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Aufgalopp 743

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 743 vom Freitag, 04.11.2022

Stellen Sie sich einmal vor, Sie müssten jemanden davon überzeugen, mit der Zucht von Vollblütern zu beginnen. Nun, Sie raten möglicherweise zum Kauf einer jungen, gut gezogenen, erfolgreichen Stute aus dem Rennstall. Zur Bedeckung 2023 von einem spannenden Hengst. 2024 kommt dann das Fohlen zur Welt, das Ende 2025 in den Rennstall einrückt. Und 2027 gewinnt es dann das Derby oder die Diana. Oder zumindest ein schickes Auktionsrennen. Der so Angesprochene rechnet das kurz einmal im Kopf durch, stellt nach einem Blick in seinen Pass fest, welches Alter er im Jahre 2027 erreichen wird und erklärt dann, dass er doch dankend darauf verzichten wolle. 

Es ist, das zeigen aktuelle Erfahrungen, nicht einmal schwierig, neue Besitzer zu generieren. In Gemeinschaften, Syndikaten, für Startpferde, die jedoch gar nicht so leicht zu bekommen sind. Und auch für Jährlinge. Menschen, die selbst in herausfordernden Zeiten finanziell gut abgefedert sind und sich das Hobby Rennsport etwas kosten lassen. Doch wollen sie eine schnelle Umsetzung ihres Investments, ein Jährling geht, da bietet die nächste Saison schon eine Perspektive. Aber Züchten? Das wagen nur noch Wenige. 

Der Blick auf die aktuellen Bedeckungszahlen zeigt, dass die Entwicklung bedenklich ist. 2009 hatte es in Deutschland 1.346 Bedeckungen gegeben, in diesem Jahr 752, knapp einhundert weniger als 2021. 684 Fohlen (2021: 723) wurden 2022 geboren. Da stellt sich schon die Frage, wer denn in ein paar Jahren auf unseren Bahnen noch laufen soll. So benötigen wir eigentlich nicht nur Besitzer- sondern auch Züchtergemeinschaften, ja aber auch Zuchtprogramme, um Anreize zu schaffen. Doch vermutlich sind dies angesichts der Kassenlage utopische Überlegungen.

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