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Cheltenham 2018 - nur noch ein paar Mal schlafen

Karriere beendet: Vroum Vroum Mag mit Pflegerin Steph Searle 2016 in Punchestown. www.galoppfoto.de - JJ Clark

Autor: 

Catrin Nack

TurfTimes: 

Ausgabe 508 vom Donnerstag, 08.03.2018

Glück gehabt. Auch wenn rund 200 Tonnen Schnee keine (Pferde!) - Rennbahn der Welt in Jubelschreie ausbrechen lassen, so wird sich Cheltenhams Rennbahnverwalter Simon Claisse den Schweiß von der Stirn gewischt haben, dass sich das „Beast from the East“, jene Kaltwetterfront, die auch in England so viel Chaos angerichtet hat, nun endlich verzogen hat. Seit rund 10 Tagen fanden in England (und Irland) kaum Pferderennen statt, es mussten sogar Meetings auf den sogenannten Allwetterbahnen wegen des starken Frosts abgesagt werden, von den Hindernisrennen ganz zu schweigen.

Noch am vergangenen Wochenende präsentierte sich der Prestbury Park, das Amphitheater der Träume, in weiß gehüllt. Und wenn sich Claisse auch hinter allgemeinen Phrasen versteckt –  es wird nichts mit dem berühmt „guten“ Boden in diesem Jahr, denn obwohl man die genannten Massen Schnee von Hand geräumt hat, haben Schmelzwasser und Regen den Boden nun schon auf die Beschreibung „weich“ verändert, weitere Regenfälle sind vorher gesagt; zum Ende der Woche könnte der Boden gar das gefürchtete „schwer“ in der Beschreibung führen. Historisch kein Novum – einer der berühmtesten Gold Cups überhaupt wurde auf schneeverwehter Bahn abgehalten – aber in den  letzten Jahren hatte der Wettergott meist ein Einsehen mit  Cheltenham.

Die Fans wird es nicht stören. Cheltenham ist das Mekka des Hindernissports, und es ist mehr als Pferderennen. Vielmehr eine Sportveranstaltung auf Augenhöhen mit Fußballfinalen oder Tennisturnieren, ein „Must“ auch im sozialen Kalender der High Society. Neben der Fach- ist auch die Regenbogenpresse zahlreich vertreten, und neben den Rumplern am Hindernis sorgen alljährlich auch exzentrisches Benehmen der Zuschauer für mediale Aufmerksamkeit, über die engen Grenzen der Racing Post hinweg. Unvergessen die Nachwuchsfußballer, die sich vor den Augen zehntausender Zuschauer auf einem Balkon in ein Bierglas „erleichterten“; zweischneidige Schlagzeilen, aber eben Schlagzeilen.

Die sollen und werden auf dem Rasen die Pferde liefern. Vier Tage, 28 Rennen, 14 Gr.1-Rennen. Ein Highlight reiht sich an das Nächste, ein jeder Tag hat ein  Championship-Rennen als sein Herzstück:  Dienstag ist Champion Hurdle Tag (weitere Gr1-Rennen:  Supreme Novices Hurdle,  Arkle Chase und Mares Hurdle), Mittwoch, nun „Ladys Day“ genannt, schließt sich mit der Queen Mother Champion Chase (Ballymore Novices Hurdle, RSA Chase, Champion Bumper) an. Donnerstag feiert Cheltenham seinen St. Patricks Day, auch wenn dieser offiziell erst am Samstag, 17. März, ansteht. Die Legionen irischer Fans (Ryanair setzt Sondermaschinen ein, Boss Michael O´Leary, der selber wohl eher im Privatjet anreist, kennt das Gebot der Stunde) wollen schließlich auch bei Laune gehalten werden. Höhepunkt (neben dem Guinness-Village) ist die Stayers Hurdle, dazu – selbstredend- der Ryanair Chase und der JLT Novices Chase. Freitag dann: Gold Cup Tag, umrahmt vor allem von der Triumph Hurdle und der Albert Bartlett Novices Hurdle.

Die Kartenlage ist gut  oder - aus Sicht der Fans - nicht mehr so gut. 40 Pfund kostet die günstigste, die „Best Mate“ Enclosure an den ersten drei Tagen, satte 55 Pfund am Gold Cup Tag. Die Tribüne ist an allen vier Renntagen seit Wochen ausverkauft, seit Mitte dieser Woche der gesamte Gold Cup-Tag, für die ersten drei Tage könnte man spontan anreisen. Die Erfahrung zeigt, dass man in diesem Fall  rechtzeitig die Kassenhäuschen aufsuchen sollte, es bleibt gewöhnlich kaum ein Platz leer.

Vor den Pferden sprechen Trainer und andere Fachleute:  Seit Wochen reihen sich die bei Fans sehr beliebten Preview-Abende aneinander, Pubs und Sportvereine in England und Irland bieten Expertenrunden - und solche, die sich dafür halten - in unterschiedlichster Besetzung an, „Cheltenham“ füllt die Säle, und die Kassen gleich mit. Manch ein Trainer hat seine Teilnahme an diesen Runden bereits wieder auf ein Minimum beschränkt, „in den letzten Jahren bin ich von Abend zu Abend gehetzt,  wie soll ich da am nächsten Morgen fit sein“ fragte sich Paul Nicholls schon vor Jahren.

Nicht verweigern tut er sich den alljährlichen Presseterminen im Vorfeld des Festivals,  bei denen die Top-Trainer des Landes ihre Schützlinge vor den versammelten Pressecorps paradieren lassen und Updates zum Wohlbefinden verbreiten.  Auch ob der mageren, da  weggefrorenen Nachrichtenlage der letzten Wochen jenseits des Festivals gab sich die  Racing Post besondere Mühe, jeden nur erdenklichen Winkel, der beim Finden eines „guten Dings“ helfen könnte, zu beleuchten.

 Ab nächsten  Dienstag wird sich zeigen, was diese Tipps wert sind; Pferde sind keine Maschinen, und selbst bei bester Vorbereitung braucht es neben allem Können und Talent eben auch das Quäntchen Glück.  Einige große Namen, die  dieses schon im Vorfeld verließ, sind Willoughby Court, Fox Norton, und Sceaux Royal, seit Mittwoch auch Vroum Vroum Mag und Top Notch.  Für sie sind die Festival-Träume vorbei, bevor sie nur an die Startbänder kamen. Sicher werden in den nächsten Tagen noch einige Namen folgen, aber ebenso sicher wird sich die Creme de la Creme der vierbeinigen Athleten einfinden. Auf sie projizieren wir uns Hoffnungen und Träume, finanzieller und emotionaler Art;  für ihre Pfleger zählt vor allem, dass sie alle wieder heil nach Hause kommen.

Das Warten hat fast ein Ende – mag sie beginnen, die „greatest show on earth“!

Catrin Nack

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