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Der Auktionserfolg für Röttgen: 1,3 Millionen Euro für Wild Coco

Großer Auktionserfolg für das Gestüt Röttgen: Wild Coco wechselte für  985,000 Guineas (ca. 1,3 Mio €) den Besitzer. www.tattersalls.com

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 244 vom Donnerstag, 06.12.2012

Als am Donnerstag nach vier intensiven Auktionstagen der Breeding Stock Sale von Tattersalls in Newmarket auch das letzte Lot durch den Ring gegangen war, fiel die Bilanz nicht ganz so gut aus wie im vergangenen Jahr aus. Im Schnitt pro Zuschlag wurde ein Minus verzeichnet, allerdings konnte sich die Verkaufsrate durchaus sehen lassen. Nach einhelliger Meinung der Experten war der Katalog auch nicht ganz so gut wie in der Vergangenheit schon einmal. Trotzdem war das Geschäft angesichts der weltweiten wirtschaftlichen Lage und besonders der in England absolut rege.

Dafür sorgten dann in der Preisspitze einmal mehr arabische und japanische Klientel. Und es gab aus deutscher Sicht einen Höhepunkt, als am Mittwochabend Gestüt Röttgens Wild Coco in das zu diesem Zeitpunkt dicht umsäumte Auktionsrund geführt wurde. Es war klar, dass die vier Jahre alte Shirocco-Tochter an diesem Tag "outstanding" war, prognostiziert wurden um die 800.000 gns. für die in diesem Jahr in zwei Gr.-Rennen ungeschlagene Stute. Röttgen hatte ohnehin lange überlegt, ob sie dieses Kronjuwel überhaupt auf den Markt bringen sollte, "wir haben auch schon unsere Preisvorstellungen", erklärte Gestütsleiter Frank Dorff. Unter 500.000 gns. wäre sicher in keinem Fall abgegeben worden, doch davon konnte dann auch keine Rede sein.

Das Newsells Park Stud zeigte sich interessiert, am Ende duellierten sich jedoch Alain Cooper, der Rennsport-Manager der Niarchos-Familie, und japanische Interessenten. Schließlich bekam Keisuke Onishi im Auftrag von Tomoyuki Nakamuras KI Farm bei stolzen 985,000 Guineas (ca. 1,3 Mio €) den Zuschlag. Nakamura und sein Agent Taki Murayama waren zwar Anfang der Woche in Newmarket vor Ort gewesen, doch hatten sie für die Internationalen Rennen in Hong Kong England bereits verlassen und überließen Onishi das Bieten. Dieser hatte seinen Aufenthalt bei Tattersalls extra um einen Tag verlängert, um im Rennen um Wild Coco mitzuhalten. Gute Nachrichten gab es denn auch für Wild Cocos Trainer Sir Henry Cecil, der trotz angegriffener Gesundheit den Weg zur Auktion gefunden hatte. Die Stute wird noch ein weiteres Jahr in seinem Rennstall bleiben, was im Übrigen auch im Fall eines Nichtverkaufs der Fall gewesen wäre.

Für Wild Coco war es der zweite Besuch bei Tattersalls. Vor drei Jahren hatte sie als Jährling bei 60.000 gns. unverkauft den Ring verlassen, war aber vor Ort geblieben. "Die Überlegung war, unsere Blutlinien durch Leistungen auf internationaler Ebene bekannter zu machen", so Dorff, "deshalb haben wir sie zu einem herausragenden Trainer wie Sir Henry gegeben." Was denn auch von vollem Erfolg gekrönt war, denn die Stute konnte sich eigentlich bei jedem Start verbessern, war in der laufenden Saison in den Park Hill Stakes (Gr. II) und den Lillie Langtry Stakes (Gr. III) erfolgreich. Die Familie von Wild Coco, deren Abstammung wir im Pedigree der Woche ausführlicher dokumentieren, ist noch nicht allzu lange in Heumar angesiedelt. Ihre zweite Mutter ist die von Evelyn und Albert Steigenberger gezogene Wild Romance, die einst in den Farben von Heinz Noster den Preis der Winterkönigin gewann. Röttgen hat derweil schon angekündigt, nach überaus erfolgreichen Auktionskäufen Reinvestitionen zu tätigen, was sich auch in der Buchung von hochklassigen Deckhengsten niederschlagen könnte.

Hey, und warum guckt mich keiner an? Twyla Tharp war mit 1.700.000 gns die Topsellerin. www.tattersalls.comHey, und warum guckt mich keiner an? Twyla Tharp war mit 1.700.000 gns die Topsellerin. www.tattersalls.com

Der Höchstpreis der Auktion wurde bereits am Montag erzielt. Bei 1,7 Millionen Guineas fiel der Hammer bei der zehn Jahre alten Mutterstute Twyla Tharp (Sadler's Wells), die von Lord und Lady Webbers Kiltinan Castle Stud angeboten wurde. Sie ist die Mutter der diesjährigen Gr. I-Siegerin The Fugue (Dansili), trägt von Oasis Dream. Amerikanische und japanische Kunden waren interessiert, den Zuschlag bekam der französische Agent Nicolas de Watrigant, der in diesem Jahre zahlreiche Stuten für Scheich Joaan Al Thani ersteigert hat, diesmal aber den Namen des Klienten nicht preisgeben wollte. Allerdings haben die Al Thanis dem Vernehmen nach nicht weniger als 13 Sprünge zu Frankel (Galileo) gebucht, sie benötigen also entsprechende Qualität.

1,5 Millionen gns. erlöste am Dienstag Banimpire (Holy Roman Emperor), die innerhalb von zwölf Monaten zum zweiten Mal Salestopper an einem Auktionstag war. 2011 war die fünffache Gr.-Siegerin bei Goffs für 2,3 Millionen € an den Amerikaner Martin Schwartz verkauft worden, doch in dessen Farben absolvierte sie nur einen erfolglosen Start in den USA. Sie kam also erneut in den Ring, allerdings war der Preis von 2011 nicht zu realisieren. Reiley McDonald von den Eaton Sales aus Kentucky zeichnete für einen nicht näher genannten Klienten als Käufer, Galileo soll ihr erster Partner sein.

Das wird auch bei Blue Symphony (Darshaan) der Fall sein. Die von Fittocks Stud von Luca Cumani angebotene Mutter der Gr.-Siegerinnen Fantasia (Saddler's Wells) und Pink Symphony (Montjeu) ging für eine glatte Million Guineas an Coolmore. Nur gering darunter lag der Zuschlagpreis der jungen Seeharn (Pivotal), einer Listensiegerin, die für 950.000 gns. an Mandore International ging.

Mehr deutsche Verkäufer als Käufer

Die deutsche Präsenz am Ring war in Newmarket übersichtlich und hatte nicht nur in Bezug auf Wild Coco ein Übergewicht auf der Verkäuferseite. Immerhin war Dr. Christoph Berglar in einem höheren Segment aktiv. Die von dem Düsseldorfer Paul Hilger angebotene neun Jahre alte Ponte Tresa (Sicyos) hatte zwar zunächst bei 180.000 gns. unverkauft den Ring verlassen, doch konnte sie sich Ronald Rauscher für Berglar für 200.000 gns. sichern. Die Siegerin u.a. im Prix Kergorlay (Gr. II), vielfach auch Gr.-platziert, trägt von New Approach.

Mit einigen Stuten war das Gestüt Schlenderhan im Ring vertreten, sie wurden über Ronald Rauscher verkauft. Für 100.000 gns. ging die nicht gelaufene, drei Jahre alte Mystique (Monsun), eine Halbschwester zu Mawingo (Tertullian), an Katsumi Yosida. Die Listensiegerin Alcina (Tiger Hill) fand für 22.000 gns. in dem Australier John Foote einen neuen Besitzer. Aus dem Rauscher-Kontingent gab es noch zwei weitere bemerkenswerte Zuschläge. Die drei Jahre alte gruppeplatziert gelaufene Caitania (Aussie Rules) wurde für 70.000gns. dem französischen Agenten Bertrand le Metayer zugeschlagen, auch sie könnte in Australien eine neue Heimat finden, wie zudem die fünf Jahre alte Elke's Friend's (Starcraft), die tragend von Monsun für 75.000 gns. an Badgers Bloodstock ging. Zu den Verkäufern zählten auch Görlsdorf und Ittlingen, letzteres Gestüt gab u.a. die aus dem Rennstall kommende drei Jahre alte Fashion für 55.000 gns. an den Australier John Foote ab.

Im Ring wurde die von Monsun tragende Alkhana (Dalakhani), die für den Stall Weissenhof gruppeplatziert war und über das New England Stud angeboten wurde, für 100.000 gns. zurückgekauft, doch ging sie im Nachverkauf dem Vernehmen nach für diesen Preis über den Agenten Richard Knight in englischen Besitz. Ihr nächster Partner im Gestüt soll der im Newsells Park Stud sehr gefragte Neuling Nathaniel (Galileo) sein. Newsells Park, das Gestüt der Familie Jacobs, war auf der Verkäufer-, aber auch auf der Käuferseite sehr aktiv. Erworben wurden u.a. für 75.000 gns. aus der Zucht von Joachim Erhardt die von Lope de Vega tragende Listensiegerin Quesada (Peintre Celebre) und für 110.000 gns. Amallina (Green Desert), eine Tochter der in der Darley-Zicht so erfolgreichen German 1000 Guineas (Gr. II)-Siegerin Walesiana (Star Appeal) aus bester Röttgener Familie. Amallina ist tragend von Poet's Voice.

Andreas Putsch wurde auf der Suche zur Verstärkung seiner Mutterstutenherde fündig. www.tattersalls.comAndreas Putsch wurde auf der Suche zur Verstärkung seiner Mutterstutenherde fündig. www.tattersalls.com

Andreas Putsch vom Haras de Saint Pair, stets auf der Suche nach einer Ergänzung seiner hochklassigen Stutenherde, ersteigerte für 240.000 gns. die exquisit gezogene Appeal (Selkirk), die ein Fohlen von Fastnet Rock erwarten lässt.

Tattersalls December Mares Sale - Salestopper

PferdAnbieterKäuferPreis
Twyla Tharp (2002, v. Sadler's Wells), trgd. v. Oasis DreamKiltinan Castle StudMandore International1.700.000 gns.
Banimpire (2008, v. Holy Roman Emperor)European Sales Man.Eaton Sales1.500.000 gns.
Blue Symphony (2000, v. Darshaan), trgd. v. DubawiFittocks StudMV Magnier1.000.000 gns.
Wild Coco (2008, v. Shirocco)Gestüt RöttgenKI Farm985.000 gns.
Seeharn (2008, v. Pivotal), trgd. v. DubawiBallyhimikin StudMandore International950.000 gns.
Secret Garden (1999, v. Danehill), trgd. v. GalileoThe National StudHugo Lascelles900.000 gns.
Desert Classic (2002, v. Green Desert), trgd. v. High ChaparralHighclere StudMount Brillant Farn875.000 gns.

Tattersalls December Mare Sales

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