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Manduro eingegangen

Manduro. www.galoppfoto.de - Sabine Brose

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 625 vom Freitag, 03.07.2020

„Er war das beste Pferd, das ich je trainiert habe. Und das mit weitem Abstand.“ Das hat Andre Fabre einmal über Manduro (Monsun) gesagt. Ob der französische Meistertrainer seine Meinung inzwischen geändert hat, können wir nicht sagen, aber es war zu jener Zeit, in der der Hengst von Sieg zu Sieg eilte, schon eine Aussage. Und er hatte noch hinzugefügt: „Mit ihm war nichts unmöglich.“ Am Samstag ist dieser Manduro, fraglos eines der besten Pferde der deutschen Vollblutzucht, nach einer Herzattacke im Haras du Logis in der Normandie eingegangen.

Rolf Brunner aus Rheinau hat ihn gezogen, bei der BBAG-Jährlingsauktion 2003 ist er für 130.000 Euro über die IVA von Rüdiger Alles an Georg von Ullmann gegangen, in dessen Farben sollte er zunächst für Peter Schiergen seine Rennkarriere bestreiten. Zweijährig gewann er bei zwei Starts den Preis des Winterfavoriten (Gr. III), konnte dreijährig erst spät herausgebracht werden, siegte noch im Preis der Einheit (Gr. III). Dann wechselte er zu Andre Fabre, für den er vierjährig den Prix d’Harcourt (Gr. II) gewann, dann mehrere Male auf Gr. I-Ebene platziert war. Seine herausragende Saison hatte er fünfjährig, da blieb er bei fünf Starts ungeschlagen, gewann u.a. den Prix d’Ispahan (Gr. I), die Prince of Wales’s Stakes (Gr. I) und den Prix Jacques le Marois (Gr. I). Dieser führte über die Meile, doch Fabre sattelte ihn vier Wochen später im Prix Foy (Gr. II) über 2400 Meter, den gewann er ebenfalls. In der Vorbereitung auf den „Arc“ zog er sich jedoch eine Verletzung zu und musste seine Rennlaufbahn beenden. Bei 18 Starts konnte er zehn Rennen gewinnen, wurde 2007 von den internationalen Handicappern als bestes Pferd der Welt eingestuft.

Im Sommer 2007 hatte sich Scheich Mohammed die Deckrechte an Manduro gesichert, 23 Millionen Euro soll er damals bezahlt haben, die „Racing Post“ wiederholte die Summe dieser Tage. 2008 begann er seine Deckhengstkarriere im Kildangan Stud in Irland, für einen Tarif von 40.000 Euro. 2009 wechselte er in das Dalham Hall Stud nach England, kam dann noch einmal drei Jahre nach Irland zurück, bevor er 2013 in die Normandie wechselte, wo er zuletzt für eine Decktaxe von 7.000 Euro stand. Zwanzig Gruppe-Sieger hat er bisher gezeugt, auf Gr. I-Ebene waren in Europa Charity Line, Mandaean, Ribbons, der ebenfalls im Haras du Logis aufgestellte Ultra und Vazirabad erfolgreich, zudem aus seiner Shuttle-Zeit Braco Forte in Brasilien. Für die deutsche Zucht hat er zwei Gr.-Sieger gebracht, Kolonel und Meerjungfrau, zudem ist er Vater des Badener Gr. III-Siegers Soul Train. Er schiebt sich mehr und mehr als Vater erfolgreicher Mutterstuten in den Vordergrund, aus seinen Töchtern stammen u.a. die 1000 Guineas (Gr. I)-Siegerin Billesdon Brook (Champs Elysees), Billesdon Bess (Dick Turpin), die aktuelle Hardwicke Stakes (Gr. II)-Siegerin Fanny Logan (Sea The Stars) und Trais Fluors (Dansili). Coplaw, die aus der Röttgener A-Linie stammende Mutter der beiden „Billesdon“-Stuten, wurde letztes Jahr bei Tattersalls tragend von Kingman für 2,1 Millionen gns. an Coolmore verkauft.

Ihre eigene Auktionsgeschichte sollte auch Mandellicht (Be My Guest) schreiben. 2007 schickte sie Rolf Brunner über Ronald Rauscher tragend von Monsun zu Tattersalls, für drei Millionen Guineas wurde die damals 13jährige an Darley verkauft. Doch viel Freude hatten die neuen Eigner mit ihr nicht, von den fünf Fohlen, die sie noch brachte, kamen nur zwei zu Siegen und dies in kleinen Rennen. Manduros Schwester Mandela (Acatenango) hingegen, Listensiegerin und Dritte im Preis der Diana (Gr. I), ist inzwischen eine hoch erfolgreiche Mutterstute in Japan, hat drei Black Type-Sieger auf der Bahn, darunter den Gr. I-Sieger World Premiere (Deep Impact) und den zur Spitze des dortigen Dreijährigen-Jahrgangs zählenden Weltreisende (Dream Journey). In Deutschland ist diese lange im Gestüt Wittekindshof angesiedelte Familie derzeit nicht mehr existent. Ihren Ursprung hatte sie in der 1966 von Walther Jacobs eingeführten Mariapolis (Acropolis), die er später an Hans-Hugo Miebach abgab.   

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