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Mission 13: Frankel at York

Frankel und Tom Queally auf dem Weg zu Sieg Nummer 13 - in den Juddmonte International Stakes in York. Foto: John James Clark

Autor: 

Catrin Nack

TurfTimes: 

Ausgabe 229 vom Donnerstag, 23.08.2012

Man sagt,  dass Yorkshire "God´s own Country" ist, und wenn es denn einen Rennsport-Gott gibt, so lächelte er am heutigen Tag ganz sicher auf York herunter. Genau vor einem Jahr, nachdem Sir Henry Amhurst Cecil gerade mit Twice Over und Midday den lupenreinen Juddmonte-Einlauf eben in diesem Rennen, dem Juddmonte International - echten Traditionalisten noch unter dem Titel Benson & Hedges Gold Cup geläufig - gelandet hatte, gestand er uns in einer unverhofften Begegnung auf dem Parkplatz der Rennbahn: "Dieses Rennen wollte ich mehr als jedes andere für den Prinzen gewinnen, da er es ja sponsort. Nun haben wir den Einlauf geschafft. Ich dachte, es muss erst Frankel kommen, aber nun gewinnen wir es eben im nächsten Jahr noch einmal. Das ist der Plan, und Frankel wird 2012 ganz sicher hier laufen." Nun weiss jeder Fan des Sports, dass auch die besten Pläne im Rennsport meist nicht einmal das Papier wert sind, auf dem sie stehen mögen, aber wenn das Pferd, um das es geht, eben Frankel heisst, scheinen alle "vielleichts" zu verpuffen, Frankel lässt einfach keinen Raum für Wahrscheinlichkeiten. (Auch wenn zu Anfang der Saison die Möglichkeit einer Verletzung beinahe wochenlang DAS Thema der britischen Presse war).

Wo Frankel ist, da sind auch seine Fans .... sogar schon im passenden Baby-Strampler. Fotos (4): John James ClarkWo Frankel ist, da sind auch seine Fans .... sogar schon im passenden Baby-Strampler. Fotos (4): John James Clark

Und so kam er nun nach York, ungeschlagen in bis dato 12 Starts, um zum ersten Mal in seinem Leben als Rennpferd über fast 2100 m (1m2f 88 Yards) zu laufen.

Und Yorkshire kam, um ihn zu sehen.

Hatte Frankel bei seinem letzten Start in Goodwood noch für rund 5000 zusätzliche Zuschauer gesorgt, so mögen es auf dem Knavesmire gut und gerne 10.000 + mehr gewesen sein, die nur diesem einen Pferd ihr Aufwartung machen wollten. Sir Henry, von seiner Krankheit, die eine Reise nach Ascot und Goodwood noch verhindert hatte, schwer gezeichnet, aber fest entschlossen, an diesem Tag für seine Pferde da zu sein (sein Stall sattelte schließlich drei Pferde alleine in diesem Rennen), nahm da fast die Nebenrolle ein. Jeder Schritt von Frankel, der von zwei "Bobby's" eskortiert in den Pre-Paradering kam, sorgte für ein Raunen in der Menge, die Fähnchen und Schilder in Frankel-Farben schwenke. T-Shirts und Polos mit seinem Logo waren bereits vor dem Rennen ausverkauft. Es ist einfach so: natürlich ist seine Leistung überragend, aber er ist auch ein Galopper mit dem Wow-Faktor, ein Bulle von Pferd, gelassen in seiner Ausstrahlung, kompakt, mehr Carl Lewis als der langbeinige Usain Bold.

Sir Henry Cecil und Frankel beim Satteln. Foto: John James ClarkSir Henry Cecil und Frankel beim Satteln. Foto: John James Clark

Ganz Super-Star weigerte er sich für einige Sekunden, dem Feld nach der Parade zum Aufgalopp zu folgen; ein bisschen Überredung durfte es schon sein. Sollte es aber je Zweifel an Frankels "Stehvermögen" gegeben haben, so räumte er auch diese winzige Wahrscheinlichkeit in einem weiteren Rennen der Superlative aus. Team O´Brien, welches mit zwei Pacemakern seinen Star St. Nicholas Abbey unterstützte, sorgte von Start weg für ein flottes Tempo, Tom Queally hielt sich mit Frankel an vorletzter Stelle auf. Eingangs der Gerade rückte das Feld dichter zusammen, Queally zog Frankel ganz auf die Tribünen-Seite, fünf Pferde in einer Linie, ganz außen Frankel, jedes Pferd unter Druck, oh nein, nicht jedes, denn außen ging ja Frankel, und der war noch immer am Gebiss. Die Leinwände zeigten in Übergröße, mit welcher Leichtigkeit dieser Ausnahme-Galopper an diesem äußerst qualitätvollen Feld vorbeizog, sich nach Belieben löste und unter dem wirklich ohrenbetäubenden Jubel der Menschen - bei einer Quote von 1:10 musste der eine oder andere auch gewettet haben - dem Feld einfach davonlief. Sieben Längen waren es am Ende, und die Erkenntnis: Frankel spielt in einer Liga für sich.

"Frankel-Mania auch in York" - der Superstar des internationalen Turfs ist in 13 Rennen ungeschlagen. Foto: John James Clark"Frankel-Mania auch in York" - der Superstar des internationalen Turfs ist in 13 Rennen ungeschlagen. Foto: John James Clark

Es war ein goldener Nachmittag, die Erfüllung eines langen Planes. "York gibt sich immer solche Mühe, und die Yorkshire-Menge hat es wirklich verdient, ihn zu sehen. Wir leben immer noch den Traum," sagte ein sichtlich bewegter Lord Grimthorpe, Rennsport-Manager von Khalid Abdullah, welcher natürlich ebenfalls anwesend war. Cecil nahm seinen Ehrenpreis und die Zuneigungsbekundungen der Massen sicher mit großer Befriedigung an; sein Anblick der wehmütige Punkt in einem wunderbaren Nachmittag. Auf der Höhe seines Lebens hatte Cecil vieles als Selbstverständlich betrachtet, nach einer langen Durststrecke reitet er nun - auch schon vor Frankel - auf einer unglaublichen Welle der Zuneigung des Rennsport-Publikums; und Cecil ist diesmal sehr wohl bewusst, dass er hier eine zweite Chance erhalten hat.

Gratulationen für Trainer Sir Henry Cecil (r.) bei der Siegerehrung für Frankels Erfolg in York. Foto: John James ClarkGratulationen für Trainer Sir Henry Cecil (r.) bei der Siegerehrung für Frankels Erfolg in York. Foto: John James Clark

Frankel setzt den ultimativen Höhepunkt in seinem an grandiosen Pferden nicht armen Trainer-Leben; und Cecil war da, um diese wunderbare Kreatur, die er so entscheidend geformt hat, zu feiern, auch wenn er sich für all die Glückwünsche kaum noch bedanken konnte, so mitgenommen ist auch seine Stimme. Aber alles Gute kam zusammen an diesem sonnenüberfluteten Tag, und die Bilder des mächtigen Hengstes und der schmalen, aber entschlossenen Gestalt seines Trainers werden lange in unserer Erinnerung bleiben.

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Catrin Nack

 

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