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BBAG-Jährlingsauktion erfüllte die Erwartungen

Queen Mum, ein Angebot des Gestüt Görlsdorf, wurde für 49 000 € von Auktionator Daniel Delius der BBA Germany zugeschlagen. www.dequia.de

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 131 vom Freitag, 10.09.2010

Das erste Pferd im Ring der  BBAG-Jährlingsauktion, eine Stute aus dem Aufgebot des  Gestüts Hofgut Heymann, wird demnächst in den Farben des Hoppegarten-Machers  Gerhard Schöningh antreten, bei der  Martillo-Stute fiel bei 13.000 € der Hammer. Exakt diesen Preis brachte rund 25 Stunden später auch das letzte Pferd der Auktion, ein  Fährhofer  Königstiger-Hengst, den künftig  Uwe Stoltefuß für den  Stall Widukind trainieren wird.

Wolfgang Heymann und Ulrike Feill, Gestuet Heymann und Great Bradley Oak, verkauften das 1. Lot - 5 weitere Pferde folgten. Fotos (2) www.dequia.deWolfgang Heymann und Ulrike Feill, Gestuet Heymann und Great Bradley Oak, verkauften das 1. Lot - 5 weitere Pferde folgten. Fotos (2) www.dequia.deDas Ehepaar Sarstedt Stall Widukind mit Trainer Uwe Stoltefuss kauften das letzte Lot, Nr. 306, und im Nachverkauf auch die 189 vom Gestüt Fährhof.Das Ehepaar Sarstedt Stall Widukind mit Trainer Uwe Stoltefuss kauften das letzte Lot, Nr. 306, und im Nachverkauf auch die 189 vom Gestüt Fährhof.

Eckpunkte einer Auktion, die in den Stunden dazwischen letztendlich wohl die Erwartungen erfüllte: Die großen Jahre sind im Moment vorbei, weil ganz einfach die „Big Player“ fehlen, doch gibt es unverändert Interessenten aus dem In- und Ausland, die bereit sind, für einen gut gezogenen, attraktiven Jährling Geld auszugeben. „Den Umständen entsprechend sind wir dann auch zufrieden“, war die Aussage nicht nur eines Anbieters. Gestüte wie  Wittekindshof,  Karlshof, Fährhof oder  Brümmerhof verkauften durchweg ordentlich, andere hingegen, insbesondere kleinere Züchter, mussten erkennen, dass der Weg an die Spitze noch weit ist.

Gregor Baum, Gestüt Brümmerhof, und Trainer Torsten Mundry. www.dequia.deGregor Baum, Gestüt Brümmerhof, und Trainer Torsten Mundry. www.dequia.deDie Zahlen, die die  BBAG veröffentlicht, schließen die Rückkäufe ein, da ist der Schnitt pro Zuschlag höher als vor Jahresfrist, der Gesamtumsatz niedriger, was an dem quantitativ geringeren Angebot liegt. Schaut man sich nur die reinen Verkäufe an, so nehmen sich die Zahlen so schlecht nicht aus. Der Gesamtumsatz beträgt 4.285.500 €, rund 550.000 € weniger als vor Jahresfrist, was dem kleineren Katalog geschuldet ist. Der Schnitt pro Zuschlag ist mit 26.748 € gegenüber dem Vorjahr fast stabil geblieben, der Median (der höchste und der niedrigste Zuschlag werden gestrichen) ist sogar von 15.000 auf 20.000 € gestiegen. Das sind im internationalen Vergleich durchaus vorzeigbare Zahlen. Die Zahl der reell verkauften Pferde lag wie im Vorjahr bei rund sechzig Prozent. Auf den ersten Blick kein besonders aufregender Wert, aber im Gegensatz etwa zu England oder Irland, wo der Anbieter in der Regel keinen Rennstall unterhält und bereit ist, den Jährling zu jedem Preis abzugeben, tut der deutsche Züchter das oft nicht. Was nicht den gewünschten Preis erzielt, wird halt ins Training gegeben. Die Mechanismen sind anders.

Beste aeussere Bedingungen. www.dequia.deBeste aeussere Bedingungen. www.dequia.de

Sicherlich von Vorteil war die Stärkung des Freitags. Am Eröffnungstag der Auktion wurden deutlich bessere Pferde angeboten als noch vor Jahresfrist, das schlug sich in den Zahlen nieder. „Die gute Stimmung wurde dann auch auf den Samstag weitertransportiert“, kommentierte Karl-Dieter Ellerbracke. Der wurde durch zwei starke Blöcke geprägt, doch gab es natürlich auch Strecken mit Leerlauf. Positiv wirkte sich gewiss das gute Wetter aus, vor Jahresfrist war es deutlich schlechter gewesen, die Atmosphäre auf dem Auktionsgelände war ausgezeichnet.

Die Auktionshalle war  am Freitagabend gut gefüllt, aber die Käufer aus England fehlten. www.dequia.deDie Auktionshalle war am Freitagabend gut gefüllt, aber die Käufer aus England fehlten. www.dequia.deIm oberen Preisbereich wurden mehrere Bieter schmerzlich vermisst, in erster Linie die ansonsten durchaus regen Gäste aus England.  John Ferguson, der züchterische Berater von Scheich Mohammed, war am Donnerstag ebenso auf dem Auktionsgelände wie Tom Goff (Blandford Bloodstock) und Angus Gold, der Racing Manager von  Scheich Hamdan Al Maktoum. Auch  Chris Richardson vom  Cheveley Park Stud war nach einigen Jahren der Abstinenz wieder in Iffezheim. Der kam am Freitag zumindest noch auf das Auktionsgelände, die anderen Herren waren jedoch wieder abgereist. „Rein privat“ wäre er vor Ort gewesen, hatte Angus Gold geäußert. Zwar waren die Maktoums in der Vergangenheit nicht unbedingt in der Breite als Käufer aufgetreten, vor Jahresfrist hatten sie allerdings noch drei Jährlinge gekauft.

Auf dem Gelände war auch der im letzten Jahr noch sehr aktive  Rashit Shaykhutdinov ( R & B Int.), der sich diesmal allerdings völlig abstinent zeigte. Allerdings stehen im Gestüt acht von ihm gezogene Jährlinge, die darauf warten, zu den jeweiligen Trainern zu gehen.  Georg Baron von UIlmann ließ über  Rüdiger Alles von der IVA immerhin einen  Toylsome-Hengst aus dem Angebot des  Gestüts Bona ersteigern. 

Eine positive Überraschung war das Engagement aus Frankreich. 22 Jährlinge wechselten in das Nachbarland, was in mehreren Fällen insofern bemerkenswert war, da diese in Frankreich nicht prämienberechtigt waren. Käufer Nummer eins war  Sylvain Vidal, der für  Gerard Augustin-Normand aktiv war. Zehnmal unterschrieb der Manager des  Haras de la Cauviniere, in dem der ehemalige Derbysieger Le Havre (Noverre) aufgestellt ist, einen Ankaufszettel. „Ich bin sehr zufrieden mit den Jährlingen, die ich hier bekommen habe“, sagte er, „wir verstehen unser Engagement  auch als Unterstützung für die deutsche Vollblutzucht. Die Züchter können sicher sein, dass die Pferde nur zu den besten Trainern kommen.“ Natürlich hofft man auch für verstärkten Zuspruch von deutschen Züchtern für Le Havre. „Das ist natürlich auch ein Ziel von Monsieur Augustin-Normand“, betonte Vidal.

Günter Netzer  mit grossem Interesse bei der Auktion dabei. www.dequia.deGünter Netzer mit grossem Interesse bei der Auktion dabei. www.dequia.deZwischen 12.000 und 120.000 € war Vidal in allen Preislagen intensiv. Bis zu 120.000 €  musste er gehen, um sich den ersten Dylan Thomas-Nachkommen auf einer deutschen Auktion zu sichern. Der kapitale Hengst mit hervorragenden Bewegungen aus dem Gestüt Brümmerhof ist der erste Nachkomme der Katie Carr (Machiavellian), die die norddeutsche Zuchtstätte 2008 in Deauville erworben hatte.  Sie ist eine Halbschwester des mehrfachen Gr.-Siegers Predappio. 110.000 € zahlte Vidal für die einzige Pivotal-Stute im Katalog, eine vom Gestüt Görlsdorf angebotene nahe Verwandte zu Irresistible und Infallible. Zweimal ging Vidal auf 90.000 € hoch. Das war zunächst am Freitag bei dem Kallisto-Sohn Erkan der Fall. Der Hengst aus dem  Gestüt Röttgen ist ein Bruder der aktuellen Diana-Siegerin  Enora. Am Samstag kaufte Vidal aus dem Angebot des Gestüts Fährhof eine im Newsells Park Stud gezogene Nayef-Stute. Bei 85.000 € war noch Rüdiger Alles von der Internationalen Vollblut-Agentur (IVA) dabei, doch konnte er Vidals Gebot nicht kontern.

Aus Frankreich ist zudem das Engagement von  Pierre Boulard zu vermelden. Sechs Jährlinge ersteigerte er mit Frankreichs Hindernis-Championtrainer  Guillaume Macaire an seiner Seite, vier davon stammen von dem im Nachbarland so beliebten  Sholokhov. Trainer Thierry Doumen, der auf der Etzeaner Zucht vor einigen Jahren den guten Timos ersteigert hatte, sicherte sich aus dessen nächster Verwandtschaft den wuchtigen Ticinello (Lord of England).

Hans-Gerd Wernicke (r.), Trainer Wolfgang Figge (l.) und Dirk Eisele..BBA Germany. kauften gleich 7 Jährlinge. www.dequia.deHans-Gerd Wernicke (r.), Trainer Wolfgang Figge (l.) und Dirk Eisele..BBA Germany. kauften gleich 7 Jährlinge. www.dequia.deDer mit Abstand aktivste Käufer aber war  Dirk Eisele von der  BBA Germany. 21 Pferde wurden auf seinen Namen geschrieben, für insgesamt über eine Million €. Damit tätigte er für diverse Klienten nahezu ein Viertel des reellen Umsatzes.  Hans-Gerd Wernicke, der 78 Jahre alte Unternehmer, der am Sonntag mit dem Sieg von  Night Magic wohl die Krönung seiner Investitionen feiern konnte, war wie stets sehr investitionsfreudig, dem Vernehmen nach gehen sieben Jährlinge in seinen Besitz.

Das Top-Lot der Auktion: El Galoppier, Gestütt Wittekindshof, wurde fuer €170 000  der BBA Germany zugeschlagen. www.dequia.deDas Top-Lot der Auktion: El Galoppier, Gestütt Wittekindshof, wurde fuer €170 000 der BBA Germany zugeschlagen. www.dequia.deNicht allerdings der Salestopper. Das war der am Freitag in den Ring gekommene El Galoppier (Galileo), ein herausragendes Angebot des Gestüts Wittekindshof. Aktuell empfohlen durch den Sieg seiner Schwester Elle Shadow im Belmondo-Preis (Gr. III). Interessenten gab es viele, am Ende blieben Eisele und Besitzer Eckhard Sauren übrig, der sich mit Trainer Mario Hofer an seiner Seite aber geschlagen gab, als der Kontrahent bei 170.000 € mit dem Kopf nickte. Wolfgang Figge wird den Hengst trainieren, jedoch nicht für den  Stall Salzburg, sondern für einen anderen Besitzer. Der soll wohl auch über Eisele Bailando (Oratorio) gekauft haben. Der Bruder zu  der Gruppe I-Siegerin Baila Me kletterte auf 110.000 €. Sechsstellig wurde es auch bei Elton (Cadeaux Genereux), einem Erstling aus der Elle Danzig-Familie. Der Hengst mit hervorragenden Bewegungen und viel Ausdruck soll demnächst die Farben von Werner Heinz tragen, der mit Zazou in Iffezheim schon einen Volltreffer gekauft hat.

Den Höchstpreis des Samstags erzielte nicht unerwartet der Bruder von Samum und Schiaparelli. Seven Summits (Manduro), Anfang Mai geboren, ist im Vergleich zu seinen Brüdern bestimmt kein Riese, was aber auch kein Nachteil sein muss. Börje Olsson war im Auftrag eines skandinavischen Besitzers der Käufer, Alain de Royer-Dupre wird ihn zukünftig trainieren. „Ich bin sehr zufrieden, dass ich ein solches Pferd für diesen Preis kaufen konnte“, meinte er.

Felix Fritz, Hofgut Mappen. www.dequia.deFelix Fritz, Hofgut Mappen. www.dequia.deZumindest zweimal war man nah an dieser Summe dran. Das war bei einer vom Gestüt Brümmerhof angebotenen Shamardal-Stute  aus der Familie von König Turf und König Shuffle, an der Dirk Eisele interessiert war. Und an einer vom Gestüt Hofgut Mappen offerierten Monsun-Stute aus der Linie von Azamour. Die wollte wiederum Gregor Baum vom Gestüt Brümmerhof haben, auch Sylvain Vidal war interessiert, doch fehlte in beiden Fällen das finale Gebot von 150.000 €, beide Stuten wurden zurückgekauft.

Größter Einzelverkäufer war die Stiftung Gestüt Fährhof, die mit 19 Jährlingen nach Iffezheim angereist war. Während der im Vorfeld oft vorgestellte Dansili-Sohn aus der Casanga keinen Käufer fand und für 100.000 € zurück gekauft wurde, ging für diesen Betrag der Manduro-Sohn aus der Templerin an  Margot Herbert. Im Ring selbst hatte die passionierte Frankfurter Besitzerin den Halbbruder zu Toughness Danon nicht bekommen können, auch wenn sie mit Trainer Peter Schiergen an ihrer Seite auf ihn bot. Erst im Nachverkauf erwarb sie den Hengst aus dem ersten Jahrgang des ehemaligen Welt-Champions.

Ein Angebot von Ronald Rauscher. www.dequia.deEin Angebot von Ronald Rauscher. www.dequia.deEin noch größeres Kontingent als Fährhof hatte  Ronald Rauscher für diverse Besitzer nach Iffezheim gebracht. Eine Clodovil-Stute aus der Kazzia, auf die auch Sylvain Vidal geboten hatte, ging für 95.000 € an  Dr. Christoph Berglar. Der war auch der Anbieter des einzigen Monsun-Sohnes auf der Auktion, doch gab es auf diesen kein einziges ernsthaftes Gebot. Berglar, Käufer und Verkäufer, zog dann trotzdem ein positives Fazit der Auktion: „Die Decktaxen werden im kommenden Jahr deutlich zurückgehen, das sehe ich durchaus als Chance für die Züchter an. Im Prinzip ist das sogar eine gesunde Entwicklung, die Preise gehen dann auch wieder in die Höhe.“

DVR-Praesident Albrecht Woeste hier mit Ingeborg von Schubert freute sich ueber gleich zwei Jaehrlingskaeufe. www.dequia.deDVR-Praesident Albrecht Woeste hier mit Ingeborg von Schubert freute sich ueber gleich zwei Jaehrlingskaeufe. www.dequia.deHelmut von Finck, Gestuet Park Wiedingen, freute sich über den Verkauf des Precious Boy-Bruders für 61 000 €. www.dequia.deHelmut von Finck, Gestuet Park Wiedingen, freute sich über den Verkauf des Precious Boy-Bruders für 61 000 €. www.dequia.de

Und letztlich gab es dann doch einige positive Überraschungen. Denn wer hätte gedacht, dass  Albert Darboven einmal einen Jährling auf einer Auktion erwirbt (einen Smarty Jones-Hengst für 43.000 €, der zu  Andreas Wöhler geht). Oder dass das  Gestüt Park Wiedingen doch einmal einen Nachkommen aus der großartigen Mutterstute Pretty Su verkauft (einen rechten Bruder zu Precious Boy für 61.000 € an die BBA Germany/Stall Salzburg). So wurde am Ende doch manche Champagner-Flasche mehr entkorkt als vorher erwartet.

Mehr Fotos gibt es hier: click zur Galerie Auktion.

 

BBAG Jährlingsauktion (inkl. Rückkäufe)

 20102009
Angeboten277322
Verkauft235278
Umsatz6.119.000 €6.426.000 €
Schnitt26.038,30 €23.115,11 €

BBAG Jährlingsauktion - Die Top Lots

 

PferdAnbieterKäuferPreis
H., v. Galileo-Elle DanzigWittekindshofBBA Germany170.000 €
H., v. Manduro-SacarinaKarlshofBörje Olsson150.000 €
H., v. Dylan Thomas-Katie CarrBrümmerhofSylvain Vidal120.000 €
St., v. Pivotal-Baltic GiftGörlsdorfSylvain Vidal110.000 €
H., v. Oratorio-BandeiraKarlshofBBA Germany110.000 €
H., v. Manduro-TemplerinFährhofMargot Herbert100.000 €
H., v. Cadeau Genereux-EstrellaBrümmerhofBBA Germany100.000 €
St., v. Clodovil-KirunavaaraRauscherDr. Christoph Berglar95.000 €
H., v. Kallisto-EnricaRöttgenSylvain Vidal90.000 €
St., v. Nayef-Snow GretelFährhofSylvain Vidal90.000 €
St., v. Montjeu-MajorataEtzeanEckhard Sauren75.000 €
H., v. Manduro-PatineuseRauscherDr. Christoph Berglar75.000 €
H., v. Lord of England-TicinellaEtzeanThierry Doumen75.000 €


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