Drucken Redaktion Startseite

Aufgalopp 745

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 745 vom Freitag, 18.11.2022

Es ist schon Jahrzehnte her, da nahmen es einige Jockeys im deutschen Rennsport mit dem Vorwärtsreiten nicht so ganz genau. Neben den dann verhängten Sperren landeten die Geschehnisse teilweise auch vor Zivilgerichten, was, wenn diese dann insbesondere im bayerischen Raum tagten, teilweise komödiantische Züge einnahm. Eines war den Zivilrichtern aber gemein: Totale Ratlosigkeit gegenüber einer ihnen völlig fremden Materie. 

Das kommt einem in den Sinn, wenn Nachrichten aus Frankreich zu uns dringen. Dort mischt sich das dortige Innenministerium, genauer die im unterstellte “police des jeus” in die Entscheidungen des Dachverbandes France-Galop ein. Dieser war wohl durchaus willens, dem einstigen Championjockey Pierre-Charles Boudot wieder eine Lizenz zu erteilen, da gab es ein Veto des Ministers. Es geht um einen Vorgang aus dem Februar 2021, der bis heute nicht aufgearbeitet wurde. Jetzt will die Behörde zudem eine Strafverschärfung im Fall Christophe Soumillon, der vielfach dokumentiert, während eines Rennens einen Kollegen mittels Ellbogenchecks aus dem Sattel befördert hat. Es kann durchaus darüber diskutiert werden, ob die vom Verband verhängte Sperre von zwei Monaten angemessen ist oder nicht. Doch geht es um die Einmischung des Staates in die Autonomie der Sportgerichtsbarkeit. In der kommenden Woche soll es nun Gespräche zwischen den Aktiven und den Behörden geben. 

In Deutschland hat sich die Zivilgerichtsbarkeit am Ende eher rausgehalten. Das hat noch die Causa Isfahan (Derby, Peitsche…) gezeigt. “Wenn die Verbandsgerichtsbarkeit in der Sache ohne Verstoß gegen Verfassungsrecht und unter Beachtung der elementaren Rechtsgrundsätze entschieden hat, mischt sich der Staat, also die ordentlichen Gerichte, nicht mehr ein.” So entschied damals das Oberlandesgericht Köln. Eine Überprüfung gibt es nur “in extremen Ausnahmefällen.” Beunruhigend ist das sicher nicht.

Verwandte Artikel: