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Die Derby-Rede von Dr. Günter Paul zum Weltstar-Sieg: "Auch die tollste Einzelleistung gründet immer auch auf der Gemeinschaft der vielen, vielen Beteiligten!"

Autor: 

Frauke Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 576 vom Freitag, 12.07.2019

Auch Weltstar war beim Derby-Dinner im Bilde: Der Maler Hartmut Hellner (2. von links) überreicht dem Besitzer, Dr. Günter Paul, im Beisein von Renn-Club Präsident Eugen Andreas Wahler (links) ein Gemälde des Derbysiegers von 2018. www.galoppfoto.de - Frank SorgeAuch Weltstar war beim Derby-Dinner im Bilde: Der Maler Hartmut Hellner (2. von links) überreicht dem Besitzer, Dr. Günter Paul, im Beisein von Renn-Club Präsident Eugen Andreas Wahler (links) ein Gemälde des Derbysiegers von 2018. www.galoppfoto.de - Frank Sorge

Der Tradition folgend hielt Dr. Günter Paul. der Vorsitzende der Mehl Mülhens-Stiftung, am Vorabend des IDEE 150. Deutschen Derbys im Rahmen des Derby-Dinners im Hotel Atlantic die Derbyrede. Diese Ehre wird stets dem Besitzer des Vorjahressiegers zuteil und nach Windstoß, der 2017 gewann, stand Paul nach dem Sieg von Weltstar im letzten Jahr, das zweite Mal in Folge am Rednerpult. Am liebsten hätte er es ganz kurz gemacht, dann gab es aber doch eine Streifzug durch die Kulturgeschichte des Pferdes. Nachfolgend können Sie die ganze Rede nachlesen. 

Präsident des DVR Dr. Michael Vesper, Präsident HH Rennvereins Eugen Andreas Wahler, Herren Präsidenten von Rennvereinen und Organisationen des Galopprenn­sports, Verehrte Vertreter der Sponsoren,sehr verehrte Damen, sehr geehrte Herren! 

I. 

Nach dem Erfolg von Weltstar im letzten Jahr: Dr. Günter Paul hält die Derbyrede. www.galoppfoto.de - Frank SorgeNach dem Erfolg von Weltstar im letzten Jahr: Dr. Günter Paul hält die Derbyrede. www.galoppfoto.de - Frank SorgeWas soll ich Ihnen sagen, was ich nicht schon bei meiner Derby-Rede im letzten Jahr gesagt habe?! Wir können es heute daher kurz machen:

Wir – alle Röttgener: die Mehl-Mülhens-Stiftung und die Röttgener Betriebe mit allen Mitarbeitern – wir alle sind überwältigt von dem Glück, das uns im Derby 2018 zum zweiten Mal hintereinander getroffen hat.

Wir sind darum auch voller Dankbarkeit gegenüber allen Freunden, Funktionären und Mitarbeitern des Deutschen Galopprennsports. Denn eins wissen wir genau:

Nichts erreicht man ganz allein. Alles ist eingebettet in die große Gemeinschaft, in die große Familie der Freunde und Förderer des Galopprennsports. Auch die tollste Einzelleistung gründet immer auch auf der Gemeinschaft der vielen, vielen Beteiligten. Darum haben alle – und das sind folglich auch Sie alle – unseren herzlichen, aufrichtigen Dank verdient. Und den spreche ich auch gern hierdurch aus!

So, damit wäre eigentlich alles erklärt, was es noch zu sagen gab.

II.

Wenn Sie einverstanden  sind,  könnten wir jetzt das Derby-Dinner entspannt und fröhlich genießen und ich muss Sie nicht weiter belästigen.

… Aber … jetzt zögere ich doch ein wenig … Vielleicht würde das ja den einen oder anderen enttäuschen. Das gilt jedenfalls für den oder die unter Ihnen, die heute zum ersten Mal an diesem wunderbaren Zusammentreffen des Hamburger Rennvereins teil­nehmen.

Darum überlege ich nun doch, ob der frühe Schluss nicht ein wenig zu schnell käme … Einverstanden: Diesen wenigen gegenüber, aber vor allem auch:

  • in Bewun­derung und Dankbarkeit gegenüber dem Hamburger Rennverein, seinem Vorstand und vor allem der Feier 150-Jahre Derby-Rennen in Hamburg
  • ganz besonders aber gegenüber Herrn Albert Darboven, dem großzügigen Sponsor, ohne den in Hamburg schon seit langem nichts mehr ginge, wie wir alle wissen, und der dafür vom DVR ganz zu Recht gerade in diesen Tagen ganz besonders geehrt worden ist

 

in Dankbarkeit also gegenüber diesem Hamburger Renn­verein und seinem Vorstand will ich deshalb nicht so schnell Schluss machen, sondern noch ein wenig von dem sprechen, was uns allen bei jedem Galopprennen am aller wichtigsten ist und in ganz besonderer Weise am Herzen liegt:

von unseren Pferden!  

III.

Neben dem Hund oder – besser gesagt: an dessen Seite – ist das Pferd das Lebewesen, das uns, den Menschen, am längsten begleitet. Als Helfer war es seit Jahrtausenden in allen Lebenslagen nützlich:

  • Bei der Arbeit und im Krieg,
  • bei der Reise oder zum Lastentransport
  • beim Vergnügen und zum Sport ...

Die Treue und Leistungsfähigkeit unserer Pferde hat unsere Gesellschaft begleitet und geprägt. Hunderte von Genera­tionen, Jahrtausende unserer Entwick­lung sind ohne das Pferd heute im Rückblick nicht vorstellbar.

Das Pferd ist ein so wichtiges, so einmaliges, so unverzicht­bares Kulturgut, dass man schon eine recht begrenzte Stadtverwaltung sein muss, um den Galopp­rennsport plötzlich nach weit über 100 Jahren aus seinen Mauern aus­zu­schließen.

Hamburg hat das nicht getan. Hamburg ist klug, Hamburg ist anerkennenswert. Und das verdient unser Lob und unseren ganz besonderen Dank!

In diesen Dank und dieses Lob will ich alle unsere Sponsoren mit einbeziehen: Sie alle, verehrte Sponsoren, sind so außerordentlich klug, dieses Kulturgut – das Pferd und alles was wir heute und hier um das Pferd als Galopper veranstalten – für sich und für Ihre Werbung zu nutzen.

Sie leisten uns damit an jedem Renntag eine unverzichtbare Hilfe, aber – wie wir hoffen – ebenso für Ihr Unter­nehmen:

Danke, danke, danke!

IV.

Hier in der Nähe gab es übrigens ehedem eine Kultur, die das Pferd sogar als Opfertier heilig hielt: Das waren die Germanen, die wir heute in der Rückschau gern auch einmal belächeln. Wir sollten wir uns das deshalb noch einmal sehr gründlich überlegen!

Spätestens seit der Bronzezeit war das Pferd ein Haustier der Menschen und das meint wirklich ein enger Begleiter bis ins Haus. Und lange vorher schon – nämlich als Wildpferd, von dem es ja abstammt – begleitete es die Menschheit noch viel, viel mehr Jahrhunderte.

Das Wildpferd ist heute eine Rarität. Mehr oder weniger ist es wohl nur noch auf Asien beschränkt. Früher gab es das Wildpferd auch in Europa, folglich auch gleich hier vor den Toren von Hamburg. Darum ist es nicht falsch, wenn gerade hier in Hamburg weiterhin eine pferdebezogene Tradition gepflegt und deshalb auch das Derby  hier ausgetragen wird; seit 150 Jahren, wie wir ja schon bewundernd festgestellt haben.

Den Dank dafür habe ich schon ausgesprochen. Ich müsste ihn nicht wiederholen, tue das aber von Herzen; auch um Ihrem fröhlichen Applaus nicht im Wege zu stehen.

 

V.

Dass auch Zebras und Esel zu den Pferden zählen, soll Sie, liebe festliche Versammlung, jetzt nicht verwirren. Die genaue Abgrenzung unter den Pferdearten ist noch immer nicht ganz geklärt. Und deswegen zieht man für diese riesige  Gruppe zur Vereinfachung den lateinischen Oberbegriff „Equidae“ vor. Aber das sollte ich jetzt nicht vertiefen.

Unsere Galopprennpferde jedenfalls sind klar von den anderen Pferdearten abgegrenzt. Niemand bringt sie in die Nähe von Eseln oder Zebras. Und eine entferntere „Verwandt­schaft“ muss einen ja nicht notwendig belasten, wie wir ja auch aus unseren Familien wissen.

Immerhin zählen unsere Pferde also zu einer sehr alten Tierfamilie. Auch darüber kann man sich freuen: Die ersten Nachweise für diese Tierfamilie stammen aus dem Zeitalter, das man das „Untere Eozän“ nennt. Und das ist so etwa 56 Millionen Jahre her.

Damals haben die Vorfahren unserer Pferde noch die nördliche Hälfte der Welt bevorzugt: Nordamerika und Eurasien. Und genetisch gesehen stammen unserer Pferde, und damit insbesondere auch unsere Galopprennpferde sämt­­lich und aus­schließ­lich vom nordameri­kanischen Pferd ab. Ich denke, das ist sicher eine leichter erträgliche Art von „America First“.

Heute finden wir unsere Galopprennpferde bekanntlich überall:

  • in Südafrika und Südamerika,
  • in Australien und Neu­see­land,
  • in Japan und Hongkong.

Und überall dort genießen sie auch in der breiten Bevöl­kerung eine große Anerkennung.

Wie sehr würde ich mir wünschen, dass unsere Galopprenn­pferde auch bei uns in Deutschland diese Anerkennung überall finden würden. Hier in Hamburg und unter den auser­lesenen Pferdelie­bhabern und Pferdekennern, die sich heute hier versammeln, ist das natürlich eine Selbstver­ständ­lichkeit.

Unsere Bezeichnung für das Pferd ist übrigens nicht ganz neu: Jedenfalls ist es kein ursprünglich deutsches Wort. Die Bezeichnung stammt erst aus dem 6. Jahrhundert und führt schnell ins Lateinische und Griechische zurück. Doch ich will Sie jetzt nicht mit solchen Einzelheiten quälen. Interes­senten können mich ja immer noch hinterher fragen.

 

VI.

Unsere Organisation,

  • das Direktorium für Vollblutsport,
  • die Besitzer­ver­einigung und
  • unsere  Rennvereine will ich nicht vergessen.

Sie alle kümmern sich seit Jahr und Tag um jedes noch so kleine Detail dieses Sports, seiner Abläufe und als Vorstufe dazu bei der Zucht und versuchen alles zu geben, was für unser Pferd und unseren Sport Grundlage

  • für Erfolg, für Freude, für Spannung und
  • für das Engagement der Menschen – heute sagen wir natürlich: Fans – in der ganzen Welt ist. Ich wünsche mir, dass das auch weiter so bleibt.

 

Danke! Danke! Danke – an alle Funktionäre!

Jeden Tag gibt es irgendwo in der Welt Rennen. Und wenn wir es klug anfangen, begeistern wir auch in Deutschland für alle Zukunft Menschen für diesen wundervollen Sport. Aber wie wir uns auch anstrengen: Wenn es keine Pferdezucht gibt, gibt es auch keine Pferderennen. Länder wie Belgien und Österreich haben das gezeigt. Der ganze wunderbare Zauber kann in kürzester Zeit vorbei sein.

Darum ist das wichtigste bei allem, was wir im Rennsport veranstalten: Wir müssen den Züchter belohnen. Ergibt immer ein Vermögen aus:

  1. für den Deckhengst und die Aufzucht der Fohlen
  2. für das erste Training und die weitere Ausbildung.

600 kleine Züchter haben wir heute noch in Deutschland; neben den großen Gestüten. Sie füllen jedes Wochenende mit ihren Pferden die Rennbahnen. Gäbe es diese vielen, kleinen Züchter nicht, gäbe es in Deutschland längst keine Rennen mehr.

Die großen Gestüte allein füllen unsere Rennbahnen in Deutschland bei weitem nicht genügend aus. Darum müssen wir den Rennsport für alle Züchter attraktiv halten. Sie alle – insbesondere aber auch die kleineren – müssen unbedingt belohnt werden, wenn ihr Pferd in einem Rennen platziert ist. Sonst hören sie auf, in Deutschland zu züchten.

Ganz zu Recht hat Präsident Eugen Andreas Wahler schon beim Senatsempfang vor einer Woche diese Unterstützung versprochen. Danke für diese klugen und offenen Worte, lieber Eugen Andreas.

Schon jetzt können wir nicht übersehen, dass doch einige deutsche Züchter vorziehen, nach Frankreich zu gehen und dort Zucht und Rennen wahrzunehmen.

Und warum tun sie das wohl? Ganz einfach: Weil es dort für Züchter attraktive, höhere Prämien gibt.

Die Vollblutzucht soll aber auch in Deutschland weiter leben. Unsere Nachfahren sollen doch in Hamburg noch in 150 Jahren Galopprennsport in Deutschland erleben und hier das 300. Deutsche Derby feiern können.

Wir in der Mehl-Mülhens-Stiftung jedenfalls helfen dabei sehr gern. Zweck unserer Stiftung ist es, für alle Ewigkeit diese Unterstützung zu unserem Ziel zu machen. Die Stiftung ist nämlich kein Privatvergnügen. Als gemein­nützige Einrichtung gehört sie keinem Einzelnen und ist niemandes Privatbesitz. Darum wollen wir uns immer und dauerhaft für den Galopprennsport und unsere Züchter einsetzen.

Wir, das sind nicht nur die Vorstands­mitglieder, sondern alle Mitarbeiter in Gestüt und Rennstall. Auch denen sage ich von hier aus ein herzliches Dankeschön! Denn ohne solche Mitarbeiter geht nichts. Ich allein hätte nichts bewirken können. Danke darum an:

  • Herrn Robert Niederprüm als Leiter der Röttgener Betriebe,
  • Herrn Frank Dorff vor allem als der verantwortliche Leiter des Gestüts für alle Zuchtergebnisse und
  • Herrn Markus Klug als unseren Trainer in Röttgen

Ohne diese engagierten Fachleute hätten wir dies wunderbare Ziel des doppelten Derby-Erfolges nie und nimmer erreicht. An mir hing es jedenfalls nicht.

Und wenn wir nicht so schnell wieder das Glück haben sollten, für alle Mühen und Anstrengungen mit einem so wunder­vollen Sieg wie dem Deutschen Derby belohnt zu werden, bestärkt uns der jetzige Erfolg doch und gibt uns die Kraft, dieses Engagement ohne Grenzen fortzusetzen.

Jetzt und für morgen haben wir vorsorglich keinen Starter genannt. Denn es wäre doch gar zu peinlich, wenn wir am Ende ein drittes Mal hintereinander gewönnen. Auch dann bestünde nämlich die Gefahr, dass alle anderen Züchter und Besitzer den Deutschen Galopprennsport verließen. Das darf nicht sein!

 

Nun zum Schluss lassen Sie mich Danke sagen an Sie alle

  • für Ihre vielfältige Unter­stützung!
  • für Ihren freundlichen Beifall!
  • und für Ihre bewundernswerte Geduld, so lange meiner Liebeserklärung für den Deutschen Galopprenn­sport gelauscht zu haben!

 

Günter Paul

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