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Might Bite geht in Rente

Might Bite unter Nico de Boinville. www.galoppfoto.de - JJ Clark

Autor: 

Catrin Nack

TurfTimes: 

Ausgabe 650 vom Freitag, 08.01.2021

Im Alter von 12 Jahren – und nach zuletzt sehr schlechten Formen- wurde der von Nicky Henderson für die „The Knot Again Partnership“ trainierte Might Bite in den verdienten Ruhestand „versetzt“.

Dem bildschönen Scorpion-Sohn aus einer Presenting-Mutter galten von Anfang an höchste Hoffnungen. Dritter beim Lebensdebut im einem schweren Bumper, war der Wallach ein sehr guter Hürdler; er wurde dann ein hervorragender Chaser. Bei 25 Starts insgesamt 10facher Sieger, waren die Highlights seiner langen Karriere sicherlich sein Cheltenham-Aintree Doppel in der Saison 2016-17. In Cheltenhams RSA Chase, dem „Gold Cup“ für Nachwuchspferde, besiegte Might Bite in einem aufsehenerregenden Rennen seinen Stallgefährten Whisper mit einer Nase. Nach einem schnellen Rennen von der Spitze aus versuchte Might Bite, damals unter Stalljockey Barry Geraghty, im Einlauf auszubrechen. Dies erlaubte Whisper, auf der Zielgeraden mit Cheltenhams berüchtigtem Berg, einen ansehnlichen Vorsprung herauszuarbeiten. Schon schien Whisper in Sicherheit, als Geraghty unter Aufbietung aller Jockeyship einen Partner gerade richten konnte und genau auf der Linie zuschnappen ließ. Diesem Kampfsieg folgte ein umso leichter Erfolg in Aintrees Gr. 1 Mildmay Novices´ Chase, erneut auf Kosten von Whisper. Zu Saisonbeginn 2017-18 besiegt Might Bite in einem Listenrennen einen gewissen Frodon, um dann erneut ein Doppel an Gr. 1 Rennen – diesmal in Kemptons legendärer King George VI Chase und Aintree, zu erlangen.

Zwischen beiden Siegen lag ein epischer Kampf im 2018 Cheltenham Gold Cup, in dem Might Bite gegen den eisenharten Steher Native River mit einigen Längen den Kürzeren ziehen musste; nicht wenige Zuschauer vermissten bei ihm den Kampfgeist, den Native River in jedem seiner Rennen zeigte. Der bereits erwähnte Sieg in Aintrees 2018 Betway Bowl (Gr.1) sollte sein letzter Erfolg bleiben. Fast schien es, als hätte der 2018 Gold Cup verspätet seinen Tribut gezollt. Auch eine Operation am Gaumensegel konnte den Wallach nicht wieder auf die Siegerstraße bringen, seit November 2018 reihte sich Niederlage an Niederlage, zum Teil mit schockierend schlechten Formen in Rennen wie der Cross Country Chase oder – dies sollte sein letzter Start werden – in der Grand Sefton Chase über Aintrees Grand National Hindernisse im Dezember 2020. Es fiel seinen Besitzern – einer sehr enthusiastischen, 10köpfigen Besitzergemeinschaft um den bekannten Bloodstock-Agenten David Minton – nicht leicht, den richtigen Absprung zu finden: Might Bite war das Pferd ihres Lebens. Zehn Siege (darunter die erwähnten vier Gr.1- Siege) und eine Gewinnsumme von über 600.000 Pfund zeigen deutlich, welch gutes Pferd Might Bite auf dem Höhepunkt seines Könnens war. Dem Vernehmen nach wechselt Might Bite nun zu Charles Barnett, einstmals Rennbahnleiter von Aintree und Ascot, um hier einen „aktiven Ruhestand“ zu erleben.  

Catrin Nack

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