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Hotspot Hoppegarten mit dem 121. Großen Preis

"Er hat sich von Start zu Start verbessert, ich bin mal sehr gespannt wie er sich auf Gr. I-Ebene gegen Scalo und Co. schlägt": Sascha Smrczek mit Lucas Cranach im Stall in Düsseldorf. www.dequia.de

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Turf aktuell

TurfTimes: 

Ausgabe 174 vom Donnerstag, 21.07.2011

Man muss schon zehn Jahren zurückgehen, um eine zweistellige Zahl von Startern im ehemals als Deutschland-Preis ausgetragenen Turf-Highlight der höchsten Gruppe-Kategorie zu finden. Die lange Zeit in Düsseldorf beheimatete Prüfung bot zwar stets die mit Spannung erwartete erste Gelegenheit eines Kräftemessens von Vertretern des Derby-Jahrgangs und älteren Cracks auf der Steherdistanz, doch diese Gelegenheit wurde in der letzten Zeit nur von einer Handvoll Vollblütern wahrgenommen. Auch die einmalige Integration in die Hamburger Derby-Woche im Vorjahr brachte hier keine Veränderung.

Die Übersiedlung nach Berlin-Hoppegarten, wo am Sonntag mit dem 121. Großen Preis von Berlin (Gruppe I, 2400m, €175.000) erstmals ein Rennen der Gruppe I ausgetragen wird, rückte die Prüfung offensichtlich wieder stärker in den Fokus der Ställe. Bei der Premiere an neuer Austragungsstätte werden zehn Galopper die Startboxen beziehen, wovon drei erst über eine für den Besitzer kostspielige, für den Rennverein allerdings lukrative Nachnennung ins Aufgebot rutschten. Doch nicht nur die Quantität dieses Grand Prix stimmt, auch die Qualität kann sich sehen lassen.

Mit Gestüt Ittlingens Scalo tritt der amtierende „Galopper des Jahres“ in Berlin an. Der von Andreas Wöhler trainierte 4jährige Hengst hat dabei den 22jährigen Franzosen Maxime Guyon im Sattel. Sein letzter Start in Mailand endete mit einer ernüchternden Niederlage im Gran Premio di Milano, die der Lando-Sohn in Hoppegarten vergessen machen will. Scalo hatte beim Saisondebüt im Kölner Gerling-Preis imponierend gewonnen, daran will man am Sonntag anknüpfen.

Im Gerling-Preis ließ er u.a. Stall Salzburgs Night Magic klar hinter sich. Die 5jährige Stute aus dem Münchener Quartier von Wolfgang Figge, die Scalos Vorgängerin in der Rolle des „Galoppers des Jahres“ war, triumphierte anschließend in Baden-Baden auf Gruppe II-Ebene. Mit Filip Minarik im Sattel gehört die im Vorjahr bereits in Hoppegarten siegreiche Stute zum Kreis der chancenreichen Kandidaten, auch wenn sie gegen Scalo bislang zweimal den Kürzeren zog. „Aller guten Dinge sind drei“, so lautet das Motto der Night Magic Fans.

Mit dem in Düsseldorf von Sascha Smrczek trainierten Lucas Cranach (Eugen Frank) könnte sich ein weiterer deutscher Hengst in das Duell der beiden „Galopper des Jahres“ einmischen. Der 4jährige Hengst gewann zuletzt den Hamburger Hansa-Preis auf Gruppe II-Level und versucht sich nun erstmals in der Bel Etage der Gruppe-Rennen. Dabei wird ein weiterer Sprung von ihm verlangt, doch hat der Mamool-Sohn schon so manchen Leistungssprung umsetzen können. Die beiden weiteren deutschen Vertreter der älteren Jahrgänge, der Schlenderhaner Solidaro (Michael Cadeddu) und die mittlerweile von Markus Klug trainierte Stute Superstition (Andreas Suborics), müssen gegen dieses Trio zurückstehen und übernehmen jeweils nur eine Außenseiterrolle.

Durch zwei nachgenannte Vertreter des Derby-Jahrgangs hat sich der Reiz der Hoppegartener Prüfung noch spürbar erhöht. Die von Peter Schiergen für das Gestüt Burg Eberstein trainierte Danedream absolviert dabei ihren ersten diesjährigen Start auf einer deutschen Rennbahn. Die letztjährige Dritte der Winterkönigin hat in dieser Saison ihre Meriten in Italien mit einem 3. Rang im italienischen Derby und einem souveränen Erfolg in den italienischen Oaks verdient. Ihren letzten Start in Frankreich beendete sie jedoch als Fünfte, was die Hoffnungen auf eine vordere Platzierung am Sonntag etwas dämpft. Für den Ritt auf Danedream mutet sich Stalljockey Andrasch Starke viel zu: Allzu üppig wird sein Speiseplan am Wochenende angesichts der nur 53 Kilogramm, die er am Sonntag in den Sattel wuchten darf, nicht ausfallen.

Neben Danedream vertritt auch Gereon, der Lokalmatador aus dem Stall von Christian Zschache, die Interessen des Derby-Jahrgangs. Der im Vorjahr ungeschlagene Hengst wurde im Deutschen Derby angaloppiert und beendete das Rennen nur als Zehnter. Auf der Heimatbahn will der von Eduardo Pedroza gerittene Next Desert-Sohn wieder an die bessern Leistungen zuvor anknüpfen.

Was wäre ein Grand Prix der höchsten sportlichen Kategorie ohne interessante ausländische Starter? Gleich drei Gäste befinden sich diesmal im Starterfeld. Darunter ist der Norweger Sir Lando (Dominique Boeuf) fast schon ein Dauergast auf deutschen Rennbahnen. Der Drittplazierte des Hansa-Preises vor einem Monat dürfte auf diesem sportlichen Level allerdings an seine Grenzen stoßen und zählt zu den klaren Außenseitern.

Dies sieht bei den beiden britischen Gästen anders aus. Sowohl der von James Given trainierte Dandino (Tom Queally) als auch der Godolphin-Vertreter Cavalryman (Lanfranco Dettori) melden erste Siegchancen an. Im letztjährigen Großen Preis von Baden musste der seinerzeit favorisierte Cavalryman zwar Night Magic klar vor sich dulden, doch stand sein Start an der Oos unter dem Aspekt der Arc-Vorbereitung. In Paris gelang dem 2009er Arc-Dritten im Vorjahr dann nur Rang 8. Danach blieb er allerdings bei seinem Saisonabschluss auf Gruppe I-Ebene in Mailand vor Night Magic. In dieser Saison konnte der von Saeed Bin Suroor trainierte 5jährige Hengst in der Heimat noch nicht überzeugen.

Anders als der vor zwei Jahren schon in einem Gruppe 1 Rennen siegreiche Cavalryman hat der 4jährige Hnegst Dandino auf diesem Parkett trotz dreier Versuche noch nicht punkten können. Für ihn steht allerdings ein Erfolg in einem britischen Gruppe II Rennen in diesem Frühjahr zu Buche, was ihm in Hoppegarten Chancen einräumen sollte. Beide Briten gehören in ihrer Heimat aktuell nicht zur allerersten Garnitur, was angesichts der zeitlichen Konkurrenz zu den am Samstag anstehenden King George VI and Queen Elizabeth Diamond Stakes nicht verwundert. Die Vergangenheit hat oft gezeigt, dass dies kein Hinderungsgrund für einen Erfolg in einem deutschen Gruppe I-Rennen ist.

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