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Malinas-Sohn gewinnt Schottisches Grand National

Mighty Thunder, Sieger im Schottischen Grand National. www.PennyPictures.co.uk

Autor: 

Catrin Nack

TurfTimes: 

Ausgabe 665 vom Freitag, 23.04.2021

Am vergangenen Sonntag – durch die Beerdigung von Prinz Philip war das Rennen um einen Tag verschoben worden – fand mit dem Schottischen Grand National das letzte der großen „Nationals“ des vereinigten Königreiches statt. Hierzulande denkt man beim Grand National sicher beinahe ausschließlich an das englische Äquivalent in Aintree. Schottland, aber auch Wales, denken da anders; die politische Lage auf der Insel ist nur bedingt harmonisch. Im Sport-Sektor wird dies natürlich besonders deutlich; alle Länder haben z.B. eigene Fußball-Nationalmannschaften (oder Rugby-Mannschaften). In Schottland als auch Wales haben die landeseigenen Nationals einen hohen Stellenwert im Rennkalender; ein Sieg einheimischer Trainer ist eine Frage der Ehre.

Zur Freude der lokalen Rennsport-Szene blieb das Schottische Grand National (Gr.3, ca. 6400m) in diesem Jahr nicht nur im Lande, es wurde eine überwältigend schottische Angelegenheit. Unter den 22 Startern waren neun Pferde aus schottischen Ställen, man stellte die Plätze 1-2-4-5.

Mighty Thunder hieß der Sieger, trainiert von Lucinda Russell, vor dem von Sandy Thomson (ehemals Alan King) trainierter Dingo Dollar (Jockey Ryan Mania); lediglich auf Platz drei schob sich mit Mr. Fogpatches (Trainer Pat Fahy, Jockey Danny Mullins) ein irisches Pferd. Thomson stellte auch die Viertplatzierten The Ferry Master (Sean Quinlan), der von Ian Jardine trainierte Cool Mix (Connor O´Farrell) komplettierte den schottischen Triumph. Ein überwältigender Erfolg des Landes, zuletzt hatte es im Jahr 2012 den Sieg eines einheimischen Trainers gegeben.

Russell, die mit One For Arthur 2017 in Englischen Grand National erfolgreich war, ist die erfolgreichste Trainerin des Landes; sie ist der erfolgreichste Trainer des Landes, Punkt. Ihre Wurzeln liegen im Vielseitigkeitssport, zusammen mit Partner Peter Scudamore hat sie nördlich von Edinburgh ihre Trainingszentrale etabliert. Gerade in der britischen Presse nimmt ihre Beziehung mit Scudamore großen Platz ein; er ist schließlich einer der Scudamores, eine der bekanntesten Rennsportfamilien der Insel. Peters Vater Michael gewann bereits im Jahr 1959 als Jockey das Grand National; Peter selber war achtfacher Champion-Jockey; als „Scu“ bekannt, war er zu seiner Zeit so populär wie „Frankie“ heute.  Der Sieg von Mighty Thunder war somit nicht eine schottische Angelegenheit, sondern auch Familiensache, saß doch Peters Sohn Tom im Sattel. Sein zweiter Sohn, ein weiterer Michael, hatte mit Some Chaos auch einen Starter im Rennen, der jedoch angehalten wurde. Tatsächlich haben Michael sen., Peter und Tom zusammen mit dem ehemaligen Guardian (heute Racing Post) Journalisten Chris Cook gar ein Buch („The Scudamores – Three of a kind“) geschrieben. Familiengeschichte, die auch britische Rennsportgeschichte ist.

Für Tom war es ein „Kistenritt“, Stammjockey Blair Campbell (ein Schotte) war nach einem Sturz nicht fit. „Ich bin sehr glücklich für Schottland, es ist schön, einen schottischen Sieger zu haben; und er ist auch noch im Schottischen Besitz", bekannte Lucinda Russel nach dem Sieg. 

Nicht schottisch ist die Abstammung des erst achtjährigen Wallachs. Der Braune trägt ein englisches Suffix, Balsam für die geschundene englische Seele, nachdem bei den großen Festivals so viele Sieger aus Irland kamen. Mighty Thunders Vater jedoch ist hierzulande bestens bekannt, ist er doch ein Sohn von Malinas. Der vom Gestüt Fährhof gezogene Lomitas-Sohn aus der großen Majorität könnte nicht nobler gezogen sein; inzwischen 20 Jahre alt, ist er seit rund fünf Jahren im irischen Glenview Stud beheimatet. Tatsächlich hat sich Malinas überspitzt formuliert hochgearbeitet; nach Stationen in Frankreich und einem eher kleinen Gestüt in England ist Glenview eines der führenden Gestüte Irlands; die Hindernis-Dependance des Rathberry Stud, jenseits der dominierenden Groß-Hengsthalter eine feine Adresse. Mit Sholokhov und Shirocco sind zwei weitere Hengste mit deutschem Hintergrund aufgestellt; in der Flachabteilung stehen vor allem Acclamation und Tagula bereit.

Mighty Thunder soll nach Plänen von Russell nur gen Richtung Aintree trainiert werden.  Die Becher Chase im Dezember ist das erste große Ziel des Wallachs, dann muss man weitersehen. Am Stehvermögen wird der Wallach nicht scheitern, „er ist sicher ein Pferd mit endlosen Stamina“ erklärte Russell in ihrer Analyse des Rennens.

Leider hatte das Schottische National einen tragischen Nachtrag, als der 12jährige große Außenseiter Claud and Goldie (Trainer Sandy Forster), als Neunter einer von 12 Pferden, die das Rennen beendet hatten, nach dem Ziel kollabierte und nicht gerettet werden konnte.

Ausgetragen wird das Schottische National auf der Rennbahn von Ayr, südlich von Glasgow an der Küste gelegen. Es ist Teil eines zweitägigen Meetings mit diversen hochklassigen Rennen, u.a. der schottischen Champion Hurdle und der Future Champion Novices´ Chase, die beide Gr.2 Status haben. Paul Nicholls kommt gerne angereist, auch Trainer Dan und Jockey-Bruder Harry Skelton nutzten das Meeting in diesem Jahr, um weitere Punkte auf dem Weg zum Champion-Jockey zu sammeln. Dieser wird am 24. April beim Renntag in Sandown gekrönt, und nach momentanem Stand der Dinge ist der Titel Harry auch theoretisch kaum noch zu nehmen. Mehr dazu in der nächsten Woche.

Catrin Nack

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