mal, zu einem der ersten möglichen Termine in Deutschland, er gewann in München ein Drei-Pferde-Rennen über 1200 Meter. Anfang Juli ging es dann nach Frankreich, er wurde Vierter in Deauville, der damalige Sieger war er Godolphin-Crack Earthlight. Vier Wochen später startete er erneut in der Normandie, holte sich mit Maxime Guyon im Sattel in Clairefontaine ein 1400-Meter-Rennen. Es ging für den Schlenderhaner dann nach Baden-Baden, in das Zukunfts-Rennen, in dem er von seinem Trainer mit viel Optimismus gesattelt wurde. Klarer Favorit war der von Charlie Appleby trainierte Well of Wisdom (Oasis Dream), ein späterer Listensieger in Meydan und Deauville. Gegen den von Filip Minarik gerittenen Alson hatte er allerdings keine Chance, dieser konnte sich leicht mit zwei Längen Vorsprung durchsetzen. Hier geht es zum Video: Klick!

Der Prix Jean-Luc Lagardere (Gr. I) am „Arc“-Tag in Longchamp war das nächste, sehr anspruchsvolle Ziel. Die 1600-Meter-Prüfung ist eines der wichtigsten Zweijährigen-Rennen Europas, mit Frankie Dettori wurde eine markante Jockeyverpflichtung getätigt. Am Ende war er in einem knappen Finish Zweiter, eine der besten Leistungen seiner Karriere, hinter Victor Ludorum (Shamardal), einem weiteren Godolphin-Schwergewicht, im Jahr darauf sollte er die Poule d’Essai des Poulains (Gr. I) gewinnen. Hier geht es zum Video: Klick!

Drei Wochen später wurde an gleicher Stelle das Grand Criterium (Gr. I) über 1400 Meter gelaufen. Es fällt schwer, dieses Rennen ernsthaft zu analysieren. Vier Pferde wurden bei der Starterangabe eingeschrieben, eines dann wegen des Bodens zurückgezogen, ein anderes verletzte sich in der Startbox. Es blieben also zwei, Alson und Armory. Ob es jemals in der Geschichte der Black Type-Rennen eines mit nur zwei Teilnehmern gegeben hat, konnten die Historiker nicht feststellen, es wird vermutlich eine Premiere gewesen sein. Es soll den Sieg von Alson nicht schmälern, Armory (Galileo), der zuvor immerhin schon die Futurity Stakes (Gr. II) und die Tyros Stakes (Gr. III) gewinnen konnte, hatte nicht die geringste Chance. Der Vorsprung von zwanzig Längen dürfte Rekord für ein Gr. I-Rennen sein. Armory (Galileo) hat seitdem noch zwei Gr.-Rennen gewonnen, war Gr. I-platziert. Hier geht es zum Video: Klick!

Alson wechselte nach der Aufgabe des Schlenderhaner Trainingszentrums in Bergheim in den Stall von Andre Fabre nach Chantilly. Es gab große Pläne, Mitte Mai 2020 waren noch die 2000 Guineas (Gr. I) ein Ziel, doch verhinderten die Corona-Restriktionen einen Start. Er lief dann in der Poule d’Essai des Poulains (Gr. I), in der er hinter Victor Ludorum und The Summit (Wootton Bassett) Dritter wurde. Nach einer eher schwachen Vorstellung im Prix Jean Prat (Gr. I) setzte er lange aus, gewann dann beim Comeback Anfang Oktober souverän den über 1400 Meter führenden Prix Matchem (LR) in Saint-Cloud. Einige Wochen später musste er sich an gleicher Stelle im Prix Perth (Gr. III) der aus Langenhagen anreisenden Jin Jin (Canford Cliffs) beugen. In dieser Saison war er nur noch zweimal in Gruppe-Rennen über die Meile in Saint-Cloud am Ablauf, doch endete er stets im Hinterfeld. Die guten Leistungen zwei- und teilweise auch dreijährig waren Vergangenheit.

Er ist einer der seltenen Areion-Söhne in der Schlenderhaner Zucht, ist der dritte Nachkomme der Assisi, die nur dreimal an den Start kam, ausschließlich vierjährig, zwei Rennen konnte sie gewinnen. Sie startete brillant in die Zucht mit dem klassischen Sieger Ancient Spirit (Invincible Spirit), erfolgreich im Mehl Mülhens-Rennen (Gr. II) und im Darley Oettingen-Rennen (Gr. II), Listensieger in Irland und inzwischen Deckhengst im White Robe Lodge Stud in Neuseeland.

Die jetzt fünf Jahre alte Assisi’s Tryst (Poet’s Voice) war bei nur drei Siegerin, sie hat dieses Jahr als Erstling eine Stute von Sea the Moon gebracht. Nach Alson brachte Assisi den inzwischen von Carolin Pietsch trainierten Sieger Agnelli (Guiliani), Aemilianus (Holy Roman Emperor), der bereits Wallach ist, Azshara (Zarak) und dieses Jahr den Hengst Arrivederci (Holy Roman Emperor). Dieser ist Mitte Mai geboren, deshalb wurde die Mutter dieses Jahr nicht gedeckt.

Assisi ist eine Schwester der Gr. III-Siegerin Amazona (Dubawi) und des Union-Rennen-Zweiten Ametrin (Tiger Hill) sowie von Amazone (Adlerflug), Mutter der Listensiegerin Apadanah (Holy Roman Emperor). Die nächste Mutter Amarette (Monsun) hat den Preis der Diana (Gr. I) und das Schwarzgold-Rennen (Gr. III) gewonnen, ist eine Schwester von Anatola (Tiger Hill), Mutter des Melbourne Cup (Gr. I)-Heroen Almandin (Monsun) und des Gerling-Preis-Siegers Atempo (Monsun).

Alson ist der erste Sohn des viermaligen Deckhengst-Champions Areion (Big Shuffle), der in Deutschland aufgestellt ist. In Frankreich stehen DevastarIndomito und Palace Prince in eher kleinen Gestüten, rund zwanzig Stuten hat jeder von ihnen in diesem Jahr gedeckt. Nachkommen sind auch von dem Areion-SohnGlobus bekannt, er stand in Ungarn. Und eine Deckhengstkarriere wird nach Ende von dessen Rennlaufbahn natürlich auch für den inzwischen viermaligen Gr.-Sieger Rubaiyat im Raum stehen. Immerhin 36 Stuten hat Areion diese Saison in Etzean gedeckt, doch wird es im kommenden Jahr wohl nur noch eine Handvoll sein – mit 27 Jahren hat er dann auch schon ein stolzes Alter erreicht.

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