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Cheltenham Trials Day

Lizzy Kelly nach ihrem Sieg mit Siruh du Lac. Foto: Suzanne Jones

Autor: 

Catrin Nack

TurfTimes: 

Ausgabe 553 vom Freitag, 01.02.2019

Cheltenhams „Trials day“ am letzten Samstag  im Januar ist inzwischen ein echter Traditionstermin: zum letzten Mal vor dem Festival im März öffnet das Mekka des Hindernissports seine Tore, und die sieben Rennen - darunter fünf Gruppe-Rennen - sind, was der Titel schon sagt: Vorprüfungen für die „echten“ Events.  Selbst England klagt über rückläufige Zuschauerzahlen, doch mehr als 20.000 Zuschauer strömten auf die Bahn und erlebten einen hochspannenden Renntag, einen besonders beeindruckenden Sieger, und überhaupt: es war eine Art Lady´s Day. Doch der Reihe nach.

Seitdem der irische Rennsport zusammen mit der irischen Rennbahn Leopardstown 2018  das hochdotierte „Dublin Racing Festival“ ins Leben gerufen hat, halten sich irische Trainer vor allem in Englands großen Prüfungen vornehm zurück. Auch zum Trials-Day schickte lediglich Joseph O’Brien zwei Starter, die kamen, sahen und – deklassierten. Die einleitende Prüfung, Probelauf für die Triumph Hurdle (4j. Pferde, 2m),  wurde mehr als leichte Beute des in Frankreich  gezogenen Kapgarde-Sohns Fakir d´Oudairies, der beim zweiten Start für seinen aktuellen Trainer nicht nur zum zweiten vollen Erfolg kam (nach mehr als gemischten Formen in seinem Heimatland), sondern auch einen großen Sprung an die Spitze des Wettmarktes machte. Dreizehn Längen zurück folgte sein Trainingsgefährte Fine Brunello, dessen 25-1 Quote viel über seine Chancen aussagte, erst dann kam, etwas enttäuschend, der heiße Favorit Adjali (Kamsin) aus Karlshofer Zucht ins Ziel. 

Sieg-Jockey JJ Slevin, Cousin des Trainers, zeigte sich beeindruckt, wollte aber nicht zu überschwänglich werden: „von diesen haben wir noch einige zu Hause“, darunter auch den bis dahin amtierenden Favoriten der Triumph Hurdle, Sir Erec. Danach drückten die beiden „leading lady riders“ des englischen Hindernissports dem Renntag ihren (charmanten) Stempel auf, auch wenn Lizzy Kelly, die für ihren Stiefvater Nick Williams auf Siruh Du Lac die Spectra Cyber Security Solutions Trophy Handicap Chase (Grade 3) (eine Vorprüfung für die „Plate“ (Gr.3, 2m5f) am dritten Festival-Tag) gewann, und Bryony Frost außerhalb des Rennsattels unterschiedlicher nicht sein können.

Doch im Sattel zählt Leistung, und beide liefern, bei sehr unterschiedlichen Chancen, regelmäßig ab. Frost, Tochter von Grand National-Siegreiter Jimmy, hat sich einen festen Platz in der Jockey–Riege am Stall von Paul Nicholls erarbeitet, seine Erfolge ruhen auch auf ihren Schultern. Paul Vogts Frodon hat großen Anteil am kometenhaften Aufstieg Frosts, und Bilder aus dem Führring, aufgenommen während des Rennens, zeigen deutlich, was das Pferd auch für Nicholls bedeutet.

Mit seinem „never-say-die“ Sieg in der Cotswold Chase (3m1 1/2f,  Vorprüfung für den Cheltenham Gold Cup) galoppierte sich der 7j. Wallach nicht nur tiefer in die Herzen der Zuschauer, er buchte auch seinen Startplatz im Gold Cup selber. Nach seinem letzen Start und Sieg Mitte Dezember an gleicher Stätte („Ich hatte Sorge, dass er nach seinem Urlaub (!) noch nicht ganz fit sein könnte“) , hatte  Nicholls die Ryanair Chase (2m5f) als Ziel verkündet; nun, nachdem der französisch gezogene Nickname–Sohn zum ersten Mal auf weitem Weg lief und eben gewann, möchte man nach Gold greifen. 

Wie immer war es nicht nur eine wahre Freude, Frodon und Frost im Rennen zu beobachten: Frost, die mit ihrem Partner zu verschmelzen scheint und ihn mit dieser wunderbaren Mischung aus Mut und vollem Vertrauen reitet, und der dunkelbraune Wallach mit den großen Ohren, der für seine junge Reiterin durch das sprichwörtliche Feuer gehen würde. Zusammen haben die beiden nun vier Siege aus acht Rennen errungen; auch Paul Nicholls konnte und wollte, trotz aller Professionalität, mit seine Emotionen nicht hinter den Berg halten. Der knappe Sieg vor Elegant Escape, der als amtierender Welsh National Sieger ein riesengroßer Steher ist, und Terrefort reicht streng nach Form nicht aus, um im Gold Cup selber zu punkten; zumal Frodon auf den letzten Metern auf der Stelle trat und Elegant Escape nur den Tick zu langsam ins Rollen kam. Doch endlich kann Nicholls, dessen Festival-Erfolge in den letzten Jahren nur in „kleineren“ Prüfungen zustande kamen (Dodging Bullets Champion Chase-Sieg im Jahr 2015 war sein letzter Gr.1 –Erfolg an dieser Stätte; 10 Jahre ist es her, dass er zuletzt Meeting-Champion wurde), wieder von einem Erfolg in ganz großen Rennen träumen.  

Der mit Abstand eindrucksvollste Sieg stand noch aus, und erneut hatte eine Frau die Zügel in der Hand, wenn auch „nur“ als Trainer:  der von Emma Lavelle für Besitzer Andrew Gemmell trainierte Paisley Park untermauerte mit seinem Sieg in der Cleeve Hurdle (Gr.2, 3m) nicht nur seine ungemein aufsteigende Form, er ist nun alleiniger Favorit für die Stayers´ Hurdle im März, und das zu Recht. Leider war auch hier nur einheimische Konkurrenz am Start, doch die irischen Trainer müssen schon etwas Besonders auf den Ställen holen, um dem 7j. Oscar-Sohn, der sich über den zweitplatzierten West Approach gerechnet erneut gesteigert hat, gefährlich zu werden.

Besitzer Andrew Gemmell, von Geburt an blind und nach einer erfolgreichen beruflichen Karriere nebenbei an rund 20 Rennpferden beteiligt, ließ einen Trip nach Melbourne sausen, um seinem ganzem Stolz live beizuwohnen; erneut fingen die Kameras berührende Bilder seiner Begeisterung ein; „es könnte keinem netteren Menschen passieren“ erklärte Lavelle, die zugleich warnte: „Aber lassen Sie sich nicht täuschen, er kann uns alle unter den Tisch trinken.“ Für Lavelle, deren Ehemann ( Ex-Jockey) Barry Fenton  als ständiger Arbeitsreiter von Paisley Park fungiert und der den Wallach nach einer schweren Erkrankung zurück zur augenblicklichen Form führte, könnte dies der langersehnte  Durchbruch in die erste Liga der Trainer bedeuten: „Die letzte Saison kann man abschreiben, er musste einfach zu sich finden“ so Lavelle über ihren Schützling, der bei erst neun Starts nun fünffacher Sieger ist, mit vier Siegen in Folge ist er in der aktuellen Saison ungeschlagen.

Erfolgreichster englischer Cheltenham-Festival Trainer ist und bleibt Nicky Henderson, so dass zumindest ein Sieg beim Trials-Day mehr als angeraten war. Er kam in Form von Birchdale, in den berühmten (irischen) Farben von JPMcManus, der die Ballymore Novices´ Hurdle (Gr.2, 2m4 1/2f ) recht eindrucksvoll gewann, allerdings vom Sturz des Favoriten Brewin´Upastrom (Trainer Olly Murphy) am letzten Sprung profitierte. „Er  ist noch ein großes Baby“ waren sich Jockey Barry Geraghty und Henderson einig, allerdings eines, das nun in drei Rennen ungeschlagen ist. Passenderweise war dies, in den Farben seines Arbeitgebers, der 1.875 Siegritt von Geraghty, der sich damit – hinter Sir AP McCoy, Richard Johnson und Ruby Walsh- auf Platz vier der ewigen Bestenliste der Hindernisjockeys schob; eine Zahl, die er am Sonntag in Irland mit dem in gleichen Farben laufenden Espoir d´Allen (Trainer Gavin Cromwell) direkt weiter ausbaute. Beide Pferde stehen für Cheltenham unter Order, letztgenannter gar für die Champion Hurdle.

Auch im fernen Doncaster war Ladys Day,  hier war die Lady vierbeinig und heißt auch noch so. Lady Buttons, aus dem relativ kleinen Quartier von Phil Kirby, mausert sich immer mehr zu einem wahren Kult-Pferd. Vier Rennen in Folge hat die nun 9j. Beneficial-Tochter gewonnen, damit ist sie in dieser Saison ungeschlagen, 12 insgesamt, nun träumt ihr Team vom Griff nach den Sternen. Die Stute wechselt zwischen Hürden- und Jagdrennen;  ihr jüngster Erfolg in der Gr. 2 Yorkshire Rose Mares´ Hurdle über gute zwei Meilen war ihr bislang sportlich wertvollster Sieg, der denkbar knapp  zustande kam, „sie hat gedacht, sie habe genug getan“ beschreibt Kirby seinen Star, „auf den Galopps ist sie sehr schnell, wir haben nur ein Pferd, das mit ihr mithalten kann, und der hat ein Rating von einhundert auf der Flachen.“ So Kirby weiter, der als Dual-Purpose-Trainer agiert. In Cheltenham hat man einen Start in der Champion Chase im Auge: “Natürlich können wir Altior nicht schlagen, aber überlegen Sie einmal, sie könnte sich platzieren, was das für ihren Zuchtwert bedeuten würde.“ Äußerte sich der Trainer unter der Woche voller Zuversicht.

Auch in Irland meldeten mehrere Pferde in den vergangen Tagen ihre Ansprüche gen Cheltenham an, allen voran Presenting Percy, aktuell Favorit für den Gold Cup. Der Wallach, so überlegender Sieger der 2018er RSA Chase, war seitdem nicht mehr an den Start gekommen und gewann bereits am 24. Januar ein Hürdenrennen in Gowran Park, welches allerdings mit diversen Jagdpferden gespickt war. Siegreiter Davy Russell, der einen eigenen formidablen Cheltenham-Rekord zu verteidigen hat, zeigte sich beeindruckt vom 8j. Sir Percy-Sohn, „er tut das Nötigste, so ist er auch zuhause. Egal ob Gr. 1 oder Handicap, er tut nur was er muss.“

Am gleichen Tag fand auch Willie Mullins´ Invitation Only auf die Siegerstraße zurück, der Wallach hat Optionen für den Gold Cup oder die Ryanair Chase. Henry de Bromhead hat sein Team in guter Form,  auch er vertraut im Übrigen verstärkt auf eine weibliche Reiterin, Rachael Blackmore. Beide punkten am vergangenen Samstag im irischen Fairyhouse mit der jungen Sulamani-Tochter Honeysuckle, aus einer Lando-Mutter gezogen (siehe gesonderte Meldung). Ihr Sieg in der Gr. 3 Solerina Mares´ Novices Hurdle war ihr vierter Erfolg in Folge, die Stute ist damit ungeschlagen; sie hat das entsprechende Stuten-Rennen beim Festival fest im Auge und ist eine interessante Opposition zu den Startern der Herren Mullins oder Elliot.

Catrin Nack 

 

 

 

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