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Der Champion mit dem besonderen Charakter

Pakistan Star unter William Buick. www.galoppfoto.de

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 702 vom Freitag, 21.01.2022

Pakistan Star (Shamardal), das gewinnreichste Pferd aller Zeiten aus deutscher Zucht, hat seine Rennkarriere beendet, er wird eine Box bei den „Living Legends“ im australischen Bundesstaat Victoria beziehen. Der hochklassige, aber enigmatische und am Ende sehr unwillige Wallach hat den Rennsport in Hong Kong über Jahre mit Schlagzeilen versorgt, aber wohl auch Trainern und Betreuern schlaflose Nächte bereitet.

Erstmals in der Öffentlichkeit war er im Sommer 2014, als ihn sein Züchter, das Gestüt Wittekindshof, bei der Jährlingsauktion in Deauville über das Haras d’Ombreville für 180.000 Euro an den Hong Kong Jockey Club verkaufte, damals hieß er noch Nina's Shadow. Seine Mutter Nina Celebre (Peintre Celebre) hat zwei Listenrennen gewonnen. Sie hat bereits bessere Pferde in zweiter Generation: Ihre Tochter Ninas Terz (Tertullian), die mehrfach listenplatziert gelaufen ist, ist sie zweite Mutter von Star of Wins (Sea the Stars), der gerade ein hoch dotiertes Rennen in Saudi-Arabien gewinnen konnte. Und ihre Tochter Networking (Invincible Spirit) ist Mutter von Invisible Tears (Maurice), Zweite im Champagne Classic (Gr. II) im australischen Doomben. Nina Celebre ist Mutter der drei Jahre alten Nina’s Lob (Lope de Vega), die bei Andreas Wöhler steht, und des Jährlingshengstes Nina’s Emperor (Holy Roman Emperor).

Pakistan Star ging nach Hong Kong, wo er sich für Besitzer Kerm Dim und Trainer Tony Cruz am 18. September 2016 spektakulär einführte, als er unter Matthew Chadwick nach Startverlust ein 1400-Meter-Handicap nach Startverlust in erstaunlichem Stil gewann. Das nachfolgende Video ist im Netz bereits an die 890.000mal angeklickt worden.

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Die Probleme am Start sollten Pakistan Star seine gesamte Karriere über begleiten, trotz mehrerer Reiter- und später auch Trainerwechsel. 2017 verweigerte er erstmals seinen Dienst, als 1:5-Favorit in der Premier Plate (Gr. III). Das ließ er dann nach einer Pause aber vergessen, gewann mit William Buick nach einem zweiten Platz im Jahr zuvor 2018 den Audemar Piquet QEII Cup (Gr. I), sein größter Erfolg.

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Danach siegte er mit Tommy Berry im Sattel im Standard Chartered Champions & Chater Cup (Gr. I). Im Winter darauf blieb er aber mehrfach unter diesen Leistungen, er wechselte von Tony Cruz zu Paul O’Sullivan, der ihn aber auch nicht mehr so recht motivieren konnte. Nachdem er im November 2019 wieder kurz nach dem Start eines 1200-Meter-Rennens angehalten werden musste, weil er offensichtlich keine Meinung hatte, wurde er zu Doug Watson in die Emirate geschickt. Im Dezember 2020 wurde er Vierter in einem Listenrennen in Meydan, pausierte dann ein Jahr, sprang am 5. Dezember in Abu Dhabi wieder nicht ab. Es gab wohl noch Überlegungen, ihn nach Singapur zu schicken, doch mit neun Jahren wäre das kaum zielführend gewesen.

Bei 28 Starts hat Pakistan Star fünf Rennen gewonnen und umgerechnet 4,37 Millionen Euro verdient. Damit liegt er in der Liste der gewinnreichsten Pferde aus deutscher Zucht noch ein gutes Stück vor der „Arc“-Siegerin Danedream (Lomitas).

Bei den „Living Legends“, einer Seniorenresidenz für einstige vierbeinige Cracks, gelegen unweit des Flughafens von Melbourne, trifft er auf eine ganze Reihe von ehemaligen Stars aus Hong Kong. Dort sind die Pferde in der Regel ja im Wallachstatus und kommen so trotz guter Leistungen halt nicht für die Zucht in Betracht. Das gilt auch für viele Sieger des Melbourne Cups (Gr. I). Gleich fünf stehen bei den „Living Legends“, darunter auch der vom Gestüt Schlenderhan gezogene Almandin (Monsun).

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