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Deutsche Pferde "down under": Mit Vialli fing alles an

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 253 vom Donnerstag, 21.02.2013

Der Pionier: Gestüt Ittlingens Vialli (Andrzej Tylicki) als Sieger in der Derby-Revanche auf der Neuen Bult 1994. www.galoppfoto.de (Archiv) - Frank SorgeDer Pionier: Gestüt Ittlingens Vialli (Andrzej Tylicki) als Sieger in der Derby-Revanche auf der Neuen Bult 1994. www.galoppfoto.de (Archiv) - Frank Sorge

Mitte der Neunziger Jahre machten sich zwei Koryphäen des Galopprennsports aus Neuseeland auf den weiten Weg nach Europa. Sie suchten hochklassige Rennpferde und nachdem sie in England nicht fündig wurden, nahmen sie den deutschen Markt unter die Lupe. Es waren der Trainer Paul O'Sullivan und sein Sohn Lance, einer der bekanntesten Jockeys des Landes. Im Weidenpescher Park wurden sie damals fündig, im Stall von Heinz Jentzsch, nach zähen Verhandlungen erwarben sie aus dem Besitz des Gestüts Ittlingen Vialli (Niniski).

Dieser Vialli sollte das erste Pferd in der neueren Geschichte sein, das von Deutschland aus den Weg zum fünften Kontinent nahm. Nach ihm kam erst ein paar Jahre gar nichts, eigentlich war es erst wieder Lucas Cranach (Mamool), der zu einem echten Werbeträger und im wahrsten Sinne des Wortes zu einem Zugpferd wurde. "Er hatte das Zeug zu einem ganz Großen", bedauert noch heute sein Trainer Anthony Freedman das verletzungsbedingte Karriereende des Pferdes, "er wäre in der Lage gewesen, auf den ihm passenden Distanzen jedes Rennen in Australien zu gewinnen, hätte sicher auch das Zeug gehabt, in Hong Kong erfolgreich zu sein."

Seit Lucas Cranach ist Deutschland in das Visier australisch/neuseeländischer Aufkäufer geraten, ein Phänomen, dem die dortigen Medien verstärkt nachgegangen sind. "Die Rennen in Deutschland werden anders als die in England gelaufen", erklärt der Agent Robert Roulston dem "Morning Herald", "die deutsch gezogenen Pferde haben meist ein hervorragendes Exterieur, sind gesund und robust. Alles wichtige Eigenschaften. Zudem sind sie bezahlbar." Auch wenn, wie es Australian Bloodstocks Luke Murrell, eine der treibenden Kräfte hinter zahlreichen Importen deutscher Pferde, ausdrückt, "in der Breite natürlich in England oder Frankreich die Auswahl größer ist." Mawingo (Tertullian), Zutero (Toylsome) und Hathras (Dansili) sind neben Lucas Cranach Pferde, die Murrell und seine Mitarbeiter ins Land geholt haben und beschwert hat er sich bisher nicht. "Man muss halt seine Hausaufgaben erledigen", sagt er. Was bedeutet, dass nahezu jedes besser besetzte Sieglosen-Rennen, jede gute Altersgewichtsprüfung von Scouts wie Leigh Jordan beobachtet wird, der für Racing Victoria tätig ist und auch auf die Erfolge von Danedream (Lomitas) verweist: "Die besten deutschen Pferde können problemlos mit den besten der Welt mithalten", sagt er.

"Made in Germany" in Australien erfolgreich: Der Mamool-Sohn Lucas Cranach gewinnt vor Illo die Peter Young Stakes, Gr. II, in Caulfield. Foto: offiziell"Made in Germany" in Australien erfolgreich: Der Mamool-Sohn Lucas Cranach gewinnt vor Illo die Peter Young Stakes, Gr. II, in Caulfield. Foto: offiziell

Im Rennsportland Australien erfreut sich der Turf steigender Beliebtheit, weil Veranstaltungen als Events aufgezogen werden und deshalb auch verstärkt eine junge Bevölkerungsschicht ansprechen. Die meisten Spitzenpferde stehen zudem im Besitz von Syndikaten, weswegen schon mit übersichtlichem finanziellen Einsatz erfolgversprechende Beteiligungen getätigt werden können. Der Hunger nach guten Neuzugängen ist groß, es wird weitere Käufe auf dem deutschen Markt geben, letztlich ist Australien, bei allem Bedenken in Bezug auf eine mögliche Ausverkaufs-Situation, auch ein sehr guter Absatzmarkt für die deutsche Zucht.

Als die O'Sullivans damals im Weidenpescher Park bei Heinz Jentzsch waren, schauten sie sich auch Lando an. Ob der denn auch zu haben wäre, fragten sie, immerhin zwei Millionen Mark wurden geboten. Und Heinz Jentzsch grummelte: "So gute Pferde darf man eigentlich gar nicht vorzeigen." Obwohl sich Jentzsch trotz aller Sprachbarrieren mit dem etwa altersgleichen Paul O'Sullivan bestens verstand - Pferdeleute halt. Manfred Ostermann hat dann auch nicht verkauft und Lando dankte es in jenem Jahr mit dem Sieg im Japan Cup.

Vialli aber, der in Deutschland den Großen Hertie-Preis (Gr. II) und die Derby-Revanche in Hannover gewonnen hatte, ging 1995 für gutes Geld nach Neuseeland und er war ein voller Erfolg. Er konnte für das Mualim Haslam Racing Syndicate ein Gr. I-Rennen gewinnen, war in acht weiteren Rennen der höchsten Kategorie platziert. Er wurde im Waikato Stud in Neuseeland als Deckhengst aufgestellt, verunglückte jedoch im Jahre 2000 auf der Koppel und musste aufgegeben werden. Ein vierbeiniger Pionier. 

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