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Die internationale Lage im Zeichen des Corona-Virus

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 610 vom Freitag, 20.03.2020

Frankreich

Der drei Jahre alte Wallach Park Diamond (Diamond Green) war am Montag um kurz vor 20 Uhr in Marseille der vorerst letzte Sieger in einem Pferderennen in Frankreich. Seit Dienstag gibt es keinen Rennsport mehr, vorerst bis zum 15. April. Die Situation bezüglich des Wettgeschäftes wäre ohnehin prekär gewesen, da alle Restaurants und Bars geschlossen wurden. Viele der 11.000 PMU-Annahmestellen sind in Cafés und Bars integriert, so dass mit erheblichen Umsatzverlusten zu rechnen ist. Wie das sehr dichte französische Rennprogramm anschließend aufgebaut wird, ist noch völlig unklar.

Um die Wettumsätze nicht ganz auf null herunterzufahren, werden Wetten auf außereuropäische Bahnen forciert. So wurde am Mittwoch die umsatzträchtige Quinté-Wette über ein Rennen in Happy Valley/Hong Kong durchgeführt.

Das Auktionshaus Osarus hat die für den 8. und 9. April vorgesehene Breeze Up-Auktion im westfranzösischen La Teste abgesagt und um rund vier Wochen verschoben. Sie soll jetzt am 12. und 13. Mai stattfinden.

Arqana hält vorerst am Termin der Breeze Up-Auktion am 8. und 9. Mai in Deauville fest. Der vorläufige Katalog soll am 25. März veröffentlicht werden.

Großbritannien

Am Dienstag wurden die vorerst letzten Rennen gelaufen, bis Ende April wurde das komplette Programm ausgesetzt. Historiker erinnerten an die Maul- und Klauenseuche, die 1967 den britischen Rennsport für viele Wochen lahmlegte. Nicht ausgetragen werden so das Meeting rund um das Grand National, das All-Weather Finale, das Craven Meeting und das Hindernisfinale in Sandown. Wie das Programm in Richtung der Klassiker aufgebaut werden soll, ist noch unklar. Die 2000 Guineas (Gr. I) in Newmarket sind für den 2. Mai terminiert.

Bezüglich der anstehenden Auktionen hat Goffs erklärt, dass über die Breeze Up-Auktion am 22. und 23. April in Doncaster Ende März final entschieden werden soll. Möglicherweise wird sie nach hinten verschoben, doch soll sie in jedem Fall stattfinden.

Tattersalls hat die Auktion an diesem Donnerstag in Ascot abgesagt, genau wie die dort für den 1. April vorgesehene Breeze Up-Sale. Auch die Craven Sale wird nicht vom 13. bis zum 15. April durchgeführt, sondern vom 29. April bis zum 1. Mai in Newmarket stattfinden, wobei die in Ascot im

Katalog stehenden Pferde auch dort angeboten werden sollen. Die für Ende April wiederum vorgesehene Guineas Breeze Up Sale soll nun vom 27. bis 29. Mai über die Bühne gehen.

Hunderennen werden in Großbritannien weiter ausgetragen, wenn auch ohne Besucher. 

Irland

Bis auf Weiteres, mindestens bis zum 29. April, finden alle Rennveranstaltungen ohne Zuschauer statt. Pro Pferd sind jeweils nur ein Trainer oder Vertreter und ein Stallangestellter zugelassen, das soll nach einer am Mittwoch durchgeführten Sitzung von Horse Racing Ireland strikt kontrolliert werden. Besitzer dürfen nicht auf die Bahn. Die Saunen auf den Bahnen sind geschlossen, das Gewicht wird um durchweg ein Kilo hochgesetzt. Alle Aktiven haben nach ihren Rennen die Bahnen sofort zu verlassen. Die Entscheidung, weiterhin Rennen durchzuführen, ist von Trainern, Besitzern und Jockeys sehr positiv aufgenommen worden. Ausländische Pferde, etwa aus Großbritannien, dürfen jedoch nicht an den Start kommen.

Die Termine wurden leicht verändert, Doppelveranstaltungen an einem Tag wird es nicht geben. So gibt es von diesem Freitag an mindestens einen Renntag pro Tag, vorerst bis zum 29. Mai. 

USA

Das Kentucky Derby (Gr. I), vorgesehen für den ersten Samstag im Mai, wird am ersten Samstag ausgetragen – im September. Ein Szenario ohne Zuschauer wäre wirtschaftlich nicht vertretbar. Allein im letzten Jahr waren trotz schlechten Wetters an dem zweitägigen Meeting 260.000 Besucher vor Ort, die Wettumsätze lagen bei 310 Millionen Dollar. Die neuen Termine sind der 4. und der 5. September.

Wie es mit den anderen Rennen der amerikanischen Triple Crown aussieht, ist noch unklar. Die Preakness Stakes (Gr. I) sollen am 16. Mai gelaufen werden, die Belmont Stakes (Gr. I) am 6. Juni. Nicht unmöglich, dass sie in den Herbst verschoben werden.

Die meisten derzeit gelaufenen Rennen in den USA werden ohne Zuschauer abgehalten. So wurden die mit einer Million Dollar ausgestatteten Rebel Stakes (Gr. II) in Oaklawn Stakes am Samstag vor leeren Rängen ausgetragen. An diesem Wochenende wird es ähnliche Szenarien u.a. in Aqueduct, Gulfstream Park, Santa Anita, Tampa Bay, Laurel Park und Woodbine (Kanada) geben.

Keeneland hat sein Frühjahrs-Meeting jedoch komplett abgesagt, gestrichen wurde dort auch die April 2-Years-Olds in Training and Horses of Racing Age Sale. Eine Reihe von kleineren Bahnen wie Turf Paradise und Rillito Park veranstalten aktuell überhaupt nicht mehr, auch in Maryland wurden Bahnen geschlossen. Auf diesen sind teilweise auch Kasinos integriert, deren Türen ebenfalls zu bleiben.

Auch die von Fasig-Tipton für den 1. April vorgesehene Gulfstream Sale of Selected Two-Year-Olds in Training in Florida wurde gecancelt. Die dafür vorgesehenen Pferde könnten in den Katalog der nun für den 26. und 27. Mai angesetzten Midlantic Two-Year Olds in Training Sale in Timonium/Maryland rücken. Zudem wurde dort für Juni eine weitere Breeze Up-Auktion angesetzt.

Der Trabertrainer Carmine Fusco, dessen Pferde in Pennsylvania und auf der New Yorker Rennbahn Yonkers starteten, starb am Mittwoch im Alter von 55 Jahren am Corona-Virus, fünf Tage nach seiner Schwester. Andere Fammilienmitglieder sollen in kritischem Zustand sein. Fusco hatte in seiner Karriere 2.531 Rennen gewonnen. Die Rennbahn in Yonkers ist schon seit geraumer Zeit geschlossen. 

Australien

Auf den großen Bahnen wird das Programm zwar wie vorgesehen abgespult, aber Zuschauer sind nicht zugelassen. Nicht einmal die Besitzer der startenden Pferde dürfen kommen, da in Australien das Gros im Besitz von vielköpfigen Syndikaten ist – da wäre es schwierig auszuwählen, wer denn die Bahn betreten darf.

Die wichtige Australian Easter Yearling Sale von Inglis soll am 7. und 8. April vorerst wie geplant über die Bühne gehen, auf das Auktionsgelände dürfen jedoch nur geladene Gäste. Bei jedem, der in den Auktionsring geht, soll zuvor die Temperatur gemessen werden. 514 Jährling stehen bei dieser Premium-Auktion im Katalog, gerechnet wird mit einem Umsatz von 125 Millionen A-Dollar (ca. €78 Mio.)

Schweiz

Trab- und Galopprennen wurden vorerst ausgesetzt. Komplett gestrichen sind bereits die für den 5. und 13. April geplanten Galopprennen in Fehraltorf. Eine Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt ist nicht möglich. Der Nennungsschluss für das am 21. Juni in Frauenfeld vorgesehene Schweizer Derby ist vorerst ausgesetzt, er wäre am kommenden Dienstag gewesen. Es soll zeitnah entschieden werden, wie es diesbezüglich weitergeht.

Osteuropa

Die geplanten Renntage in Tschechien am 5. April in Prag (Saisoneröffnung) und am 11. April in Most wurden abgesagt. In Budapest/Ungarn gab es am Sonntag eine Trabrennveranstaltung ohne Zuschauer. Ob demnächst Galopprennen stattfinden, ist noch unklar. In Bratislava/Slowakei wurden die ersten drei Renntage inklusive des 19. April abgesagt.

Völlig von der Außenwelt abgeschlossen ist das tschechische Gestüt Strelice, das in einem von mehreren von Covid-19-Fällen betroffenen Gebiet liegt. Die Polizei hat das Gebiet für mindestens 14 Tage abgeriegelt, das Gestüt, in dem die Deckhengste Eagle Top und Va Bank stehen, hat nach eigenen Angaben genügend Futter, doch kommen derzeit keine Stuten zum Decken hinein.

Spanien

Bis auf Weiteres gibt es keine Rennen. Das Trainingszentrum auf Madrids Rennbahn La Zarzuela ist abgeriegelt, Pferde kommen nicht hinein und nicht heraus.

Ferner Osten

Die Rennen in Japan, Macao und Hong Kong finden unverändert ohne Zuschauer statt, Malaysia hat die Rennen abgesagt, auch in Südkorea werden unverändert keine Rennveranstaltungen durchgeführt, doch hat sich die Virus-Situation leicht verbessert. Singapur lässt Besucher zu, es wird jedoch streng kontrolliert.  Der Stadtstaat hat auf Grund sehr restriktiver Maßnahmen das Virus relativ gut in den Griff bekommen.

Da in Hong Kong Personen, die aus dem Ausland anreisen, zwei Wochen in häusliche Quarantäne müssen, hat Jockey Joao Moreira seine für den World Cup-Tag in Dubai angenommenen Ritte abgesagt. Er wäre ansonsten für fünf Renntage in Hong Kong ausgefallen. In Dubai war er für aus Hong Kong anreisende Pferde sowie Starter aus Japan gebucht.

Ein kurzer Tweet aus Japan zeigt, wie das aktuell dort aussieht. Nach einer Schweigeminute zu Ehren der Opfer des Tsunamis 2011 eilen die Jockeys (darunter auch die Französin Mickaelle Michel) auf der lokalen NAR-Rennbahn Funabashi zu ihren Pferden und werden durchweg von den Pferdeführern in den Sattel geworfen. Ansonsten sind nur noch Offizielle zu sehen, Trainer und Besitzer fehlen ganz.

Klick zum Tweet

Filip Minarik begab sich am Freitag wie gewohnt in Quarantäne, wobei dies bei den Jockeys in Japan ohnehin zu den Renntagen üblich ist. Diesmal gleich drei Tage, denn von Freitag bis Sonntag sind durchgehend Rennen angesagt. „Diesmal ohne einen Kontakt nach außen, denn wir können nur japanische Nachrichten empfangen und mein Übersetzer hängt in Australien fest“, berichtet er, „ich hoffe, dass die Welt noch da ist, wenn ich Sonntag die Quarantäne wieder verlassen kann.“

Skandinavien

In Norwegen ist der Saisonbeginn erst für den 23. April vorgesehen. Schweden veranstaltet aktuell Trabrennen ohne Zuschauer. Der nächste Galopprenntag soll am 26. März in Jägersro durchgeführt werden. Er könnte unter ähnlichen äußeren Bedingungen wie bei den Trabern durchgeführt werden.

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