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Eddie Pedroza im Porträt: "Simonas ist meine Nummer Eins"

Eddie Pedroza beim Turf-Times Interview in Gütersloh. Foto Karina Strübbe

Autor: 

Karina Strübbe

TurfTimes: 

Ausgabe 207 vom Donnerstag, 22.03.2012

Erwartet man südamerikanische Pünktlichkeit, ist man unweigerlich überrascht. Bereits einige Minuten vor der vereinbarten Uhrzeit trifft Eddie Pedroza am Alex in der Gütersloher Innenstadt ein. Es ist Montag, fast schon traditionell sein freier Tag, ein Interview ist trotzdem – oder gerade deswegen – dran. Auch in anderer Beziehung hat sich der gebürtige Panamese mittlerweile gut eingelebt. Deshalb entfallen die üblichen Fragen nach dem deutschen Wetter und dem Umgang damit. Ohnehin liegt der Frühling in der Luft ...

von  Karina Strübbe

Eddie Pedroza beim Turf-Times Interview. Foto Karina StrübbeEddie Pedroza beim Turf-Times Interview. Foto Karina StrübbeDie Vorfreude, fast schon Ungeduld, auf die neue Saison ist ihm deutlich anzumerken. Jetzt, wo der Start zur Grasbahnsaison nur noch eine Sache von Tagen ist, steigt natürlich auch allenthalben die Spannung. „Ich freue mich immer, wenn die Saison anfängt, auf die hoffnungsvollen Pferde, die Dreijährigen und Zweijährigen. Darauf, die Kräfte auch mit den anderen zu messen und zu gucken, wie gut die sind. Und das freut mich, wenn ich weiß, dass man gegen gute Pferde läuft. Zum Beispiel hat Peter Schiergen einen im Rennen,  Waldemar Hickst oder  Uwe Ostmann, um nur ein paar zu nennen. Man weiß, dass deren Pferde auch gut vorbereitet sind. Man ist immer gespannt, wie weit die sind und wie viel sie geben.“ Dazu kommt natürlich die spannende Frage, wie gut der eigene Nachwuchs ist.  Kolonel Novellist, Andolini Raipur sind Pferde, auf die Eddie Pedroza in diesem Jahr hofft. „Dann sind da noch einige dunkle Pferde.“ Trotzdem steht die Gesundheit für Pferd und Reiter an erster Stelle.

Schon auf der Zielgerade von Simonas großer Rennkarriere: Der Sieg in Bad Doberan. www.galoppfoto.deSchon auf der Zielgerade von Simonas großer Rennkarriere: Der Sieg in Bad Doberan. www.galoppfoto.deEin richtiges Lieblingspferd unter den aktiven Galoppern im heimischen Stall hat Eddie Pedroza aber nicht. Seine „Nummer Eins“ steht auf der Wiese und genießt die wohlverdiente Rente, Simonas. Gleich zweimal während des Interviews landet das Gespräch bei Simonas. Dass er einen besonderen Platz einnimmt, ist mehr als deutlich zu spüren, die Siege mit ihm seien immer etwas ganz Besonderes gewesen. „Ich kann mich noch erinnern, wo wir in Baden-Baden gewonnen haben, da war er schon in höherem Alter. Das war die Baden-Württemberg-Trophy. Da hatten wir alle Tränen in den Augen. Ich kannte Simonas schon als Jährling, ich weiß noch, wie er in den Stall gekommen ist, damals war er noch grau. Jetzt ist er schon sehr weiß. Mit dem war immer jeder Sieg besonders, weil ich auf ihn immer besonders aufgepasst und immer ein Auge drauf geworfen habe. Das war schon toll, dass er – toi, toi, toi – gesund in Rente gehen konnte.“

Eduardo Pedroza und sein Coach Andreas Wöhler im Jockeyraum 2004 in Dresden. www.galoppfoto.deEduardo Pedroza und sein Coach Andreas Wöhler im Jockeyraum 2004 in Dresden. www.galoppfoto.de

Was das Erfolgsrezept für mittlerweile fast 15 Jahre Zusammenarbeit ist mit Trainer Andreas Wöhler ist, würden wir gern wissen. Hier gerät Eddie Pedroza geradezu ins Schwärmen. „Die Kommunikation funktioniert einfach. Natürlich gibt es in jedem Stall mal Unstimmigkeiten, aber wir reden über alles und dann sind wir wieder auf der gleichen Seite. Wenn ich Zweifel habe, frage ich und er erklärt mir das. Das Team an sich funktioniert auch sehr gut. Ich habe den Trainer auch kaum mal schreien hören oder so was. Es gibt natürlich auch Zeiten, wo man schlecht drauf ist, aber wir kommen trotzdem gut klar, als wenn wir seine ganzen Kinder wären. Er redet genauso mit mir wie mit jedem anderem im Stall, jeder mag ihn.“ Da ist es wohl auch kein Wunder, dass Eddie Pedroza keinerlei Veränderungsabsichten hegt. Ihm gefällt es in Gütersloh, offenbar so gut, dass in der Vergangenheit auch schon einmal ein Angebot aus dem Ausland abgelehnt wurde. Geht es nach ihm, kann es also erst einmal so bleiben, wie es ist. Ans Aufhören verschwendet Eddie Pedroza jedenfalls noch keinen Gedanken. „So lange man sich wohlfühlt, kann man noch reiten. Ich habe mir kein Ziel gesetzt, wann ich aufhören will. So lange ich Spaß habe und der Erfolg da ist, will ich noch reiten.“

Denkerpose: Eddie Pedroza 2011 in Düsseldorf. Foto Karina StrübbeDenkerpose: Eddie Pedroza 2011 in Düsseldorf. Foto Karina StrübbeAußerdem hat Eddie Pedroza auch noch so einige Ziele. Nach vier Jahren endete 2011 das scheinbare Dauerabo aufs Jockeychampionat. Die Nase voll davon hat er trotzdem längst noch nicht. „Das wird auch ein Ziel sein. Letztes Jahr hat das ja nicht geklappt mit Reitverbot und Auslandreisen. Aber ich habe mich auch für Filip, genau wie auch für den Alex, gefreut, die haben sich einen harten Kampf geliefert und das war schon gut. Dieses Jahr ist das wieder ein Thema für mich. Gerade wenn man auf Kurs ist, will man auch ein bisschen mehr. Ich versuche das ein bisschen früher zu erledigen als Silvester.“ Eduardo Pedroza mit den Jockey-Kollegen Filip Minarik (l.) und Alexander Pietsch (r.). www.galoppfoto.deEduardo Pedroza mit den Jockey-Kollegen Filip Minarik (l.) und Alexander Pietsch (r.). www.galoppfoto.deNeben der Rückeroberung des Championats hat Eddie Pedroza aber auch noch ein bestimmtes Rennen im Blick, das Deutsche Derby. Nach zwei dritten und einem zweiten Platz in den Jahren 2009 bis 2011 ist das doch jetzt mal dran? "Die Aussichten werden immer besser", lacht er. „Das ist ein Rennen hier in Deutschland, das ich wirklich gern mal gewinnen würde.“ Er habe sich im letzten Jahr, als er mit Earl Of Tinsdal Zweiter hinter dem Stallgefährten Waldpark wurde, übrigens nicht geärgert. „Jeder Mensch in Deutschland hat gedacht, dass ich mich geärgert habe. Aber da gibt es andere Sachen, die schlimmer sind. Ich habe mich echt gefreut. Mein Kollege Jozef arbeitet auch sehr viel und hat das auch verdient. Für meinen Trainer habe ich mich auch gefreut. Da waren so viele Dinge, dass ich keinen Grund hatte, mich zu ärgern. Wenn ich zum Beispiel Zehnter gewesen wäre, hätte ich mir natürlich die Haare ausgerissen und dann hätte ich auch gesagt, dass ich den Falschen geritten habe, aber wenn man in so einem Rennen Zweiter ist, ist einem kein Zacken aus der Krone gefallen.“ Eddie Pedroza sagt das so, dass man es ihm auch glaubt.

Ansonsten ist da noch eine offene Rechnung mit dem Zukunftsrennen, ebenfalls ein Rennen, das noch auf der To-do-Liste von Eddie Pedroza steht. Nach der Disqualifikation mit Nice Danon vor anderthalb Jahren und „bestimmt sechs bis sieben zweiten Plätzen“ sei das einfach mal dran. „Da wäre es echt mal schön für die ganze Mannschaft, wenn das mal klappen würde, damit man das endlich mal abhaken kann.“

Fragenbogen: Eduardo Pedroza
Geboren:30. Juli 1974 in Panama
Stall:1. Stalljockey bei Andreas Wöhler

Jockey seit:

„Ich reite seit meinem 16. Lebensjahr. 1989 habe ich mit der Lehre angefangen und zwei Jahre später im Dezember 1991 konnte ich das erste Mal auf der Bahn reiten.“

Webseite (neu)

www.eduardo-pedroza.de
Wie ist das denn überhaupt in Panama geregelt? Darf man da z. B. auch schon mit 15 Jahren reiten?„Nein, das geht nicht, man muss eine Ausbildung gemacht haben, dafür muss man 16 Jahre alt sein. Die Lehre dauert zwei Jahre, das ist ein reiner Lehrgang und dann entscheiden die Ausbilder, ob man fähig ist, auf die Bahn zu gehen. Man muss immer seine Qualitäten zeigen, denn man wird in Gruppen aufgeteilt, die Besseren usw., damit die anderen sich ein bisschen bemühen. Am Ende der Lehre wird dann entschieden, wer reiten kann.“
Wie groß ist der Rennsport in Panama?„Der Rennsport ist sehr, sehr bekannt in Panama, so ähnlich wie Fußball. Die Leute erkennen einen auf der Straße und man verfolgt das sehr viel.“
Was ist Ihr niedrigstes Reitgewicht und was müssen Sie dafür tun?„Mein ‚Ackergewicht‘ sind 54 Kilo, das ist für mich aber ein bisschen schwierig, da muss ich sehr viel Sport treiben. Naja, das ist nicht ganz so ideal, die Laune wird dann auch ganz anders. Ich versuche, mich mit 55 Kilo über Wasser zu halten. Wenn etwas Wichtiges ist oder wenn ich mich sehr gut fühle, dann geht auch mal ein Kilo mehr.“
Können Sie sich noch an den ersten Sieg erinnern?„In Deutschland war das im November 1995 mit Celestial Knight von Stefan Wegner, Stall Scholz + Friends. In Panama war das mit Summerwind.“
Was sind Ihre größten Erfolge als Jockey?Mit Paolini - hier als Sieger im Dubai Duty Free in Nad Al Sheba - landete Eduardo Pedroza seine größten internationalen Erfolge: www.galoppfoto.deMit Paolini - hier als Sieger im Dubai Duty Free in Nad Al Sheba - landete Eduardo Pedroza seine größten internationalen Erfolge: www.galoppfoto.de„Mein großes Ziel ist es immer, so unter die Top Fünf zu reiten und ansonsten jeder Sieg, man freut sich immer. Ich kenne keinen Kollegen, der sagt, er freut sich nur, wenn er Grupperennen gewinnt. Jeder Sieg ist wichtig und man freut sich. Natürlich gibt es besondere Siege, wo man sich denkt: Das war richtig toll! Ich könnte Paolini in Dubai (Dubai Duty Free) nennen, das war mein größter Erfolg und ein besonderes Erlebnis für mich. Das war auch das erste Mal, dass ich in Dubai geritten bin, das war klasse.“
Anzahl Siege:„Oh, das weiß ich nicht so genau, ich denke mal, es sind so um die 1.200.“
Gibt es einen Moment/einen Ritt, über den Sie sich sehr über sich selbst geärgert haben?„Ich mache mir immer noch Vorwürfe für den Ritt mit Scalo in Köln. Ich habe versucht, ihn in eine Lücke zu platzieren, die nicht so richtig da war. Ich dachte halt, dass er da reinpassen würde, aber damals fehlte ihm auch noch ein bisschen die Erfahrung und es wurde etwas sehr eng. Ich habe das Pferd fast zum Fallen gebracht und das habe ich mir bis jetzt noch nicht so ganz verziehen.“
Kann man nach einem schlechten Renntag schnell abschalten oder ärgert man sich noch lange?„Ich bin der Typ, der sich ziemlich ärgert. Ich ärgere mich auch sehr lange. Auch wenn es dann wieder besser läuft, es bleibt immer noch drin. Aber das bringt mich dann auch weiter. Beim nächsten Mal, versuche ich es dann, anders zu machen und versuche, diese Fehler nicht noch einmal zu machen.“
Was zeichnet Sie als Jockey aus?Die Damenwelt ist entzückt - auch die vierbeinige wie Global Magic. www.rennstall-woehler.deDie Damenwelt ist entzückt - auch die vierbeinige wie Global Magic. www.rennstall-woehler.de„Ich denke, dass ich mit vielen Sachen gut zurechtkomme, auch mit Druck. Ich versuche, das nicht an mich heran zu lassen. Natürlich macht man sich über viele Sachen Gedanken vorm Rennen, wie das ausgehen könnte oder was man besser machen könnte. Aber ich würde sagen, dass mich die Ruhe, die ich habe, oder die ich ausstrahle, auszeichnet. Manche sagen auch, dass ich ein gutes Händchen für die Pferde habe. Wenn man so die Karriere betrachtet, macht natürlich jeder Fehler, aber ich würde sagen, ich gehöre zu denen, die sehr wenige Fehler machen. Ich versuche, die richtigen Entscheidungen zu treffen und das klappt schon ganz gut.“
Wie sind Sie an den Rennsport gekommen?„Das lag in der Familie. Meine zwei Cousins waren beide Jockeys, einer ist es auch noch und mein Bruder ist auch Jockey gewesen. Und dadurch bin ich als kleiner Junge immer mit meinem Vater an der Rennbahn gewesen und dann bin ich an der ganzen Sache hängen geblieben.“
Wie sind Sie dann nach Deutschland gekommen?„Das war ein Besuch bei meinem Onkel, der in Bremen lebt. Er hat mich eingeladen, mir den Rennsport hier anzuschauen. Das sind zwei verschiedene Welten, da in Amerika und hier, das ganze System und wie alles funktioniert und abläuft. Ich dachte mir dann schon, okay, wenn ich so ein Angebot habe, kann ich mir das ja mal anschauen. Erfahrungen sammeln ist immer gut. Und dann hat es mir immer besser gefallen, mit den Leuten bin ich von Anfang an gut zurechtgekommen. Also habe ich mich entschieden, ein Jahr zu bleiben und dann wurde es immer ein bisschen länger und jetzt sind es schon 16, 17 Jahre.“
Wer hat Sie im Rennsport gefördert?„Mein Vater, mein Bruder und meine ganze Familie hat mich am Anfang sehr unterstützt. Und wo ich dann in Deutschland war, hat mir Herr Wegner sehr geholfen, was mich sehr viel weitergebracht hat. Und danach ging es dann mit meinem Chef Andreas Wöhler weiter. Der fordert mich immer noch, er fordert uns immer neu und versucht, uns was Neues beizubringen. Und wenn wir Zweifel haben, fragen wir ihn und bekommen immer eine ehrliche, gute Antwort.“

Haben Sie noch Vorbilder?

„Doch, sicher. Ich beobachte sehr viel und ein paar habe ich mir ausgesucht, die viel Leistung gebracht haben. Lester Piggott war ein sehr guter Jockey oder die Leistungen von Hein Bollow. Von den aktuellen Jockeys ist Lanfranco Dettori sehr gut oder Olivier Peslier, seine Taktik und die Ruhe, die er ausstrahlt. Wenn die reiten, muss ich mir das alles anschauen. Die großen Rennen gucke ich mir an, alle Ritte kann man nicht sehen, aber große Rennen, große Pferde sind schon interessant, gerade was Taktik angeht.“
Worin liegt für Sie der Reiz Ihres Berufes?„Ganz ehrlich, man muss das leben, lieben. Es geht sehr viel Freizeit dabei drauf, gerade auch am Wochenende, wo die anderen am Feiern sind. Man muss immer ein bisschen aufpassen, weil Rennen sind, da kann man nicht überall mitmachen. Wie gesagt, das muss von Innen kommen. Ich mache das gerne.“
Welches ist/war das beste Pferd, das Sie geritten haben?„Ich habe viele gute oder ordentliche Pferde geritten. Zwei große Pferde waren Sabiango und Paolini. Wobei ich bei Sabiango die Meinung hatte, dass er das etwas bessere Pferd wäre, wenn er gesundheitsmäßig weniger Probleme gehabt hätte. Er war ein Pferd, das immer weiter gegangen wäre. Dann war da noch Mi Emma, das war auch eine besondere Stute, die war so eine Rennmaschine.“
Haben Sie ein Lieblingspferd? Welches und warum?Eduardo Pedroza und sein Liebling Simonas, der in Ravensberg ein munteres Rentnerleben führen. www.rennstall-woehler.deEduardo Pedroza und sein Liebling Simonas, der in Ravensberg ein munteres Rentnerleben führen. www.rennstall-woehler.deSimonas wieder einmal. Um die anderen kümmere ich mich nicht mehr so extrem, weil man jeden Tag andere reitet und dafür sind es dann viel zu viele Pferde. Natürlich findet man den einen oder anderen nett, aber Simonas war die Nummer Eins und das wird auch so bleiben.“
Welches Pferd (früher, international) hätten Sie gern einmal geritten?„Mein Pferd war immer Dalakhani. Den habe ich immer beobachtet, jedes Laufen. Welche Pferde kann man noch nennen? Pferde, wo man den Wunsch hat, einmal draufzukommen. Soldier Hollow war auch ein Pferd, das mir gut gefallen hat. Der strahlte auch eine unheimliche Ruhe aus. Da hab ich auch gesagt, irgendwann muss ich den mal reiten. Leider hat das nie geklappt. Kann man nicht ändern.“
Welche ist Ihre Lieblingsbahn und warum?„Ich reite sehr gerne in Bremen und Berlin. Ich reite auch gern in Baden-Baden, obwohl ich da immer sehr viel Pech habe, da bin ich am öftesten runtergefallen. Aber die Rennbahn an sich mag ich auch sehr gerne. In Bremen habe ich natürlich lange gearbeitet, die Rennbahn kannte ich quasi mit Augen zu.“
Auf welcher Bahn (international) würden Sie gerne einmal einen Ritt haben?„In Amerika. Ich war mal in Kentucky, aber leider ist Lauro damals nicht zum Start gekommen. Aber Santa Anita oder so wäre mal schön.“
Was gefällt Ihnen gut am deutschen Rennsport, vielleicht auch im Vergleich zu Panama?„Die Organisation, die es gibt, obwohl der Rennsport ja in der Krise steckt und man sich ein bisschen  Gedanken machen muss, ihn wieder nach vorn zu treiben. Als ich nach Deutschland kam, war das für mich etwas Neues. Es hat mir gefallen, auch, wie die Rennen gelaufen werden. In Panama ist nur Sandbahn, die Rennen werden sehr schnell gelaufen, man hat nicht viel Zeit zu überlegen und man hat keine wirkliche Verbindung zu den Pferden. Hier arbeitet man morgens mit den Pferden, man kennt die Pferde, die man reitet.“
Was würden Sie als erstes verbessern im deutschen Galopprennsport?„Es sind viele Sachen, über die man sich auch Gedanken machen sollte. Erst einmal muss es in den kleineren Rennen höhere Rennpreise geben, damit sich auch die Leute mit einem normalen Einkommen ein Pferd leisten können. Wenn man mal schaut, wir haben im Ausgleich IV sehr viele Pferde laufen, Gruppepferde dagegen wenig. Da muss man den Blick auch mal nach unten richten und die Kleinen unterstützen, denn das ist die Basis des Rennsports. Ich weiß, dass das alles schwierig ist, aber einen Versuch wäre das schon wert.“
Was ist Ihr Lieblingsessen und wie oft können Sie sich das genehmigen?„Ich esse leider nicht immer gerne, aber Reis mag ich doch. Gekochte Bananen sind meine Nummer Eins. Wenn ich Montag oder Dienstag Zeit habe, koche ich auch immer selber. Reis und Bananen sind nicht unbedingt das optimale Essen, aber ich esse das trotzdem, dann muss ich mich halt mit mehr Sport bestrafen. Kleine Sünden.“
Jetzt beginnt die Grasbahnsaison. Kann man sagen, dass der erste Teil der Saison der spannendste ist?„Ja. Ja. Da sieht man, wie die Pferde überwintert haben. Es gibt viele Pferde, bei denen man große Hoffnungen hat, man sagt immer, der ist gut, der ist gut usw. Und natürlich kann man im Stall immer viel sagen, aber dann zeigt sich, ob man gegen die anderen Pferde bestehen kann. Deswegen ist das schon die spannendste Zeit. Später weiß man dann mehr oder weniger Bescheid, wer was kann, welches Pferd ehrlich ist, wer ein Blender ist oder wie es mit den Pferden weiter geht. Jetzt am Anfang ist es immer so, dass man im Training auch guckt, wer kann schon laufen? Der da, und ist der gut genug, oder nee, noch nicht... Man hört auch sehr viel von den anderen, die haben ja auch gute Pferde.“
Was ist Ihr liebstes Urlaubsziel?„Ich fliege meistens nach Panama, weil es da am schönsten ist, dort ist meine Familie und da kann ich mich auch richtig entspannen. Ich kenne da jede Ecke, meine Freunde sind auch da. Ich versuche, alle zwei Jahre hinzufahren.“
Haben Sie nicht pferdische Hobbys?„Ja, Fußball spiele ich gerne. Leider ist da sehr wenig Zeit für. Und schwimmen tue ich auch gern. Ab und zu. Sonst eben Fußball.“
Ist dann einmal die Woche Training oder wie läuft das?„Nee, ich muss ganz ehrlich sagen, seit anderthalb Jahren habe ich kein Fußball mehr gespielt. Letztens habe ich mir meine Fußballschuhe angeschaut und mir gedacht, dass es Zeit wird, das mal wieder anzugehen. Aber da ist leider auch zu wenig Zeit für. Und dann ist da ja auch noch das Risiko, wenn man danach reiten muss. Wenn ich mir da irgendwelche Verletzungen hole, würde mich der Trainer umbringen.“

Wie sieht ein freier Tag aus?

„Genauso wie jetzt. Ich stehe auf, versuche, Papierkram zu machen, Rechnungen usw. und sonst ein entspannter Tag. Zuhause was machen oder im Garten. Ich versuche mich mit anderen Dingen zu beschäftigen, dass ich vom Alltag ein bisschen weg bin. Abends ein bisschen gemütlich machen und dann war es das schon.“
Was machen Sie im Garten, Blumen pflanzen?„Nein, Blumen pflanzen tue ich nicht, damit beschäftigt sich meine Freundin. Ich sage immer, ich bin der Beobachter. Ich beobachte, was sich tut und das ist in Ordnung. Wenn sie ein bisschen Hilfe braucht, mache ich das schon, Rasen mähen oder so was übernehme ich dann. Aber sonst, Blumen aussuchen macht sie selber.“
Haben Sie einen Aberglauben?„Ich glaube schon, bin aber kein Fanatiker. Ich glaube viel an das, was ich sehe. Einen Aberglauben habe ich nicht. Andere schon. Ich habe mal einen Kollegen in Japan gesehen, den Mirco Demuro. Das war jetzt im Dezember, wo ich in Japan war, das war schon sehr lustig. Der hatte zwei Pferde geritten und nichts gewonnen. Dann hat er sich ganz ausgezogen. Ich hab ihn gefragt, was er da macht, die Klamotten waren doch noch sauber. ‚Ja‘, hat er gesagt, ‚ich habe mit diesen Klamotten noch kein Rennen gewonnen.‘ Also hat er alles ausgezogen, Stiefel und so, alles weg, neue Klamotten an und hat dann das Grupperennen gewonnen. Und dann kam er zu mir und hat gesagt: ‚Siehst du, geht doch.‘ Das war lustig, aber in solchen Dingen ist jeder anders.“

Was können Sie sich vorstellen, nach der Jockeykarriere zu machen?

„Da habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Wenn ich mit solchen Gedanken anfange mich zu beschäftigen, sieht das sofort immer so traurig aus. Ich würde sagen, ich möchte das etwas spontan machen. Wenn ich mich damit schon vorher beschäftige, wird der Abschied noch schwieriger. Momentan konzentriere ich mich einfach aufs Pferde reiten.“
Sie reiten gefühlt immer und überall. Ist das nicht ziemlich anstrengend?„Das ist viel Kopfsache. Das kommt auch von innen, man muss das gerne machen. Natürlich gibt es Tage, wo man aufsteht und denkt: Muss ich dahin? Aber das habe ich mir ausgesucht, es hat mir keiner gesagt, dass ich das machen muss. Außerdem gibt es ja nach dem Renntag wieder Ruhe und dann passt das schon.“
Wo kommt eigentlich auf einmal der zweite Vorname Guillermo im Rennprogramm her?„Ich weiß es selber nicht. Mein Kollege Filip Minarik hat mich angerufen und gefragt wer das ist. Ob das mein Bruder wäre oder so. Ich weiß auch nicht, wie das gekommen ist.“

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