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Hawksmoor und Dhaba im Fokus der German 1000 Guineas

Die deutsche Hoffnungsträgerin Dhaba - hier mit Adrie de Vries beim Sieg im Preis der Winterkönigin. www.galoppfoto.de- Sarah Bauer

Autor: 

Daniel Delius

Seit Mitte der 60er Jahre werden Galopprennen weltweit aus Startboxen abgelassen. Vorher gab es Konstruktionen mit hochschnellenden Gummibändern oder der Starter winkte ganz simpel mit einer Flagge. Die neue Regelung sollte eine Chancengleichheit für alle Teilnehmer ermöglichen. Auf langen Strecken, bei übersichtlichen Starterzahlen, da ist es ziemlich egal, welche Box das Pferd betrifft. Doch bei den Wempe 96. German 1000 Guineas (beim Klick auf den Renntitel gibt es alle Infos!), dem Stutenklassiker mit dem archaischen Titel am Sonntag in Düsseldorf-Grafenberg, dem Hauptereignis am Königsallee-Renntag, ist das ein wenig anders. Es geht über 1600 Meter, die erste Kurve steht schon nach etwa 200 Metern an, dann kommen noch mehrere Ecken, es ist ein attraktiver, aber auch anspruchsvoller Kurs. Und alles steht und fällt mit der Startnummer. Denn es laufen 16 Pferde, die aus Sicherheitsgründen vorgeschriebene Höchststarterzahl.

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Taktisches Geplänkel ist da außen vor, es gilt, von Beginn an eine gute Ausgangsposition zu bekommen. Deshalb dürfte nach der immer durch einen Computer vorgenommenen Auslosung im Lager der Favoritinnen leichte Panik ausgebrochen sein. Denn zwei Pferde stehen besonders im Fokus: Die aus England anreisende Hawksmoor, eine der Spitzenstuten auf der Insel, trainiert vom Shooting Star der Branche, dem 35 Jahre alten Hugo Palmer. Und Dhaba, die einheimische Hoffnung, aus dem Stall von Markus Klug in Köln-Heumar, 2014 Deutscher Meister seiner Berufssparte, aktuell mit 29 Jahressiegen wieder klar die Nummer eins der Statistik.

Hawksmoor, gerade zum Jahreseinstand Dritte in einem großen Rennen in Frankreich, bekam die Startbox-Nummer eins zugelost. Hört sich gut an, aber es bedingt einen optimalen Start, fast schon den Zwang, gleich an die Spitze zu gehen, um nicht gleich von Konkurrentinnen überholt und an der ersten Kurve hoffnungslos eingeschlossen zu sein. Zudem schwingt sich James Doyle, 28, in den Sattel, ein internationaler Top-Jockey, aber noch in Düsseldorf dabei gewesen, mit dem trickreichen Kurs somit nicht vertraut.

Eine besondere Herausforderung wartet aber auch auf Adrie de Vries. Der 46 Jahre alte Niederländer reitet Dhaba, die vielleicht beste deutsche Stute im Feld, sie geht aus Startbox 15 ins Rennen. Das bedeutet, dass 14 andere innen von ihr galoppieren, es bedeutet manchen Meter mehr zurückzulegen, trotzdem kraftsparend zu agieren. Ihr Trainer ist zunächst einmal skeptisch. „Bei normalem Rennverlauf ist die Engländerin nicht zu schlagen“, sagt Klug, „da laufen wir nur um die Platzgelder mit.“
Die 16 Stuten, die nach dem Stand der Dinge am Sonntag gegen 17.10 Uhr in den mit stolzen 125.000 Euro dotierten German 1000 Guineas laufen werden, bedeuten im Übrigen das größte Starterfeld seit 2004. Damals liefen 15 und es gewann mit Shapira die vorletzte Außenseiterin im Feld. Nicht gerade eine gute Nachricht für das Lager der Favoritinnen.

Ein besonderes Pferd startet im sechsten Rennen des Tages: Der sechs Jahre alte Protectionist gibt sein Comeback in Deutschland. 2014 gewann er für den Gütersloher Trainer Andreas Wöhler in Australien den Melbourne Cup, eines der wichtigsten Rennen der Welt. Siegpreis: 2,3 Millionen Euro.
Er blieb dann in Australien, kam aber nicht zurecht, so dass ihn seine Besitzergemeinschaft wieder in den angestammten Stall nach Ostwestfalen schickte. Der Neustart erfolgt in einem 4000-Euro-Rennen, eigentlich eine Pflichtaufgabe für ihn.

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