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"Hurricane Run passt hervorragend nach Deutschland"

Hurricane Run und sein Züchter Dietrich von Boetticher nach dem Sieg in den King George VI and Queen Elisabeth Diamond Stakes. www.galoppfoto.de - Frank Sorge

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 219 vom Donnerstag, 14.06.2012

Back to the roots: Vor gut einer Woche ist der inzwischen zehn Jahre alte Hurricane Run in das Gestüt Ammerland seines Züchters Dietrich von Boetticher zurückgekehrt, genauer in die Dependance Bernried, ebenfalls am Starnberger See gelegen. Der Sohn des vor Kurzem eingegangenen Montjeu hatte in der Obhut von Andre Fabre eine bemerkenswerte Rennkarriere hingelegt: Dreijährig gewann er den Prix de l'Arc de Triomphe (Gr. I) und das Irish Derby (Gr. I), war im Prix du Jockey Club (Gr. I) mit Kopf geschlagen von Shamardal (Giant's Causeway). Es war damals die erste Ausgabe des Französischen Derbys über 2100m, über die klassischen 2400m hätte er vermutlich gewonnen. Vierjährig gewann er die King George VI and Queen Elizabeth Stakes (Gr. I) und den Tattersalls Gold Cup (Gr. I), war in drei Gr. I-Rennen inklusive dem "Arc" platziert. Im Sommer 2005 wurde er an Coolmore verkauft und bestritt seine weitere Rennkarriere in den Farben von Michael Tabor. Wir sprachen mit Dietrich von Boetticher über seinen jüngsten Deckhengstzugang.

Hurricane Run mit Kieron Fallon gewinnt den Prix de'l Arc de Triomphe Lucien Barriere auf der Galopprennbahn Longchamp: www.galoppfoto.de - Frank SorgeHurricane Run mit Kieron Fallon gewinnt den Prix de'l Arc de Triomphe Lucien Barriere auf der Galopprennbahn Longchamp: www.galoppfoto.de - Frank Sorge

 

TT: Wie kam es dazu, dass Hurricane Run in Ammerland aufgestellt wird ?

DvB: Es ist zwischen Coolmore und mir schon bei dem Verkauf vereinbart worden, dass ich eine Art erstes Zugriffsrecht haben würde, wenn Hurricane Run einmal woanders aufgestellt wird. Das ist jetzt geschehen. Der Hengst hat in den ersten Jahren, wie das in Coolmore so üblich ist, umfangreiche Stutenlisten im dreistelligen Bereich gedeckt. Das war doch sehr anstrengend für ihn, hat sich letztes Jahr bei seiner Fruchtbarkeit bemerkbar gemacht. Dieses Jahr war die Stutenzahl übersichtlicher, er hat wieder befruchtet. Und das Problem mit quantitativ sehr großen Listen haben wir nun einmal nicht. Für Coolmore ist ein Hengst besonders interessant, wenn er über einhundert Stuten deckt. Es ist ein konsequent geführtes, ganz hervorragendes Gestüt, die Ergebnisse geben ihnen absolut recht.

TT: Wie beurteilen Sie die bisherigen Vererberqualitäten des Hengstes?

DvB: Auffällig ist, dass er gerade bei den Zweijährigen in den einschlägigen Statistiken immer ganz weit vorne liegt. Er hat zahlreiche Gruppe-Sieger, wenn auch noch keinen auf Gruppe I-Ebene, aber er liegt überall in den Bestenlisten oben. Auch sein Vater Montjeu war im Gestüt kein Frühstarter. Was er inzwischen geleistet hat, brauche ich nicht aufzuzählen. Ein anderer Hengst, der etwas zögerlich gestartet ist, dessen Decktaxe auch schnell heruntergenommen wurde, ist Rock of Gibraltar. Er wurde nach Japan geschickt, aber wieder zurückgeholt, als seine Nachkommen große Rennen gewannen. Und er ist jetzt einer der führenden Deckhengste in Europa.

 

TT: Die Decktaxe für Hurricane Run wird zunächst mit "private" angegeben, in Coolmore stand er dieses Jahr für 12.000 Euro. Was haben Sie sich denn ungefähr vorgestellt?

DvB: Ich denke, dass wir unter 10.000 Euro gehen werden, wir sind ja schließlich in Deutschland. Aber das muss noch mit Coolmore abgesprochen werden, denn der Hengst bleibt  weiterhin in deren Eigentum. Er ist von uns auf vorerst nicht genau definierte Zeit gepachtet.

 

TT: Glauben Sie, dass er in Deutschland angenommen wird?

DvB: Ganz sicher. Ich bin davon überzeugt, dass er mit seinen Rennleistungen und seiner Abstammung sowie mit seinen nachgewiesenen Vererberqualitäten hervorragend in die deutsche Vollblutzucht passt. Er stammt aus einer Surumu-Mutter, die ihrerseits auf eine reichlich mit Black Type-Pferden gesegnete Familie zurückgeht.

 

TT: Und Sie werden ihn auch dementsprechend unterstützen?

DvB: Sonst hätte ich ihn nicht geholt. Er wird in Bernried stehen, dort ist genügend Platz für Gaststuten. Wir haben inzwischen ja selbst über fünfzig Mutterstuten.

 

TT: Mit Kandahar Run und Boreal stehen in Ammerland auch noch zwei weitere Hengste. Gerade Kandahar Run haben Sie in dessen erstem Jahr massiv unterstützt, allein 21 ihrer Jährlinge stammen von ihm. Wie wird es mit ihm weitergehen?

DvB: Seine Jährlinge machen sich sehr gut, sie sind sehr vielversprechend. Wir werden sie zu unseren Trainern geben, es ist natürlich ein Hengst, der sich selber machen muss. Er war ein sehr hoffnungsvolles Rennpferd und es gibt in der Historie genügend Beispiele, dass erstklassige Vererber nicht immer dementsprechende Rennleistungen gebracht haben müssen. Danzig ist da zu nennen. Er wird in gewissem Rahmen auch weiterhin unterstützt. Boreal hat bedauerlicherweise kein Pferd seiner Klasse gebracht, was bei einem so herausragend aussehenden Hengst sehr schade ist.

 

TT: Und es gibt auch noch Lope de Vega in Irland.

DvB: An ihm halte ich unverändert einen Anteil, dort stehen einige unserer Stuten. Seine ersten Nachkommen hinterlassen einen hoffnungsvollen Eindruck.   

 

TT: Was gibt es von den Cracks im Rennstall Neues, von Golden Lilac und Waldlerche?

DvB: Wenn man in den Geschichtsbüchern nachschaut, dann war der Sieg von Golden Lilac als Jahresdebutantin gegen konditionsstarke Gegner im Prix d'Ispahan schon eine Mordsleistung. Royal Ascot haben wir wegen des zu erwartenden weichen Bodens gestrichen. Andre Fabre hat mit ihr viele Möglichkeiten im Hinterkopf, der 'Arc' ist aber noch in weiter Ferne. Waldlerche hat leider doch Probleme mit ihrem Temperament, das wissen wir seit langem und das hat sich auch zuletzt im Rennen gezeigt. Deshalb wurde sie im Prix de Diane gestrichen, sie wird behutsam trainiert, alles weitere wird sich ergeben. 

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