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Melbourne-Pläne und der "Züchter des Meetings"

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 358 vom Donnerstag, 12.03.2015

Es zwar kein Volltreffer für die deutsche Zucht, aber doch mehr als ein Achtungserfolg, der zweite Platz von Arctic Fire (Soldier Hollow) im Champion Hurdle (Gr. I). Der von Uwe Grüning gezogene Sechsjährige hat in seiner an dieser Stelle schon mehrfach dokumentierten Karriere zwar noch kein Black Type-Rennen gewinnen können, doch wird das nur eine Frage der Zeit sein. Fünfmal in Folge war er nun Zweiter oder Dritter in einem Gr. I-Hürdenrennen, der zweite Rang vom Dienstag war allein mit einem Preisgeld von 85.000 Pfund verbunden. Nicht verkehrt für ein Pferd, das einst als Jährling bei der BBAG für 3.000 Euro von Crispin de Moubray für den Ecurie Drost ersteigert wurde und der nach seinem einzigen Frankreich-Auftritt, einem Zehn-Längen-Sieg über 2200 Meter in Le Pin au Haras, von Pierre Boulard für 110.000 Euro für irische Interessen gekauft wurde. Interessanterweise sprach Trainer Willie Mullins anschließend davon, dass sein Schützling ein möglicher Kandidat für den Melbourne Cup (Gr. I) sein könnte. „Seinem Besitzer gehörte auch Simenon“, merkte Mullins an, dieser war 2013 Vierter in Flemington. 

Die Mutter Adelma hat auch den in München im BBAG-Auktionsrennen erfolgreichen Aurelio Real (Soldier Hollow) auf der Bahn, die jetzt Dreijährige Arctic Lady (Soldier Hollow) steht in Ungarn, noch im Besitz des Züchters ist die Jährlingsstute Allegro Lady (Santiago). Einen gewissen deutschen Bezug hat auch der Sieger Faugheen, denn sein Vater  Germany (Trempolino) war in den 90er Jahren ein erstklassiges Grand Prix-Pferd für Besitzer Jaber Abdullah und Trainer Bruno Schütz. 1995 gewann er jeweils mit Frankie Dettori im Sattel u.a. das Dr. Poth-Bayerische Zuchtrennen (Gr. I) und den Großen Preis von Baden (Gr. I), insgesamt gelangen ihm bei 17 Starts neun Treffer, siebenmal war er platziert. Seine Deckhengstkarriere verlief weniger geradlinig, war auch stets von Fruchtbarkeitsproblemen begleitet. Es begann unglücklich in Deutschland, dann stand er kurz in Irland, aus der dortigen Zeit stammt der Wittekindshofer Gruppe-Sieger Omikron. Einige Zeit war er in Dubai, war seit 2007 bis zu seinem Tod 2013 als National Hunt-Deckhengst in Irland tätig, zuletzt im Woodlands Stud. Er ist Vater einiger erstklassiger Hindernispferde wie Captain Cee Bee, Tiger Cry und jetzt Faugheen.

Ansonsten gab es wenig Aufregendes von den Pferden aus deutscher Zucht zu berichte: Dell’Arca (Sholokhov) und Golden Doyen (Doyen) etwa kamen in ihren Prüfungen gut gehend zu Boden und Lyvius (X) hatte keine bessere Chance. Immerhin hatte Lando ein Erfolgserlebnis, denn sein noch aus der Zeit in Frankreich stammender Sohn Qualando gewann das Fred Winter Juvenile Handicap Hurdle (Gr. III). Es war sein zweiter Sieg überhaupt, der vier Jahre alte Schützling von Paul Nicholls hatte erst beim Start zuvor seine Maidenschaft abgelegt, in Auteuil war er letztes Jahr einmal Vierter auf Listenebene geween.

Den Titel „Züchter des Meetings“ verdiente sich jedoch Frankie Dettori, der in dieser Funktion für Dodging Bulletts (Dubawi) verantwortlich ist. Der Wallach mit dem Profil eines Flachrennpferdes war als Jährling bei Tattersalls für 8.000gns. an den irischen Trainer Andy Oliver verkauft, günstig für eine Dubawi-Sohn, doch seine Stellung war nicht die Beste. Immerhin gewann er zwei Handicaps auf der Flachen, wurde dann aber in den Stall von Willie Mullins verkauft und kann inzwischen eine beeindruckende Vita über Sprünge vorweisen, gipfelnd im Sieg in der Queen Mother Champion Chase (Gr. I). Diesen Triumph erlebte Frankie Dettori mit, stylish gewandet in Hut und Dreiteiler. „Meine Karriere als Züchter ist aber vorbei“, berichtete er, „fünf Pferde habe ich gezogen, dass darunter ein Pferd wie Dodging Bullets dabei ist, macht mich schon stolz. Auch wenn eine Laufbahn über Hindernisse eigentlich nicht vorgesehen war…“

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