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Der Coup des Jürgen Winter

Diese Galileo-Tochter vom Haras de La Pérelle von Jürgen Winter sorgte mit 1,7 Mio. € für den Rekord bei Arqana. www.arqana.com.jpg

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 179 vom Freitag, 26.08.2011

Ein Deutscher als Verkäufer des Salestoppers, eine deutsche Agentur als einer der wichtigsten Käufer, eine Vielzahl von deutschen Elementen in den Pedigrees der teuersten Pferde – die Jährlingsauktion von Arqana in Deauville, die am späten Donnerstagabend nach vier Tagen zu Ende ging, hatte aus hiesiger Sicht einige erstaunliche Höhepunkte. Und auch der Veranstalter konnte ein positives Fazit ziehen. Nachdem es am Montag noch einige Anlaufprobleme gegeben hatte, war vor allem der Dienstag sehr erfreulich und auch an den Folgetagen wurde solide verkauft. Der Schnitt pro Zuschlag konnte mit 95.924 € gegenüber dem Vorjahr minimal verbessert werden, der Gesamtumsatz ging durch die mehr verkauften Pferde deutlich in die Höhe. Hatten im Vorjahr noch 67,62 % der Jährlinge den Besitzer gewechselt, so waren es diesmal immerhin 74,89 %.

Der glücklichste Mensch an der Atlantikküste war sicher  Jürgen H. Winter, 67, der 1995 nahe Deuville das  Haras de la Perelle gegründet hatte und am Dienstag seinen bisher größten Treffer als Verkäufer landete. Das war bei der Lot-Nummer 138 der Fall, einer von  Galileo stammenden Tochter der Sanjida (Polish Precedent), eine Schwester der Prix de Diane (Gr. I) und Prix Saint-Alary (Gr. I)-Siegerin  Sarafina ( Refuse to Bend). “Normalerweise verkaufen wir ja unsere Jährlingsstuten nicht”, erläuterte Winter später, “wir nehmen sie in den Rennstall, bieten nur die Hengste an. Aber in diesem Fall dachten wir, wir könnten sie ja einmal in den Ring bringen. Sie ist das erste Fohlen der noch sehr jungen Mutter. Unsere Preisvorstellungen waren aber schon sehr hoch, unter 500.000 Euro hätte ich sie nicht gehen lassen.“

Es wurde noch etwas mehr, denn es kam zu einem Bieteduell zwischen zwei Parteien, die man kaum in Deauville vermutet hätte, denn sie kamen aus Australien. Als der Hammer bei stolzen 1,7 Millionen € fiel, hatte Michael Goodbody den Zuschlag, Paul Makin, ein australischer Großbesitzer, war Unterbieter. Der Engländer Goodbody, einst Manager der Pferde des verstorbenen Maktoum-al –Maktoum, war im Auftrag von Waratah Thoroughbreds tätig. Dahinter steckt der Australier Paul Fudge, der die junge Stute möglicherweise in Frankreich lassen wird, zumal er bereits Pferde bei  Andre Fabre und  Carlos Laffon-Parias im Training hat. „Es bestand kein Zweifel, dass es der herausragende Jährling auf dieser Auktion war“, meinte Goodbody, „wenn du auf die Spitze schaust, dann musst du halt einen solchen Preis bezahlen. Ehrlich gesagt, war es etwas über unserem Budget.“ Jürgen Winter war verständlicherweise mehr als zufrieden:  „Das hätten wir nicht erwartet, es ist fantastisch.“

Die 2005 geborene Mutter Sanjida stammt aus der Zucht des Aga Khan, sie lief auch zunächst in dessen Farben, war u.a. Dritte im Prix de Conde (Gr. III) und im Prix Penelope (Gr. III). Winter erwarb sie 2008 auf privater Basis, sie konnte sich für ihn noch auf Listenebene platzieren. Nach der jetzt verkauften Galileo-Stute brachte sie ein Stutfohlen von  Pivotal, aktuell ist sie tragend von  Dubawi.

 

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 Paul Makin, der bei der Perelle-Stute nur zweiter Sieger war, hielt sich aber anderweitig schadlos. Er sorgte bei seinem ersten Besuch in Deauville überhaupt für den zweithöchsten Preis, als er aus dem Angebot des  Ecurie des Monceaux eine  Montjeu-Stute für 600.000 € erwarb. „Es ist doch nur Geld“, kommentierte er seine Investition, „wir haben hier unseren Spaß, hoffen wir, dass sich die Stute gut entwickelt.“ Sie ist eine Tochter der Listensiegerin Prudenzia (Dansili) aus einer Familie, die in Coolmore durch Alexandrova und Golden Sword großen Erfolg hatte, so dass es kein Wunder war, dass Demi O’Byrne Unterbieter war. Sie bleibt in Frankreich, zumal Makin Pferde im Training bei  John Hammond und Rupert Pritchard-Gordon hat.

Zweimal fiel der Hammer bei 500.000 €. Das war am Dienstag zunächst bei einer  Dansili-Stute der Fall, die genau zu der Familie gehört, für die Makin 100.000 € mehr bezahlte, ist sie doch eine rechte Schwester zu Prudenzia. Als Käufer zeichnete  Alan Cooper für die Familie Niarchos. Eine halbe Million gab es etwas später auch für einen Galileo-Hengst aus einer deutschen Mutter, der vom  Gestüt Etzean gezogenen Royal Highness ( Monsun). Über die  BBAG hatte sie vor acht Jahren den Weg nach Frankreich gefunden, wo sie den Prix de Malleret (Gr. II) gewann, später in den USA aber insbesondere die Beverly D Stakes (Gr. I). Der Jährlingshengst, den sich Paul Fudge für seine Waratah Thoroughbreds sicherte, ist das zweite Fohlen der Tochter der Reem Dubai (Nashwan), die unverändert in Etzean steht, in den letzten Jahren aber ausschließlich Hengste gebracht hat. Mit der einstigen „Winterkönigin“  Royal Dubai ( Dashing Blade) ist eine Tochter in Fährhof aktiv, sie ist Mutter der diesjährigen Listensiegerin Rumh (Monsun).

Den Höchstpreis am Montag, dem ersten Tag der Auktion, erzielte eine  Invincible Spirit-Stute aus der Elle Galante, die für 440.000 € an den Australier Paul Fudge ging. Angeboten vom  Lodge Park Stud ist sie der zweite Nachkomme der Galileo-Tochter aus der  Elle Danzig, die in den Farben von  Dr. Christoph Berglar drei Rennen gewann und in Frankreich listenplatziert war. Berglar hatte sie 2008 in Newmarket tragend von  Dalakhani für 235.000 gns. nach Irland verkauft, der daraus resultierende Hengst war schon letztes Jahr einer der Salestopper in Deauville, als er für 370.000 € verkauft wurde.

Der bislang teuerste Nachkomme von  Manduro ( Monsun) in einem Auktionsring war eine Stute, die am Dienstag für 400.000 € an Coolmore verkauft wurde. Ihr Pedigree bekam in den letzten Tagen eine enorme Aufwertung, denn sie ist die Halbschwester von  Moonlight Cloud (Invincible Spirit), aktuell Siegerin im Prix Maurice de Gheest (Gr. I). Die Familie hat in Ballydoyle viele gute Sieger hervorgebracht, etwa Imagine (Sadler’s Wells) und Horatio Nelson (Danehill). „Sie hat nicht nur gute Papiere, sie sieht auch vorzüglich aus“, kommentierte Coolmore-Mann Demi O’Byrne. Bereits am Montag hatte er sich einen Hengst mit deutschem Pedigree gesichert, denn der bereits den Namen Montclair tragende Montjeu-Sohn ist ein Sohn der Minaccia (Platini), deren zweite Mutter die herausragende Renn- und Zuchtstute  Majorität ( Königsstuhl) ist. Minaccia hatte in der Schlenderhaner Zucht u.a. die mehrfache Gr.-Siegerin Macleya (Winged Love) sowie Miramare (Rainbow Quest) gebracht, wurde später an Elizabeth Fabre verkauft. Ihr jüngster Spross brachte immerhin 340.000 €.

Aus der Familie der Majorität stammt auch ein Dalakhani-Hengst aus der  Midnight Angel ( Acatenango), der vom  Newsells Park Stud angeboten wurde und der am Montag nur Minuten vor dem Minaccia-Hengst für 280.000 € an japanische Interessen ging. Das ist auch nachvollziehbar, ist noch Midnight Angel eine Schwester zu  Moonlady ( Platini), Mutter des vorjährigen japanischen Derbysiegers  Eishin Flash (King’s Best).

Zu den intensivsten Käufern zählte in den Tagen von Deauville Dirk Eisele von der BBA Germany. Der Agent war besonders am Montag in höheren Regionen unterwegs, bekam dreimal bei einem sechsstelligen Betrag den Zuschlag. Dem Vernehmen nach war er für den Münchener Immobilienunternehmer und Wirtschaftsanwalt Erich Schwaiger aktiv. Schwaiger soll über Eisele vor einigen Wochen in Chantilly das legendäre Stallgelände von  Francois Boutin erworben haben, in dem zuletzt der nach Hong Kong abgewanderte  Richard Gibson und aktuell  Mikel Delzangles trainiert. Schwaiger ist laut Münchener Medienberichten auch der Interessent am Kauf des  Riemer Trainingsgeländes. Als Eigner von Rennpferden ist der Verwandte der Münchener Traberlegende Helmut Obermaier noch nicht allzu lange bei  Wolfgang Figge aktiv. Die aktuellen Akquisitionen aus Deauville sollen laut Eisele entweder zu Mikel Delzangles oder zu  Peter Schiergen gehen. Gleich zu Beginn der Auktion war der teuerste Deal des Tages fällig, als ein  Oasis Dream-Sohn aus der Singspiel-Stute Consuelita 260.000 € brachte. Die Mutter ist eine Halbschwester zum Gr. II-Sieger  Majorien (Machiavellian) und zur Gr. II-Siegerin America (Arazi), Mutter des Melbourne Cup (Gr. I)-Siegers Americain (Dynaformer). "Für mich war es der herausragende Hengst auf dieser Auktion", sagte Eisele. Nur unwesentlich günstiger war ein  Shamardal-Hengst aus der Nipping (Night Shift), einer Schwester der Gr.-Sieger Zipping (Zafonic) und Zelding (Warning), der 240.000 € kostete. Er war im Angebot von Anna und Etienne Drion, genau wie ein  Peintre Celebre-Hengst aus der Khaliyna (Danehill), der eine erfolgreiche Linie des  Aga Khan vertritt und für 110.000 € zu haben war. "Mit den Shamardal-Nachkommen hatte ich bisher immer viel Glück", erklärte Eisele zum Kauf des Nipping-Sohnes, "dieser Hengst hat mich schon sehr beeindruckt."

Auch an den Folgetagen war Eisele ein eifriger Käufer, wobei auch  Werner Heinz von  WH Sport International zu seinen Auftraggebern zählte. Am Dienstag und Mittwoch ersteigerte Eisele noch sechs weitere Jährlinge, so für 100.000 € einen   Anabaa-Hengst aus der Lumiere Astrale (Trempolino), für 55.000 € einen  Zamindar-Sohn aus der Katchina Quest (Highest Honor), für jeweils 45.000 € eine  Hernando-Stute aus der Deutscher Stutenpreis (Gr. III)-Siegerin Anno Luce (Old Vic), die wohl Werner Heinz bekommt, und einen  Oratorio-Hengst aus der Linorova (Trempolino), zudem für 10.000 € einen   Falco-Hengst. Am Donnerstag kam noch eine Shamardal-Stute für 60.000 € hinzu. 

Trainer Sascha Smrczek ersteigerte einen Elusive City-Hengst aus dem Angebot des Haras de la Perelle für 18.000 €.

Mehrere deutsche Züchter waren auch als Anbieter aktiv, in erster Linie das  Gestüt Karlshof. Das Highlight der Zuchtstätte war sicher Soccer Mom, eine Monsun-Stute aus der  Sasuela, mithin eine rechte Schwester der Preis der Diana (Gr. I)-Zweiten  Soberania. Sie ging für 220.000 € an Prime Equestrian, wird zukünftig von Xavier Nakkachdji trainiert. Kissable Girl ( Samum), die rechte Schwester des Derbysiegers Kamsin, wurde für 37.000 € an Trainer  Christophe Ferland abgegeben. Ein Samum-Sohn aus der  Aretia wurde für 35.000 € an Meridian International verkauft, ein  Nayef-Sohn aus der  La Bouche ging für 52.000 € an die Agentur FBA. Ein  Montjeu-Sohn aus der   Etzeaner Mutterstute  Dominante, gemeinsam gezogen von dem Odenwalder Gestüt und dem  Ecurie des Monceaux, ersteigerte die Agence Fips für 145.000 €. "Ein Pferd mit tollen Bewegungen aus einer sehr guten deutsche Linie", kommentierte der Agent Herve Bunel, "er bleibt in Frankreich, ist aber für einen Besitzer aus dem Ausland." Eine über das  Haras d’Etreham angebotene  Big Shuffle-Stute aus der Marmorea ( Tiger Hill) brachte 45.000 €, eine weitere Tochter des Auenqueller Hengste ging für 30.000 € an Jean-Claude Rouget. Der einzige Silvano-Hengst auf der Auktion ging für 37.000 € an Henri Pantall. Aus der Zucht von Irmgard und Dieter Meinke kommt Beach de la Mar (Monsun), eine rechte Schwester zu Beiramar und Bolivia, er ging für 100.000 € an Meridian International. Der junge Hengst war im Kontingent des Gestüts Erftmühle bei der BBAG, wird dort aber jetzt natürlich nicht mehr antreten. 

Der Münchener Buchmacher Simon Springer, motiviert durch die Erfolge von Dabirsim (Hat Trick) und Orcus (Russian Blue), war über Christophe Ferland tätig. Dieser ersteigerte neben der Kamsin-Schwester u.a. noch eine Monsun-Stute aus der Schwarzgold-Linie für 80.000 € und eine King’s Best-Tochter aus der listenplatziert gelaufenen Chrisiida (Winged Love) für 45.000 €. Auch am Donnerstag tauchte Ferland wieder mehrfach in der Käuferliste auf. So ersteigerte er für 42.000 € aus der Zucht des Gestüts Römerhof eine Sinndar-Stute aus der Waconda. Die von Slickly stammende Halbschwester zu Springers Crack Dabirsim (Hat Trick) sicherte sich jedoch die Agentur Suprina. Die junge Stute war mit einem Zuschlag von 240.000 € der teuerste Jährling am Donnerstag.

Sehr zurückhaltend agierten wie schon im Vorjahr die Maktoums auf dieser Auktion. Angus Gold, der Vertreter von Hamdan-Al-Maktoum, tauchte nicht ein einziges Mal als Käufer auf. Sehr selektiv war John Ferguson, der züchterische Berater von Scheich Mohammed tätig. Am ersten Tag bekam er bei 160.000 € den Zuschlag für einen Invincible Spirit-Hengst, tags darauf waren ihm Dubawi-Hengste 120.000 € bzw. 80.000 € wert. Möglicherweise geht aber auch ein über Blandford Bloodstock für 300.000 € gekaufter Raven’s Pass an die Maktoums.

 

Arqana Jährlingsauktion Deauville

 20112010
Angeboten438
420
Verkauft328
284
Umsatz31.463.000 €
26.848.000 €
Schnitt95.924 €
94.585


Arqana Jährlingsauktion Deauville - Salestopper

PferdAnbieterKäuferPreis
St., v. Galileo-SanjidaPerelleWaratah Thoroughbreds1.700.000 €
St., v. Montjeu-PrudenziaMonceauxBadgers Bloodstock600.000 €
St., v. Dansili-PlatonicMonceauxCourse Investment Corp.500.000 €
H., v. Galileo-Royal HighnessMonceauxWaratah Thoroughbreds500.000 €
H., v. Invincible Spirit-Elle GalanteLodge Park StudWaratah Thoroughbreds440.000 €
St., v. Manduro-VenturaEtrehamDemi O'Byrne400.000 €
H., v. Montjeu-MinacciaMonceauxDemi O'Byrne340.000 €
St., v. Raven's Pass-Lady ElgarQuesnayBlandford Bloodstock300.000 €
H., v. Dalakhani-Midnight AngelNewsells Park StudKK Eishindo280.000 €
St., v. New Approach-Bal de la RoseEtrehamMeridian International280.000 €
H., v. Monsun-MelodramaticWatership Down StudCharlie Gordon-Watson270.000 €
H., v. Oasis Dream-ConsuelitaCapucinesBBA Germany260.000 €
H., v. Galileo-Miss BioClairefontaineDemi O'Byrne260.000 €
H., v. New Approach-ZeldingKnocktoran StudRobert Collet260.000 €
H., v. Danehill Dancer-AmenixaEtrehamDemi O'Byrne260.000 €


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